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Ausgabe Nr. 45/2018 vom 06.11.2018, Foto: zvg
„Reif für die Insel“ -Biografie gibt tiefe Einblicke in das Leben des Austropoppers Peter Cornelius, 67.
Den Rotwein trank ich aus der Flasche
Peter Cornelius ist einer der beliebtesten Sänger in unserem Land. Mit Liedern wie „Du entschuldige, I kenn di“, „Der Kaffee ist fertig“ und „Reif für die Insel“ prägte er die deutschsprachige Musikszene nachhaltig. Eine dieser Tage erschienene
Biografie erzählt von seiner Kindheit, seinem Privatleben und den Höhe- sowie Tiefpunkten seiner Karriere
Ich war nicht reif für die Insel, ich war reif für die Irrenanstalt“, sagt der Wiener Sänger Peter Cornelius, der dem hohen Druck in der Musikindustrie eines Tages nicht mehr standhielt und sich in ärztliche Behandlung begab.

Heute hat der Künstler, der seit vier Jahrzehnten mit sozialkritischen Texten aneckt, sein seelisches Tief längst überwunden. Und mit mehr als 20 Musik-Alben hat er Austropop-Geschichte geschrieben.

Die Lebensgeschichte des Barden hat der Autor Andy Zahradnik, 60, in dem dieser Tage erschienenen Buch „Reif für die Insel“ aufgearbeitet.

Er nimmt den Leser mit auf eine Reise, die in Hadersdorf-Weidlingau im 14. Wiener Gemeindebezirk beginnt. Hier erblickte der Musiker als Peter Karl Korunka am 29. Jänner 1951 das Licht der Welt.

Weil die „Lebensumstände seiner Eltern Karl und Christine schwierig waren“, kam der kleine Peter gleich nach der Geburt zu seinen Großeltern. Die erste Bezugsperson war folglich die „Oma“. „Sie gab mir Liebe und Geborgenheit. Meine Großmutter war die Lebensretterin meiner Kindheit“, betont Cornelius. Sein Großvater blieb ihm dagegen nur vage in Erinnerung, jedoch dürfte er sein Talent für Saiteninstrumente von ihm geerbt haben. „Mein Opa war ein hervorragender Zitherspieler“, erinnert sich
der Sänger.

Wenig angetan war der heutige Gitarrenvirtuose vom Kindergarten. „Als kleiner Bub versuchte ich mehrmals, von dort auszubüchsen, was meine ‚Tanten‘ freilich immer zu verhindern wussten“, erzählt er.

Übertroffen wurde diese Abneigung erst durch die Volksschule. Zu jener Zeit, als Peter Cornelius dort ein und aus ging, gab es noch keine Tintenpatronen aus Plastik, die in Füllfedern nachgesteckt wurden. Stattdessen standen Tintenfässer auf den Tischen, in denen die Kinder ihre Füllfedern tunkten, um sie aufzufüllen. Ein solches Tintenfass warf Peter in Richtung seiner Lehrerin.

„Ich weiß nicht mehr, was mich so in Zorn versetzte, aber es muss eine haarsträubende Ungerechtigkeit gewesen sein“, lacht Cornelius. „Die stark verschmutzte Klasse brachte mir jedenfalls einen Dreier als Betragensnote ein.“

Während der Schulzeit trat auch sein musikalisches Talent zutage. Cornelius interessierte sich für klassische Musik und lernte das Cello zu spielen. „Der Klang hatte mich von Anfang an beeindruckt.“

Im Alter von zehn Jahren zog der Bub weg von der Oma, hin zu seinen leiblichen Eltern nach Hadersdorf. Sie hatten ein Haus geerbt und konnten ihm nun adäquate Lebensverhältnisse bieten. Das Eheleben der Eltern war „unharmonisch“, aber der kleine Peter hatte in seinem Vater eine neue Bezugsperson gefunden. Der Bub liebte es, im Beiwagen des Motorrades seines Vaters mit ihm durch den Wienerwald zu brausen.

Eine Zäsur in seinem Leben fand im Spätsommer 1963 statt, als er das Lied „She loves you“ von den „Beatles“ hörte. „Das waren Klänge wie von einem anderen Stern, die mich nicht mehr losließen“, schildert er. Die Musik wurde zu seinem Lebensmittelpunkt, eine alte Gitarre, die er auf dem Dachboden seiner Tante fand, sein ständiger Begleiter.

Mit 16 Jahren gründete er die Musikgruppe „The Black Sheep“. Als Sänger und Gitarrist der „Schwarzen Schafe“ musste freilich ein Künstlername her. Aus seinem Nachnamen Korunka, dessen Klang ihn „an eine russische Halskrankheit erinnerte“, wurde kurzerhand „Cornelius“, das war der Spitzname seines Onkels.

„Ich wollte Musiker werden, was anderes kam nicht infrage“, erzählt er. Doch seine Eltern bestanden auf eine grundsolide Berufsausbildung und setzten sich durch. Peter Cornelius begann eine Lehre als Bankkaufmann. „Hemd und Krawatte waren nie meins, aber es musste halt sein“, lacht er. Die Ausbildung schloss er erfolgreich ab, dann gab es für ihn nur noch die Musik.

Der Durchbruch gelang Cornelius mit „Wolk‘n“. Das Lied trug er im Jahr 1973 in der Talentesendung „Show-Chance“ des Österreichischen Rundfunks (ORF) vor. Moderiert wurde die Sendung von der Fernsehlegende Peter Rapp, 74, der ihm prompt den ersten Platz verkündete.

Doch Peter Cornelius zog es nach Deutschland in die Musikmetropole Hamburg, wo er sich noch bessere Chancen erhoffte. Und er hatte Erfolg, der im Wiener Dialekt singende Musiker konnte auch unsere Nachbarn begeistern. Sein Album „Reif für die Insel“ (1981) hielt sich 45 Wochen lang ununterbrochen in der deutschen Hitparade, was ihn zum erfolgreichsten heimischen Musiker in unserem Nachbarland macht.

Seiner Heimatstadt Wien blieb Cornelius dennoch immer treu. Zeitweise betrieb er das Lokal „Die Insel“ am Karlsplatz, wo er 1986 mit 35 Jahren die damals 23jährige Ulrike aus Odenwald (D) kennenlernte. Die beiden wurden bald ein Paar und sind seit dem Jahr 2001 glücklich verheiratet.

Sie stand ihm auch in seiner schwersten Zeit zur Seite. Denn mit dem Erfolg wuchs auch der Druck der Musikindustrie. Gegen den Stress griff er zum Alkohol und zur Zigarette.

„Den Rotwein trank ich direkt aus der Flasche. Und ich habe viele Zigaretten geraucht. Die eine brannte noch im Aschenbecher, da folgte schon der Griff zur nächsten“, schildert er. Die Nikotinsucht bekam er erst viele Jahre später in den Griff.

Der exzessive Lebensstil rächte sich. „Ich konnte nicht mehr, war ausgebrannt wie eine Feststoffrakete“, erzählt Cornelius, der sein Burn-out mithilfe eines Psychologen besiegen konnte.

Heute lebt der Sänger mit seiner Frau Ulrike in Purkersdorf (NÖ), wo er sich nach mehreren Schaffenspausen wieder mit voller Hingabe der Musik widmet. Im vorigen Jahr meldete er sich mit dem Musik-Album „Unverwüstlich“ zurück. rb
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