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Ausgabe Nr. 45/2018 vom 06.11.2018, Fotos: Fotolia, Doc-Stock
Ätherische Öle helfen bei Erkältungen,
Stress und (chronischen) Schmerzen
Rezept für eine Aromaöl-Mischung bei Erkältung:
Raumbeduftung: 60 Tr. Eucalyptus smithii/radiata (nicht bei Asthma bronchiale), 60 Tr. Thymian CT Thymol (bei Kindern CT Linalool), 60 Tr. Zitrone.
Die ätherischen Öle in ein 10-ml-Fläschchen mischen. 1 Tropfen pro Quadratmeter Raumfläche in eine Duftlampe geben und 30 Minuten lang stehen lassen. Danach den Raum gut lüften
Düfte, die uns heilen
Ätherische Öle betören uns seit Tausenden Jahren. Sie verzaubern aber nicht nur unsere Nasen. Die medizinische Aromatherapie hat eine tiefe Wirkung auf unser psychisches Gleichgewicht und wirkt über das unwillkürliche vegetative Nervensystem auf vielfältige Organ- und Stoffwechselfunktionen.
Die meisten Menschen kennen ihre wunderbaren Düfte von kosmetischen Cremen oder als Hausmittel, abgepackt in Fläschchen, um etwa eine verstopfte Nase wieder frei atmen zu lassen.

Ätherische Öle können jedoch weit mehr für unsere Gesundheit tun. Ihre Wirk- und Inhaltsstoffe, die sich aus bis zu fünfhundert Komponenten zusammensetzen können, stehen im Mittelpunkt der medizinischen Aromatherapie, einer traditionellen Erfahrungswissenschaft, an deren Wirkung kein Zweifel besteht.

„Ätherische Öle sind Teil der Phytotherapie, also der Pflanzenheilkunde, und als alleinige Therapie vor allem bei leichten Erkrankungen und Störungen von Organfunktionen wirksam, etwa in der Erkältungszeit bei Erkrankungen der Atemwege, bei psychischen und seelischen Belastungen und in der Schmerztherapie. Sie werden dazu unterstützend mit Therapien der Schulmedizin kombiniert, zum Beispiel als Begleittherapie bei Krebs, bei Infektionskrankheiten, in der Notfallmedizin und bei Nachbehandlungen. Die Wirkung ätherischer Öle lindert Symptome und bekämpft Ursachen von Krankheiten, etwa Viren oder krankmachende Bakterien“, erklärt Dr. Wolfgang Steflitsch, Lungenfacharzt und Vize-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie & Aromapflege, kurz ÖGwA.

In Kapseln verpackt, wirken sie im Darm

Je nach Erkrankung werden ätherische Öle auf verschiedenste Weise angewendet. Sie können über Duftlampen oder Inhalationen eingeatmet werden, durch Massagen, Kompressen oder Wickel auf und über die Haut oder über eine innere Anwendung auf den Organismus wirken.

„Die verschiedenen Anwendungen richten sich danach, wo das ätherische Öl wirken soll. Bei einer Erkrankung der Atemwege, der Nasennebenhöhlen oder bei grippalen Infekten hilft das Inhalieren oder Gurgeln den gereizten Schleimhäuten. Durch das Auftragen auf der Haut mit Hilfe von Trägerölen wie Mandel-, Sesam- oder Aprikosenkernöl können die Inhaltsstoffe der ätherischen Öle über die Muskeln und Gelenke bis zu den Organen wirken. Ein, zwei Tropfen ätherisches Öl bei Kindern, älter als sechs Jahre, und drei bis fünf Tropfen bei Erwachsenen auf ein Stück Würfelzucker geträufelt oder auf einen Teelöffel Honig gegeben und danach in eine Tasse Tee gemischt, helfen zum Beispiel bei Husten und Bronchitis oder bei Verkühlung, die Abwehr der Schleimhäute zu kräftigen. Schließlich gibt es die orale-medizinische Aromatherapie, die aber nur von einem entsprechend ausgebildeten Arzt angewendet werden darf. Hierbei wird ätherisches Öl in Milligramm-Mengen in spezielle, die Magensäure überdauernde Kapseln verpackt und dem Patienten zum Schlucken gegeben. Diese Kapseln öffnen sich im Dünndarm und entfalten ihre Wirkung im Dünn- und Dickdarm, zum Beispiel zur Bekämpfung krankmachender Bakterien oder Unterstützung bei entzündlichen Darmerkrankungen“, erklärt Dr. Steflitsch die enorme Bandbreite an Wirkungen ätherischer Öle.

Durch Schnuppern den Schmerz lindern

Nicht zu unterschätzen ist schon das bloße Riechen an ätherischen Ölen. Die Duftimpulse gelangen über den Riechnerv in das Gehirn und können auf Organe, die Durchblutung oder die Schmerzverarbeitung wirken.

„Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass die medizinische Aromatherapie bei Schmerzpatienten deutlich zur Schmerzverringerung beiträgt, auch durch Massagen mit ätherischen Ölen, zum Beispiel bei Hexenschuss“, versichert Dr. Steflitsch.

Große Wirkung zeigen die duftenden Öle bei der Behandlung von Stress, Ängsten oder Schlafstörungen, allein durch das Beduften des Raumes mit den entsprechend wirksamen Ölen. „Orangen- oder Lavendelöl sind zwei klassische Beispiele. Zwei bis vier Tropfen in eine Duftlampe oder auf einen Duftstein aus Ton geträufelt, genügen bereits.“

Fälschungen sind häufig

Damit ätherische Öle ihre medizinischen Wirkungen erbringen, müssen echte, unverfälschte, naturreine Öle angewendet werden. Die Verwirrung, die hier gestiftet wird, ist groß. Bezeichnungen auf Ölfläschchen wie „naturidentisch“ oder „naturnah“ sind verbreitet, verweisen aber stets auf künstlich hergestellte oder verfälschte Öle, nicht selten versetzt mit chemischen Zusätzen.

Dr. Steflitsch rät, sich vor dem Kauf gut zu informieren. „Ätherische Öle sollten nicht nur einhundert Prozent naturrein sein, sondern auch aus kontrolliertem biologischem Anbau oder Wildwuchs stammen. Wer sichergehen möchte, hohe Qualität zu bekommen, kauft in einer Apotheke ein oder liest auf der Internetseite der ÖGwA oder des Forumx Essenzia nach. Dort finden Interessierte hilfreiche Informationen, wie sie die Qualität von ätherischen Ölen selbst beurteilen können.“

Wenige Tropfen genügen schon

Natürlich schlägt sich hohe Qualität im Preis nieder. Mit acht, zehn oder fünfzehn Euro für einhundert Milliliter ist zu rechnen. Dieser Preis ist nicht nur gerechtfertigt, er relativiert sich angesichts der Tatsache, dass für eine therapeutische Anwendung wenige Tropfen verwendet werden.

„Es gilt hier eher das Motto ‚weniger ist mehr‘. Wer wissen möchte, wie viele Tropfen er von seinem ausgewählten Öl verwenden soll, kann die richtigen Dosisempfehlungen von einem Apotheker und aus guten Fachbüchern erfahren. Seriöse Quellen im Internet sind neben der ÖGwA die Seiten von Eliane Zimmermann (www.aromapraxis.de), Evelyn Deutsch (www.aromapflege.at) oder Ingrid Kleindienst-John auf www.kleindienst-john.at.“ Damit das wertvolle Öl lange haltbar bleibt, sollte es „wie im Weinkeller“ kühl und dunkel gelagert, aber nicht in den Kühlschrank gegeben werden. „So kann die reguläre Haltbarkeit von sechs Monaten bis zwei Jahre gewährleistet werden.“

Sollte der Inhalt im Fläschchen nicht mehr für eine gesundheitliche Anwendung geeignet sein, muss er nicht entsorgt werden. Ein Tropfen dem Waschpulver beigemengt, verleiht der Wäsche einen herrlichen Duft.
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