Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 45/2018 vom 06.11.2018, Fotos: Boeing, ZDF
Nach der vorherrschenden Theorie entstand der Mond vor 4.527 Millionen Jahren, etwa 40 Millionen Jahre nach der Formation unseres Sonnensystems.
ISS- Komandant Alexander Gerst.
Neue Mond-Wanderer
Seit dem Ende des „Apollo“-Programmes im Jahr 1972 hat kein Mensch mehr den Mond betreten. Das soll sich endlich ändern, und zwar durch den Bau einer dauerhaften Mondstation. Damit wäre die Menschheit auch einen kleinen Schritt näher am Mars, meint der deutsche Astronaut und Geophysiker Alexander Gerst in der Dokumentation „Der Mond – unser magischer Trabant“, die am 11. November um 19.30 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird.
Auch wenn schon die ersten Grundstücke auf dem Mond verkauft wurden, die Lebensbedingungen für uns Menschen sind auf dem etwa 400.000 Kilometer entfernten Erdtrabanten denkbar schlecht.

Freier Sauerstoff ist nicht vorhanden und es gibt nur in den entlegensten Kratern der Mondpole, dort, wo die Sonne niemals hingelangt, etwas Wasser. Tagsüber kann sich das graue Mondgesteinspulver auf bis zu 117 Grad aufheizen. Nachts dagegen sinkt die Temperatur innerhalb weniger Sekunden auf bis zu minus 203 Grad ab.

Trotz alledem soll der Mond in naher Zukunft Standort einer dauerhaften Forschungsstation sein. Die Kolonisierung des Mondes scheint zunächst utopisch, wird in der Raumfahrtindustrie aber schon seit Jahrzehnten intensiv diskutiert. Schließlich werden die Ressourcen auf der Erde langsam knapp und der Blaue Planet scheint auch bald aus allen Nähten zu platzen.

Weshalb knapp 50 Jahre nach der ersten Mondlandung nun ernsthafte Vorbereitungen für die nächste große Entdeckungsreise zum Mond laufen.

„Es muss faszinierend sein, auf der Mondoberfläche zu stehen, nach oben zu schauen und an einem schwarzen Himmel mit gleißender Sonne die Erde als blaue Scheibe zu sehen“, schwärmt der deutsche Astronaut und Geophysiker Alexander Gerst, der den Mond zurzeit als Kommandant von der Internationalen Raumstation (ISS) aus bestaunen kann. Er weiß, „in wenigen Jahren wird das ‚Orion‘-Raumschiff soweit sein und seinen bemannten Jungfernflug zum Mond antreten.“

Das reicht dem 42jährigen aber noch lange nicht. „Wir müssen am Mond auch eine dauerhafte Präsenz in Form einer Forschungsstation aufbauen, die es uns erlaubt, ihn von Nahem in Augenschein zu nehmen. Denn eigentlich wissen wir noch nichts über den Mond, da wir ihn ja erst an sechs unterschiedlichen Orten besucht haben.“ Genau dafür baut die amerikanische Raumfahrtbehörde (NASA) gerade den sogenannten „Deep Space Gateway“, das „Weltraumtor“. Also eine Allstation, die in einer Umlaufbahn um den Mond kreist.

„Von dort können Astronauten dann relativ kostengünstig und leicht auf die Oberfläche unseres Erdtrabanten kommen. Ähnlich einem Basislager, wie es ‚Mount Everest‘-Bergsteiger haben“, erklärt Gerst.

Der Mond stellt aber auch eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zum Mars dar. Denn auf ihm können Forscher neue Technologien testen, die dringend benötigt werden, um zum roten Planeten zu fliegen und auf dessen Oberfläche zu arbeiten. Primäres Landeziel ist freilich vorerst unser Erdtrabant. Genauer gesagt, seine beiden Pole, in denen sich Wasser gesammelt hat.

„Es ist dort wahrscheinlich so reichlich vorhanden, dass wir es nutzen können, um es in Trinkwasser oder Treibstoff umzuwandeln“, erzählt der ISS-Kommandant.

Wann genau eine Mondbasis mit ersten „Mondbürgern“ Wirklichkeit werden könnte, steht allerdings noch in den Sternen. Optimistische Prognosen gehen davon aus, dass eine Siedlung mit bis zu zehn Pionieren bereits im Jahr 2030 in Betrieb sein könnte. Dr. Florian Nebel, Buchautor von „Die Besiedelung des Mondes“ (LV Verlag, 2017) rechnet mit Gesamtkosten von maximal 230 Milliarden Euro. Insgesamt veranschlagt der Kernphysiker 30 Jahre für Vorbereitung, Gründung und Ausbau der Mondsiedlung, „die natürlich ein globales Projekt sein sollte“. hwie
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung