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Ausgabe Nr. 47/2018 vom 20.11.2018, Fotos: christian prenner/picturedesk.com, Starpix/Alexander Tuma
In „Habt‘s mich gern“ lässt der Schauspieler
Wolfgang Böck, 65, sein Leben Revue passieren.
Böck ist seit 2002 glücklich mit seiner Frau Sonja verheiratet.
„Habt‘s mich gern“ von Wolfgang Böck
erschien dieser Tage im Amalthea-Verlag.
Sein Lehrer hat ihn geohrfeigt
Wolfgang Böck, 65, gilt hierzulande als Pubikumsliebling. Er glänzte bereits in jungen Jahren am Theater, später als hartgesottener Fernseh-Kiberer „Trautmann“ und heute als Intendant und urtypischer Wienerlied-Sänger. Für sein Buch „Habt‘s mich gern“ begab sich der Oldtimer-Liebhaber zu den „Raststätten“ seines Lebens.
In jungen Jahren wollte der Auto- und Motorrad-Enthu-
siast Wolfgang Böck, 65, eigentlich einen technischen Beruf ergreifen, bis ein Theaterbesuch sein Leben veränderte. Die Bretter, die die Welt bedeuten, wurden auch sein Zuhause, als uriger Wiener Kieberer „Trautmann“ aus der Fernsehserie „Kaisermühlen-Blues“ kennen ihn heute Jung und Alt.

Die Vorliebe für Autos hat er jedenfalls nie abgelegt. Für sein Buch „Habt‘s mich gern“ unternahm Wolfgang Böck deshalb in seinem Jaguar E-Type eine Rundreise zu den „Raststätten“ seines Lebens.

Den ersten Halt legte der Schauspieler in Linz (OÖ) ein, wo er am 14. Jänner 1953 als Sohn eines Industriekaufmannes und einer Kindergärtnerin das Licht der Welt erblickte. „Mein Vater war streng, aber gerecht, meine Mutter ein mir und meiner Schwester Elisabeth gegenüber liebevoller Mensch“, erzählt er.

Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen in einer Stadtrandsiedlung, wo „jedes Haus wie ein Ei dem anderen glich“. Er erinnert sich daran, dass die Familie lange Zeit keinen Fernseher hatte. Und dass sein Vater für einen befreundeten Schihändler nach der Arbeit noch Bindungen auf Schibretter montierte, um Geld dazuzuverdienen und der Familie gemeinsame Schi-Aus-
flüge zu ermöglichen. „Damals lernte ich, Vergnügen kann ich mir erarbeiten. Eine gute Schule fürs Leben.“

In der eigentlichen Schule hatte es Wolfgang Böck jedoch nicht leicht. Denn der liberal und autoritätsfern erzogene Bub eckte immer wieder bei seinen Lehrern an. Besonders in Erinnerung blieb ihm ein Kaplan, der in der Kirche und als Religionslehrer auch „Watschen“ austeilte. „So verliert man sehr früh ein Schaf“, sagt Böck.

Noch schlimmer wurde es im Gymnasium, wo er einen Kleinkrieg mit seinem Musikprofessor führte. Der wollte den Burschen für seinen Chor gewinnen, er lehnte jedoch ab. Als der zehnjährige Schüler eines Tages sein Musikbuch vergaß und sich aus der Nebenklasse eines ausborgte, kam ihm der Lehrer dabei auf die Schliche. Wo denn sein Buch sei, schrie er ihn an. „In der Früh habe ich es eingepackt, jetzt ist es nicht mehr da“, stotterte der Bub in seiner Not. „Dann muss es jemand gestohlen haben“, schlussfolgerte der Lehrer, worauf Wolfgang Böck jede einzelne Schultasche seiner 30 Mitschüler nach dem Buch durchsuchen musste. „Er trieb einen Keil zwischen mich und die Klasse. Ich war mit den Nerven am Ende und wechselte in die Hauptschule“, erzählt er über sein „Trauma“.

Nach der Hauptschule besuchte Böck den Zweig Maschinenbau der Höheren Technischen Lehr- und Versuchsanstalt (HTL) in Linz. „Die Theorie der Technik hat mich aber in Wahrheit nie interessiert“, erzählt er.

Im Jahr 1973 gab das Theaterstück „Change“, ein Intrigendrama in der Wiener Künstlerszene des im Jahr 2005 verstorbenen heimischen Schriftstellers Wolfgang Bauer, Böcks Leben die entscheidende Wendung. „Ich saß wie elektrisiert im Zuschauersaal. Schauspieler, das war es, was ich werden wollte“, stand für ihn fest.

So kam es, dass Böck ein Jahr vor der Matura an die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz wechselte. Das erwartete Donnerwetter seiner Eltern blieb aus. „Hast du dir das auch gut überlegt?“, fragte ihn sein Vater nur. Vielmehr kritisierte er ihn aufgrund des „gammlerhaften Auftretens“. „Mit Jesuspatschen, ‚Federn‘ bis zu den Schultern und knallbunten Glockenhosen sah ich aus wie ein Reserve-Christus“, lacht Böck. In der Schauspielschule fühlte er sich mit diesem Aussehen wohl und freundete sich mit einem Kommilitonen aus Vorarlberg an. „Otto und ich haben nächtens die Grazer Lokalszene unsicher gemacht und untertags viel Blödheiten ausgeheckt“, erinnert sich Böck.

Der eigentliche Schauspielunterricht interessierte ihn jedoch weniger. „Spielen kann ich nur lernen, indem ich spiele“, sagte er sich. Und das tat er. Böck schloss die Schauspielschule im Jahr 1976 mit Auszeichnung ab und erhielt noch im gleichen Jahr sein erstes Engagement am Theater in Bregenz (V).

Seit den 1980er Jahren arbeitet Böck als freier Schauspieler an verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum. So spielte er etwa 1994 bei den Salzburger Festspielen den Guten Gesellen im „Jedermann“ und war 1996 im Theater in der Josefstadt in Fritz Hochwälders „Der Himbeerpflücker“ zu sehen.

Am Theater lernte Böck auch seine spätere Frau, die Architektin Sonja Kremsner kennen. Er sprach sie mit den Worten, „Hallo Ela, wie geht‘s?“ an, weil er sie mit ihrer Zwillingsschwester verwechselte, die mit einem Bekannten liiert war. Sie verzieh ihm, die beiden wurden ein Paar und haben einen gemeinsamen Sohn, Felix Casper, 28, seit dem Jahr 2002 sind sie glücklich verheiratet.

Den größten Erfolg feierte Böck vor der Kamera. In der Fernsehserie „Kaisermühlen Blues“ verkörperte er ab 1995 den Wiener Polizisten „Trautmann“. Die Geschichten aus einer Gemeindebausiedlung in Wien-Donaustadt wurden ein Publikumserfolg, der hartgesottene „Trautmann“ erlangte bald Kult-Status.

Nach dem Ende der Serie folgte eine eigene Krimi-Reihe rund um den beliebten Inspektor. Den werde er bis heute nicht los, erzählt Wolfgang Böck. „Wenn dich Menschen auf der Straße immer wieder und ausschließlich auf diese eine Person, den Trautmann, ansprechen, darf dir das auch manchmal auf den Wecker gehen“, gesteht er.

Vor der Kamera stand Wolfgang Böck auch mit Schauspielgrößen wie Ursula Strauss, 44, Andreas Vitasek, 62, und Erwin Steinhauer, 67. Zwei Mal wurde er bereits mit dem Film- und Fernsehpreis „Romy“ ausgezeichnet. Obendrein stimmt er auch gerne Wiener Lieder mit seinem „Strizzi“-Kollegen Adi Hirschal, 70, an.

Heute lebt der 65jährige mit seiner Frau in Wien und im Burgenland. Dort leitet er seit 2003 die Schloss Spiele Kobersdorf, bei denen er alljährlich Theater- und Motorradbegeisterte zu einer gemeinsamen Ausfahrt einlädt. rb
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