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Ausgabe Nr. 45/2018 vom 06.11.2018, Fotos: duty
Charmant begleitet von Dagmar Koller, begab sich die WOCHE auf eine faszinierende wie amüsante „Kul-Tour“. In der Votivkirche in Wien sind originalgetreue Repliken der „Großen Meister der Renaissance“ in einer monumentalen Ausstellung zu bewundern.
Manfred Waba zeigt Dagmar Koller die
Meisterwerke der Renaissance.
„Ich würde gerne so lächeln wie Mona Lisa“
Charmant begleitet von Dagmar Koller, begab sich die WOCHE auf eine faszinierende wie amüsante „Kul-Tour“. In der Votivkirche in Wien sind originalgetreue Repliken der „Großen Meister der Renaissance“ in einer monumentalen Ausstellung zu bewundern.
Der ist eine wahre Schönheit“, ertönt es inmitten der kolossalen Bilderwelten in der Wiener Votivkirche, Schauplatz der Ausstellung „Große Meister der Renaissance“. Eben noch freudig erregt, steht dem Ausstellungsbesucher nun die Enttäuschung nun ins Gesicht geschrieben. Denn Dagmar Koller, 79, stellt klar: „Nein, ich meine nicht Sie. Ich spreche von dem Mann auf dem Gemälde dort.“ Dabei richtet sie ihren Blick auf die originalgetreue Replik des „Salvator Mundi“ (lateinisch für „Heiland“).

Der echte „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci, das teuerste Gemälde der Welt, wurde im November 2017 um 450 Millionen Dollar von einem saudischen Prinzen ersteigert. „Ich kann‘s nicht glauben, dass es Menschen gibt, die so viel ausgeben können“, sagt Dagmar Koller und schüttelt verständnislos den Kopf. Ihre Augen bleiben am Gemälde hängen. „Faszinierend, diese Lippen, die schönen Augen und die Nase. Ein Freund von mir sieht ihm ähnlich. Nur die Haare trägt er ein bisschen anders.“ Wie denn der Erschaffer des Kunstwerkes, Leonardo da Vinci, so war, möchte Dagmar Koller vom Organisator der Ausstellung Professor Manfred Waba wissen. „Leonardo war eitel, stammte aus gutem Haus und wurde von der Damenwelt verwöhnt. Er soll aber eher den Herren zugeneigt gewesen sein“, schildert Waba. „Na, hört‘s auf, waren denn die damals alle schwul. Vermutlich war es für die Männer nicht so leicht, an die Frauen heranzukommen, bei dem, was die Frauen alles angehabt haben“, meint „Dagi“ Koller mit schelmischem Lächeln. „Respekt, was die Organisatoren hier auf die Beine stellten. All diese Feinheiten in den Gemälden und Fresken, ich bin begeistert.“ Dann hält sie kurz inne, um die Atmosphäre der Ausstellung, die bislang 25.000 Besucher verzeichnete, in einem Rundum-Blick zu genießen.

„Wohin jetzt?“, fragt die zierliche Bühnendiva, um flink in Richtung „Mona Lisa“ zu steuern. „Auch bei ihr ist ungewiss“, klärt Waba auf, „ob es sich beim Modell nicht doch um einen Mann, Leonardos möglicherweise Geliebten Salai, handelt.“ Denn werden die Buchstaben umgestellt, ergibt sich aus „Mona Lisa“ Mon Salai, was „Mein Salai“ heißt.

„Als ich die Original-‚Mona Lisa‘ im Louvre in Paris sah“, erinnert sich Koller, „war ich 16 Jahre alt und studierte Ballett in der französischen Hauptstadt. Damals gehörten Museumsbesuche zur guten Erziehung. So nahe wie hier konnte ich ihr im Louvre nicht kommen. Dort bewegten sich Menschenmengen vor dem mit Panzerglas geschützten Gemälde.“ Lächeln wie „Mona Lisa“, das würde die Koller gerne. Wie zauberhaft sie das hinkriegt, zeigt das Bild links.

Auch die Uffizien in Florenz (I) hat Dagmar Koller in jungen Jahren besucht. „Ich war 24 und verbrachte drei Tage in den Uffizien, wo wir regelrecht durchgetrieben wurden. Irgendwann fiel mir auf, dass ein junger Mann ständig hinter mir herging. Ich sprach ihn an, doch er verstand weder Deutsch noch Englisch. Er war ein süßer Argentinier, wir tranken miteinander einen Kaffee, ohne ein einziges Wort zu reden, das war ein entzückendes Erlebnis.“

Während Dagmar Koller ihre Jugend aufleben lässt, nähert sie sich den Fresken, die Raffael für den Vatikanpalast in Rom malte. Koller findet die Details grandios. „Wie echt die gemalten Füße wirken. Sogar die Frostbeulen, die ich auch habe, sind zu erkennen. Und diese strammen Männerwadln, die stämmigen Figuren kommen dem Zilk ähnlich.“

Die Gips-Replik der fünf Meter hohen Marmorstatue „David“ von Michelangelo erinnert Koller an ihren
Jugendfreund Hans. „Er war heimischer Meister im Weitsprung und hatte die gleiche Figur wie David.“

Als sich Koller zum Ausgang der Votivkirche bewegt, macht sie abrupt Halt vor Raffaels „Madonna im Grünen“. „Wie schön, so ein Bild hat meine Kindheit begleitet. Meine Oma hatte eine in Gold gerahmte Madonna über ihrem Nachtkastl hängen. Das Bild strahlt Geborgenheit und Friedlichkeit aus. So eine Madonna wünsche ich mir für mein Schlafzimmer.“ Dafür hängt in Kollers Speisezimmer eine Replik von Gustav Klimts „Adele Bloch-Bauer“. „Die hat mir Helmut geschenkt. Jeder, der sie sieht, meint, es sei die echte ‚Adele‘“, erzählt die Wienerin, die selbst ein bisschen Malerblut in sich trägt. „Mein Vater war Maler, deshalb war nie Geld da. Mit dem, was ich als Balletttänzerin verdiente, habe ich die Familie erhalten.“ Dann wirft die 79jährige noch einen Blick über die Meisterwerke und entschwindet mit Mona Lisas Lächeln aus der Votivkirche. Und von einer Ausstellung, die bis 14. Dezember verlängert wurde.
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