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Ausgabe Nr. 46/2018 vom 13.11.2018, Foto: Gerhard Janoch
Barbara Westermayer und Klemens Hofer, zwei Asse im Dreivierteltakt
Die Walzer-Könige
Er ist ein Kulturgut unserer Heimat wie die Sachertorte, der Wiener Walzer. Anlässlich der WM der Standardtänze am Wochenende in Schwechat (NÖ), nur wenige Tage nach Beginn der Ballsaison (11.11.), werden im Dreivierteltakt die Champions gekrönt. Barbara Westermayer, 26, und Klemens Hofer, 25, sind die weltweit ungeschlagenen Walzer-Könige.
Zur Ansage „Alles Walzer“ wird jährlich das Tanzparkett des Wiener Opernballes gestürmt und fast jedes Brautpaar beginnt mit einem Walzer seine Hochzeitsfeier. Drei kleine Schritte hin und her, im Grunde einfach, aber doch kompliziert. So einfach und dennoch eine kleine Wissenschaft für sich. „Einen Walzer perfekt hinzulegen, verlangt spezielle Qualitäten vom Paar und den Menschen in unserem Land wurden sie mehr als jenen anderer Nationen in die Wiege gelegt“, verrät Barbara Westermayer, 26, warum sie mit ihrem Partner Klemens Hofer, 25, die vergangenen beiden Walzer-Bewerbe gewinnen konnte. Am Wochenende bei der Standard-Tanz-Weltmeisterschaft im Schwechater Universum ist das Pärchen erneut bei der 52. Wiener Walzer-Konkurrenz das Maß aller Dinge, die auch für alle Hobbytänzer des Landes offensteht. Sie ist die allerletzte rot-weiß-rot dominierte Tanzbastion, unter den besten sechs Walzerpaaren weltweit standen im Jahr 2017 fünf aus unserem Land.

Warum wir den im Jahr 1807 erfundenen und mit 60 Takten pro Minute schnellsten aller Standardtänze besser können als die anderen, darüber wird gerätselt. „Es ist viel Gefühl für Musik und Schritte gefragt“, glaubt Hofer und berichtet vom Feilen an den Basisfiguren, der Rechtsdrehung, Linksdrehung und dem Fleckerl. „Der erste Schritt darf nicht verzögert werden, um Schwung aufzubauen, beim zweiten setzt die Pendelbewegung ein. Die Köpfe sollen sich nicht auf- und absenken, sondern auf einer Linie bleiben.“ Die Turnierprofis tanzen anders als die Hobbytänzer, ihre Schritte sind größer, jede Bewegung auschoreographiert und sie bauen ergänzend Figuren von Slow Fox und langsamem Walzer ein.

Ein wenig überraschend ist, dass die Könige des Wiener Walzers beide gebürtige Weinviertler (NÖ) sind. Westermayer stammt aus Matzen und Hofer als Sohn einer Heurigen- und Weindynastie aus Auersthal, liiert ist das Paar nicht. „Dennoch tanzen und harmonieren wir seit rund fünf Jahren ausgezeichnet miteinander“, schmunzelt Hofer. Der angehende Lehrer für Bildnerische Erziehung und die Sprachwissenschaftlerin trainieren derzeit mehr als drei Stunden täglich. „Leider ist es ein teurer Sport, der viel von unserem eigenen Geld verschlingt“, klagt Westermayer. „Ein Kleid kostet mehr als 1.500 Euro, dazu kommen noch Schuhe, Make-up und Reisen.“

Aber die Erfolge trösten über vieles hinweg, in ihrer Spezialdisziplin „10 Tänze“, der Kombination von Standard und Lateinamerikanischen Tänzen, ist das Duo bereits dreifacher Staatsmeister und platzierte sich vor wenigen Tagen bei der Weltmeisterschaft auf Platz 29.

Ganz besonders freut sich das Weinviertler Pärchen jedoch auf jeden Walzer, wenngleich auch der meist zur Musik des großen Komponisten Johann Strauss (Sohn) hingelegte Tanz historisch oft Anlass zu Fehden und Disputen gab. Anfang des 19. Jahrhunderts war der Walzer wegen der innigen Körperhaltung der Paare verpönt, bis 1970 tobten Diskussionen, ob dieser spezielle Tanz zu den Standardtänzen gehören darf. „Derzeit wird viel darüber gestritten, ob es legitim ist, im Turniersport Figuren anderer Tänze einzubauen, was Traditionalisten immer noch kategorisch ablehnen“, erzählt Hofer.

Und sogar die zum Walzer gespielte Musik ist mitunter dazu angetan, einen Keil zwischen die modernen Tänzer und die althergebrachten zu treiben, die nur Johann Strauss oder Joseph Lanner gelten lassen. „Wir sind da eher aufgeschlossen, denn die Zeit verändert sich und bleibt nicht stehen“, betont Westermayer. „Wir tanzen auch gerne Walzer zur Musik des Popsängers Ed Sheeran oder zum Musical ‚Fame‘.“
Wolfgang Kreuziger
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