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Ausgabe Nr. 44/2018 vom 29.10.2018, Fotos: FIFG (https://commons.wikimedia.org), Soccerpark Salzburg
Eine neue Sportart findet immer mehr Anhänger.
Kirchberger stößt in der Weltrangliste auf Platz sieben vor.
Golf mit dem Fuß gespielt
Es wird abgeschlagen und der Ball versenkt, allerdings ohne Caddy und Platzreife. Denn im Fußball-Golf rollt das runde Leder statt des Golfballes, die Füße dienen statt der Schläger als Spielgerät. In der neuen Disziplin wird in einer Woche der Meister gekrönt, Favorit ist Thomas Kirchberger, 49.
Mehr als 38 Jahre lang hatte Thomas Kirchberger, 49, in mehr als zehn Vereinen gedribbelt oder das Trainerzepter geschwungen, bevor er Fußballgolf entdeckte. „Zuvor bin ich fallweise mit Hans Krankl oder Walter Schachner auf dem Rasen gestanden, doch der erfolgreiche Schritt zum Profifußball ist mir versagt geblieben“, erzählt der Abwehrspieler. Bis der Salzburger Versicherungsangestellte vor vier Jahren das Spielfeld gegen den Golfparcours tauschte und heute im Fußballgolf nicht nur Bester im eigenen Land, sondern sogar an der Weltspitze ist. „Nach Tausenden gelaufenen Kilometern suchte ich damals nach einer Sportart, bei der ich Fußball spielen darf, ohne rennen zu müssen“, schmunzelt er.

Allerdings hatte Kirchberger wie viele andere zuvor von Fußballgolf noch nie gehört. Der Sport wurde in
Schweden vor 35 Jahren erfunden und wird erst seit rund zehn Jahren in unserem Land ausgeübt. „Es heißt zwar Golf, ist für mich aber eher eine Minigolfvariante mit einem Fußball, gespielt auf einem 50-fach vergrößerten Feld“, erklärt Kirchberger. Darauf müssen die Spieler Hindernisse wie Sandbunker, Hügel oder Teiche überwinden, aber auch durch Reifen und hohle Baumstämme treffen. Wer vom Abschlag weg die geringste Zahl an Ballberührungen für das Ziel braucht, gewinnt. Pro Bahn gibt es eine ideale Vorgabe an Schlägen, die sogenannte Par-Zahl, wer beim Dreifachen dieser Par-Zahl noch nicht getroffen hat, muss unter Anrechnung eines Strafpunktes abbrechen und zur nächsten Bahn weitergehen. Mittlerweile gibt es hierzulande bereits viele Fußballgolfplätze, etwa in Salzburg (S), Wagrain (S), Goldberg (OÖ), Neulengbach (NÖ), Stockerau (NÖ), Raasdorf (NÖ), Schönfeld (NÖ), Hart (Stmk.) und Drobollach (K).

„Fußballgolf ist ein familienfreundlicher Sport, der ohne große Vorkenntnisse von Jung und Alt ausgeübt werden kann“, weiß Hans Klegraefe, der für die Parks in Salzburg verantwortlich zeichnet. Jeder Spieler bringt seinen eigenen Ball mit, auch in der Bekleidung gibt es keine teure Etikette wie beim richtigen Golf, zudem sind Platzreife und Handicap kein Thema. Stattdessen kann für zehn bis 15 Euro jeder auf die Löcher losballern. „Es gewinnt aber auch der Spitzensportbereich an Bedeutung“, verweist Klegraefe auf die „Austrian Open“ im Fußballgolf, die heuer im Frühjahr zum zweiten Mal in Salzburg stattfanden und Teil der weltweiten Turnierserie des Dachverbandes WFGA sind. Thomas Kirchberger gewann dort sein erstes internationales Turnier. „Auch wegen dieses Erfolges werde ich in der Weltrangliste demnächst bis auf Platz sieben vorstoßen, die von Dänen dominiert wird“, verrät Kirchberger, der in Ermangelung von Preisgeld bisher alle Kosten selbst tragen musste und nun einen Sponsor sucht. Während sich dieser Sport in Skandinavien großer Beliebtheit erfreut, war der Salzburger neben dem Wiener Andreas Fischer der einzige Starter unseres Landes.

Um international mithalten und für die am 11. November in Salzburg stattfindende heimische Meisterschaft als Favorit antreten zu können, musste Kirchberger umdenken, denn Vereinsfußballer gewesen zu
sein, war kein Vorteil. „Als Kicker habe ich auf dem Platz nur im Moment gelebt und geschossen. Als Fußballgolfer hingegen muss ich strategisch vorgehen und den Ball so platzieren, dass er für den nächsten Schuss perfekt liegt.“ Kirchberger gibt seinen Bällen viel Schnitt mit und spielt das runde Leder beim Einlochen mit der Schuhsohle. Er trägt Kunstrasenschuhe oder leicht genoppte Modelle, Fußballstollen sind nicht erlaubt. „Am meisten fasziniert mich an dem Sport die Kombination aus Fußball und strategischem Denken“, erklärt Kirchberger.
Wolfgang Kreuziger
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