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Ausgabe Nr. 48/2018 vom 27.11.2018, Foto: picturedesk.com
Am 10. Mai 1952 in Berlin (D) geboren, wuchs Ronald Keiler, so Roland Kaisers bürgerlicher Name, bei einer Pflegemutter auf. Ende der 1960er Jahre war er Werbeleiter in einem Autohaus, bis ihn der Produzent Thomas Meisel als Sänger entdeckte. 1980 veröffentlichte Kaiser „Santa Maria“, seine erfolgreichste Single. Weil er an COPD litt, wurde ihm 2010 eine Lunge transplantiert. Seit 1996 ist er mit Silvia verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder, Jan, 22, und Anna-Lena, 19. Von 1980 bis 1990 war er mit Christina, von 1990 bis 1995 mit der Schauspielerin Anja Schüte verheiratet.
„Nicht alles, was war, ist schlecht“
Seine Anhängerschar umfasst mittlerweile drei Generationen. Roland Kaiser, 66, der Grandseigneur des deutschen Schlagers, gastiert am 9. Dezember in der Wiener Stadthalle. In dem für ihn typischen Kleidungsstil, dem der „Kaiser des Schlagers“ stets treu geblieben ist, wie er im WOCHE-Gespräch bestätigt.
Herr Kaiser, eines Ihrer Markenzeichen ist Ihr Bühnen-Outfit, Anzug mit Einstecktuch und Krawatte. Sind Sie auch privat derart unterwegs?
Das richtet sich bei mir ganz nach dem Anlass. Zum Einkaufen trage ich sicher keinen Maßanzug, aber auf eine vernünftige Erscheinung lege ich grundsätzlich immer Wert.

Wissen Sie schon, was Sie bei Ihrem Auftritt am 9. Dezember in der Wiener Stadthalle tragen werden?
Ja, ich verrate es aber nicht. Nur so viel, ich werde das anziehen, was die Menschen von mir erwarten. Anfang der 1980er Jahre entschloss ich mich für ein Erscheinungsbild. Diesem für mich typischen Stil bin ich stets treu geblieben.

Sie kommen im Advent nach Wien. Besuchen Sie einen Christkindlmarkt?
In den knapp zwei Tagen wird sich das leider nicht ausgehen. Denn am Tag nach dem Konzert geht‘s gleich weiter zu Tonarbeiten nach Berlin (D). Aber Kaffee und Kuchen in der k.u.k-Hofzuckerbäckerei Demel in der Wiener Innenstadt sind sicher möglich. Vielleicht haben wir bei unserem nächsten Besuch mehr Zeit, wenn ich mit meiner Frau privat in Wien sein werde. Ich bin ein
großer Verehrer dieser schönen Stadt. Überhaupt mag ich das Land, die Kulinarik und die Lebensart. Seit 20 Jahren machen meine Frau und ich in ein- und demselben Hotel in Tirol Urlaub.

Mögen Sie den Advent mit seinen Traditionen?
Ich mag Brauchtum und Traditionen grundsätzlich gerne. Nicht alles, was war, ist schlecht, weil es war. Und nicht alles, was kommt, ist gut. Eine gesunde Mischung aus Tradition und Moderne ist für mich die ideale Form von Leben.

Rückt Ihre Familie in der Weihnachtszeit stärker zusammen?
Glücklicherweise haben wir das ganze Jahr einen starken Familienzusammenhalt. Rund um Weihnachten ist es natürlich weniger hektisch. Insofern ist Weihnachten eine willkommene Zeit, uns auf das zu besinnen, was uns als Familie wichtig ist.

Sie sind seit 44 Jahren in der Schlagerbranche. „Frei, das heißt allein“, „Santa Maria“, „Lieb mich ein letztes Mal“ und viele weitere Ihrer Hits singen Sie zum tausendsten Mal. Wurde Ihnen das Genre nie langweilig?
Nein, nie. Wir haben in unserem Sprachgebrauch offensichtlich ein Problem mit populärer Musik. Laut Brockhaus sind Schlager Titel, die von der Mehrheit der Menschen auf der Straße nachgepfiffen werden können. In Amerika heißt er Hit, in Frankreich Chanson. Im deutsch-
sprachigen Raum heißt ein Lied, das mehrheitsfähig ist, eben Schlager. Warum sollte es mich ärgern, mehrheitsfähige Musik zu machen? Im Gegenteil, es freut mich, und ich bin und bleibe in dieser Musik zu Hause.

Sie wurden heuer 66. Blicken Sie eher zurück oder schauen Sie stets nach vorne?
Privat schaue ich nur nach vorne. Wenn ich politische und gesellschaftliche Vorkommnisse reflektiere, muss ich nach hinten blicken. Denn es geschehen heute Dinge, die ich erst dann beurteilen kann, wenn ich deren Wurzeln kenne und verstehen kann, warum Menschen so fühlen, handeln und denken.

Wie denken Sie über die Dieselfahrverbote?
Sie leben mit einer transplantierten Lunge. Reagiert Ihre Spenderlunge sensibler auf schlechte Luft?

Ob eigene Lunge oder Spenderlunge, saubere Luft ist für uns alle wichtig. Die Politik muss sich in dieser Hinsicht noch viel mehr für den Verbraucher stark machen und fordern, dass die Schadensverursacher für die Umrüstung der Dieselfahrzeuge bezahlen sollen.

Fahren Sie einen Diesel?
Nein.

Wäre ein E-Auto interessant für Sie?
Keine Frage, das wäre natürlich in Zukunft für jeden interessant, wenn eine längere Fahrleistung gewährleistet wird und wir überall die Möglicheit haben, reibungslos aufzuladen. Allerdings ist auch die Elektroauto-Thematik mit Fragen verbunden, die zu klären sein werden. Wie kann garantiert werden, dass genug Energie vorhanden ist? Und wie sehr beeinträchtigt der Elektrosmog die Luftqualität?

Um mehr als nur Luftqualität geht es beim Nichtraucherschutz, der in Deutschland wie hierzulande für Kontroversen sorgt. Sind Sie als ehemals starker Raucher für rauchfreie Lokale?
Das Thema lässt sich vernünftig regeln. Mit einem separierten Raum, in dem geraucht werden kann. Wenn sich Menschen schaden wollen, dann können sie das kollektiv im Raucherraum tun. Die Norm muss jedenfalls sein, dass keiner keinem schadet. Dazu fällt mir eine treffende Geschichte von Erich Kästner ein. Ein Zugfahrgast sitzt im Raucherabteil und sagt zum Nichtraucher: „Sie müssen hier rauchen. Wenn ich im Nichtraucherabteil sitze, dann muss ich auch nicht rauchen.“

Bei Landluft und unter freiem Himmel beehren Sie uns im nächsten Jahr wieder …
Ja, ich komme ins Burgenland, um am 17. Juli 2019 auf der Seebühne Mörbisch zu singen. In dieser schönen Region mit dem großen See trat ich schon einmal während einer Schlagernacht auf.

Was ist Ihnen lieber, eine Freiluft- oder Hallen-Veranstaltung?
Beides hat seinen Reiz. Open-Airs sind überwiegend Stehkonzerte, wodurch die Stimmung im Publikum etwas ausgelassener ist. Eine herrliche Atmosphäre, trotz Wetter-Unsicherheit.

Wie gut können Sie von der Bühne aus die Stimmung im Publikum erspüren?
Ich bin keiner, der die Bühne betritt und sich denkt, jetzt habt mich alle gern. Ich gehe als Menschenfreund auf die Bühne, weil ich mein Publikum mag. Deswegen kann ich Stimmungen gut erspüren. Das Schönste an meinem Beruf sind Live-Konzerte, weil dabei die spontanen Reaktionen der Menschen zu spüren sind. Bei Fernseh-Auftritten geben Einschaltquoten und Einträge in den sozialen Netzwerken Auskunft. Das ist für mich mit viel weniger Emotionen verbunden.
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