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Ausgabe Nr. 46/2018 vom 13.11.2018, Foto: Your Photo Today
Die Zitrusfrucht verändert die Wirkung von Medikamenten
Gefährliche Überdosis durch Grapefruit(saft)
Zitrusfrüchte haben Saison, doch eine ist ein besonderes „Früchtchen“. Die Grapefruit ist für viele Menschen gefährlich, denn sie verstärkt oder schwächt die Wirkung von mehr als achtzig Medikamenten. Mit ernsten Folgen für den Körper.
Sie sind kugelrund, haben eine glatte, feste Schale und gehören mit einem Durchmesser von bis zu fünfzehn Zentimetern zu den größten unter den Zitrusfrüchten.

Grapefruits, eine Kreuzung aus Orange und Pampelmuse, sind neben ihren Verwandten wie jeden Herbst und Winter eine fixe Größe im heimischen Obstregal, trotz ihres chrakateristisch bitter-süßen Geschmacks.

Dennoch sollte sich nicht jeder Obstliebhaber von den gelb bis rötlich leuchtenden Früchten verführen und doch lieber die Finger von ihnen lassen. Der Grund dafür wiegt schwer. Grapefruits können Menschen, die Medikamente einnehmen müssen, gefährlich werden.

„Es wurden bisher 85 Medikamente gefunden, deren Wirkung möglicherweise durch den Verzehr von Grapefruits beeinflusst wird. Bei 43 dieser Wechselwirkungen besteht die Gefahr ernsthafter Nebenwirkungen“, bestätigt Mag. Bernd Kerschner von Medizin transparent, einem Service des Departments für evidenzbasierte Medizin und klinische Epidemiologie an der Donau-Universität Krems (NÖ) sowie von Cochrane Österreich.

Ein blockiertes Enzym führt zu gefährlich hohen Konzentrationen im Blut

Schuld an dieser nicht zu unterschätzenden Gefahr sind Inhaltsstoffe in Grapefruits, die den sperrigen Namen Furocumarine tragen.

„Dieser Pflanzenstoff hemmt in der menschlichen Leber und im Dünndarm ein Enzym, das Medikamente und Giftstoffe abbaut und unwirksam macht. In der Darmwand sorgt dieses Enzym dafür, dass ein Teil der Wirkstoffe abgebaut wird, noch bevor sie aus dem Darm in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Dieser Abbauprozess wird bei der Dosierung eines Medikaments berücksichtigt. Hemmen die sogenannten Furocumarine der Grapefruit dieses Ezym im Darm, gelangen deutlich größere Mengen des Medikaments in den Körper als geplant. Die Folge ist eine Überdosierung des Wirkstoffes im Blut. Zu den betroffenen Medikamenten gehören diverse Präparate gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, Cholesterinsenker, Medikamente gegen HIV oder Krebs.“

Schäden am Herzen, in den Muskeln und Nieren

Wie hoch das Risiko ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Genaue Angaben über die Häufigkeit der Wechselwirkungen sind nicht möglich.

„Leider dürfte das Bewusstsein unter Medizinern nocht nicht besonders hoch sein. Viele Fälle von Grapefruit-verursachten Überdosierungen könnten deshalb nicht erkannt und daher auch zu selten gemeldet werden.“ Folglich gibt es keine Menge Grapefruit oder Grapefruitsaft, die als unbedenklich angesehen werden kann, weiß Kerschner. „In manchen Fällen reicht der Saft einer einzigen Frucht oder in einem Glas. In anderen Fällen wurden gesundheitsschädliche Überdosierungen erst nach tage- und wochenlangem regelmäßigem Verzehr beobachtet.“

Die körperlichen Schäden, die durch die Überdosis an Medikamenten angerichtet werden, können lebensbedrohlich sein. Je nach Medikament kann es zum Beispiel zu schweren Herzproblemen kommen. Bei manchen Cholesterinsenkern kann die Überdosis zum Auflösen von Muskelgewebe führen und zu einer daraus folgenden schweren Nierenschädigung, die mitunter tödlich enden kann. Die durch die Frucht ausgelöste Überdosierung eines bestimmten Gichtmittels schädigt das Knochenmark und bei Anti-Babypillen, die Östrogene enthalten, fördert die Grapefruit Thrombosen.

Experten raten daher, bei der Einnahme von Medikamenten den Beipackzettel gut durchzulesen und zusätzlich den Arzt zu fragen. Eine Warnung in Bezug
auf Grapefruits ist stets ernst zu nehmen und die Frucht gänzlich vom Speiseplan zu streichen. Es nützt auch nichts, zwischen Grapefruit-Genuss und Medikamenteneinnahme ein paar Stunden Abstand zu lassen. Der negative Effekt hält mindestens 24 Stunden bis hin zu mehreren Tagen an. Wird vor der Grapefruit gewarnt, gilt der Hinweis auch für Pampelmusen, Pomeranzen (Bitterorangen für Marmelade) und Pomelo-Früchte, die ebenfalls enzymhemmende Wirkstoffe enthalten. Süße Orangen („Valencia“, „Navel“) oder die klassische Zitrone haben diese schädigende Wirkung nicht.

Es geht leider auch anders

Die gesundheitsschädliche Wechselwirkung mit Medikamenten beschränkt sich jedoch nicht nur auf
eine mögliche Überdosis. Forscher
stellten auch den gegenteiligen Effekt fest. So sind die Inhaltsstoffe von Grapefruits, möglicherweise auch die von Orangen und Äpfeln in der Lage, Transporter-Eiweiße im Blut zu blockieren, welche die Wirkstoffe in die Zellen transportieren. Die Folge, das Medikament wirkt deutlich schwächer als vorhergesehen. Ärzte empfehlen daher, Medikamente nur mit Wasser einzunehmen.

Eine Liste der betroffenen Medikamente findet sich im Internet auf medizin-transparent.at/medikamenten-uberdosis-durch-grapefruit.
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