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Ausgabe Nr. 48/2018 vom 27.11.2018, Fotos: Fotolia, LK Tirol/Unmann
In der roten, papierähnlichen Samen-Schale der Erdnuss stecken besonders viele gesunde Ballaststoffe. 100 g ca. 570 kcal,
50 g Fett.
„Unter der Erde hängen dann die Nüsse wie Erdäpfel an der Pflanze“, sagt Josef Schirmer.
Die Nuss aus der Erde Tirols
Am 6. Dezember bringt der Nikolo seine Geschenkssackerl zu den braven Kindern. Neben Schokolade sind dabei auch Erdnüsse fester Bestandteil der Gaben. Zum Großteil wird die Weihnachtsknabberei noch aus Südamerika importiert. Doch heuer gelang erstmals der Erdnussanbau im Land Tirol.
Normalerweise experimentieren die Tiroler Gemüsebauern alljährlich mit bekannten Sorten wie Kohlrabi oder Salat. Der heiße Sommer hat es heuer jedoch möglich gemacht, dass auf einem 300 Quadratmeter großen Feld in Rum bei Innsbruck (T) erstmals Erdnüsse geerntet werden konnten. Eine kleine Sensation. Stammen die subtropischen Hülsenfrüchte doch ursprünglich aus den peruanischen Anden und werden seit jeher hauptsächlich in Südamerika, China, Afrika sowie in den USA angebaut.

„Hierzulande wurden Erdnusspflanzen bislang nur hobbymäßig im Topf kultiviert. Wir wollten deshalb herausfinden, ob sie auch großflächig auf unseren Feldern wachsen können“, erzählt DI Alfred Unmann von der Tiroler Landwirtschaftskammer. Also wurden in knapp tausend Anzuchtgefäßen jeweils drei Erdnusssamen vorgezogen und Ende Mai auf ein kleines Versuchsfeld von Josef Schirmer, dem Obmann der Tiroler Gemüsebauern, ausgepflanzt.

Grundvoraussetzung für den Acker war freilich ein sonniger Standort und ein durchlässiger Boden, „damit ja keine Staunässe entsteht, was Erdnusspflanzen überhaupt nicht mögen“, weiß Unmann, der sich im Internet über dieses Gewächs aber erst schlau machen musste. Umso größer war deshalb die Überraschung, dass die Setzlinge bereits nach wenigen Wochen 30 bis 60 Zentimeter hoch waren und hübsche gelbe Blüten zeigten.

Danach erfolgte, wie bei den Erdnüssen allgemein üblich, ein verblüffender Wachstumsprozess.

„Die Fruchtknoten, die eigentlich an den Stielen nach oben sprießen, krümmen sich und wachsen Richtung Boden. Dort angekommen, bohren sie sich etwa 15 Zentimeter tief ins Erdreich, in dem die Hülsenfrüchte dann langsam ausreifen“, erklärt der Gemüsebaureferent.

Weshalb sich die Ernte im September auch alles andere als einfach gestaltete. Schließlich musste jede Pflanze mit dem Spaten gelockert und per Hand herausgezogen werden. „Und dann mussten wir jede Erdnuss auch noch einzeln vom Wurzelballen abpflücken“, berichtet der Erdnusspionier. Was ohne maschinelle Hilfe ganz besonders zeitaufwändig ist, da an jeder Pflanze im Schnitt 40 bis 50 Erdnüsse hängen.

Bevor die gesunde Knabberei im Nikolosackerl landet, müssen die Erdnüsse natürlich noch gesäubert, getrocknet und geröstet werden. „Auch die handelsüblichen in der Schale sind in der Regel beim Verkauf nicht mehr roh, sondern geröstet, weil sie sonst rasch Schimmelpilze bilden, die Giftstoffe enthalten“, erklärt Unmann.

So blieben von den geernteten 200 Kilo nasser, erdiger Nüsschen letztendlich nur noch 40 Kilo zum Verspeisen übrig. Kommerziell verwertbar sind Tiroler Erdnüsse aufgrund der geringen Anbaufläche somit noch nicht. „Dafür schmecken unsere ein bisschen intensiver als die importierten aus den Supermärkten“, freut sich Alfred Unmann, der im nächsten Jahr einen weiteren Feldversuch starten will. Immerhin ist Regionalität in den vergangenen Jahren für die Konsumenten immer wichtiger geworden. Und vielleicht hat der Gemüsebaureferent mit seiner Idee auch den einen oder anderen Bauern dazu angeregt, im nächsten Frühjahr ebenfalls auf den Anbau von Erdnüssen zu setzen. hwie
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