Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 44/2018 vom 29.10.2018, Foto: UPI
Rowan Sebastian Atkinson wurde am 6. Jänner 1955 in Consett (England) geboren. Er ist der jüngste von vier Söhnen eines Landwirte-Ehepaares. Atkinson begann seine Karriere im Jahr 1979 in einer englischen „Comedy“-Show. Weithin bekannt wurde er Anfang der 90er Jahre als „Mr. Bean“. Im Jahr 2015 ließ sich Atkinson nach 25 Jahren Ehe von der Kosmetikerin Sunetra Sastry scheiden. Seit 2014 ist er mit der um 29 Jahre jüngeren Louise Ford liiert und wurde Ende 2017 zum dritten Mal Vater.
„Es ist auch einfach, mich einzuschüchtern“
Nein, er ist nicht der beste Mann des britischen Geheimdienstes MI6. Er ist tollpatschig und verursacht Chaos. Doch „Johnny English“ ist loyal und am Ende der Held. Das war er bereits zwei Mal, derzeit ist Rowan Atkinson, 63, in der dritten Episode als Geheimagent im Kino zu sehen. Die WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers führte ein ganz und gar nicht geheimes Gespräch mit ihm.
Herr Atkinson, ist es ein Klischee, dass Komiker wie Sie im Privatleben nicht lustig sind?
Bei mir ist es definitiv so. Ich bin nicht besonders lustig im realen Leben. Ich bin sogar ein ziemlich ernster Mensch. Ich kann schon witzig sein, wenn ich entspannt bin und umgeben von Freunden. Aber meistens bin ich es eben nicht. Insofern behaupte ich jetzt einfach, dass dies bei anderen Komikern auch eher zutrifft.

Als „Mr. Bean“ haben Sie erfolgreich Grimassen geschnitten. Ab wann war Ihnen bewusst, dass Sie mit Ihrem Gesicht berühmt werden können?
Da gab es kein Schlüsselereignis. Das habe ich erst langsam kapiert, als es mit den ersten Erfolgen losging. Spätestens mit „Mr. Bean“ war die Sache dann klar.

Trotzdem haben Sie sich von dieser Rolle für immer verabschiedet?
Ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass wir einen weiteren „Mr. Bean“-Film machen. Aber wie sagte schon James Bond? Sag niemals nie.

Sie haben als „Mr. Bean“ getanzt, Sie tanzen auch dieses Mal wieder als „Johnny English“ im neuen Film „Man lebt nur dreimal“. Ist das Tanzen eine Leidenschaft von Ihnen?
Ich tanze gern vor der Kamera. Ich tanze vor allem gerne albern, um einen schnellen Lacher zu kassieren. Die Tanzszene in diesem Film ist extrem, aber ich finde, ich kann das auch mit 63 Jahren immer noch gut machen und war fit genug dafür. Im Privatleben stehe ich mir beim Tanzen allerdings gerne selbst im Weg.

Wie haben Sie sich auf die Tanzszenen vorbereitet?
Es gab keinen Choreografen. Das bin alles ich, der sich zur Musik verliert. Ich hatte ein Fitness-Training, damit ich mich nicht selbst verletze. Ich neige dazu, es zu übertreiben, deshalb wollte das Team sicherstellen, dass ich mir nichts verdrehe, breche oder überdehne. Denn so war es beim vorigen „Johnny English“-Film.

Was ist da passiert?
Ich hatte mir einen Muskelfaserriss zugezogen, kurz bevor wir nach Hongkong (China) abreisen sollten, um dort eine Sequenz zu drehen. Das hat die Produktion vor eine Herausforderung gestellt. Wir mussten alles um ein paar Tage verschieben und es wurde teuer. Okay, wenn ich mich verletze, ist es vielleicht nicht vergleichbar mit Tom Cruise, der sich den Knöchel brach. Doch zum Glück blieb ich diesmal unversehrt.

Können Sie über Ihre eigenen Filme lachen?
Es braucht Jahre, damit ich in der Lage bin, wirklich darüber zu lachen. Ich musste mir diesen Film zuletzt im August ansehen, als wir den Ton dafür abgemischt haben. Ich erwischte mich dabei, wie ich lächelte, ziemlich oft sogar, was bis zu diesem Zeitpunkt nie der Fall war. Ich blicke immer kalt, analytisch und ernsthaft auf meine Arbeit. Aber plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich mich entspannen kann, weil der Film tatsächlich funktioniert.

Das klingt anstrengend …
Absolut. Ich finde den Prozess, Filme zu machen, hart und stressig. Ich habe daran keinerlei Spaß, wenn ich ehrlich sein soll. Ich habe an keinen der Filme, die ich gemacht habe, irgendwelche glücklichen Erinnerungen. Ich mag es, das Drehbuch dafür zu schreiben und den Film nachzubearbeiten. Aber das eigentliche Drehen vor einer Kamera ist wirklich lästig, obwohl es mir im Prinzip leicht fällt, „Johnny English“ oder „Mr. Bean“ zu verkörpern.

Was verdirbt Ihnen den Spaß?
Ich habe ständig das Gefühl, dass ich es besser machen könnte. Es ist wohl der Perfektionist in mir, der mich immer denken lässt: „Sicherlich kriegst du das auch witziger hin, oder?“ Unzufriedenheit ist mein ständiger Begleiter. Ich strecke nach etwas die Hand aus, aber ich bekomme es nie zu fassen. Das macht es unangenehm.

Irgendetwas Angenehmes wird es bei den Dreharbeiten aber doch gegeben haben …
Vermutlich alles, was ein Auto involviert. Die Szenen, die wir in den Bergen in Südfrankreich gedreht haben, an der Côte d‘Azur, die waren ziemlich nett. Wir hatten wunderschönes Wetter. Doch wie gesagt, egal, wie schön die Drehorte sind, bei mir bricht der Stress aus. Ich habe nie abschalten und mich zurücklehnen können.

Warum wechseln Sie dann nicht ins Regiefach?
Das fände ich gleichermaßen stressig. Dann müsste ich mich mit Schauspielern herumschlagen, das ist das Problem (lacht).

Sie wollten früher Elektroingenieur werden, haben in Oxford sogar bis zum „Master of Science“ studiert. „Johnny English“ ist im neuen Film allerdings ein Technologie-Verweigerer und bedient sich nur analoger Mittel. Sind Sie privat ebenso?
Ich habe durchaus ein digitales Bewusstsein. Aber ich stehe nun einmal auf viel analoges Zeug – vor allem bei Autos. Ich liebe es, einen Aston Martin aus den Siebzigern zu fahren – so wie den V8 im Film. Da habe ich noch das Gefühl, die Kontrolle über das Fahrzeug zu haben. Du bist der Boss, während du bei den moderneren Fahrzeugen eher das Gefühl hast, dass das Auto bestimmt, wo es langgeht.

Inwiefern?
Du teilst dir quasi die Kontrolle, was mir nicht gefällt. Dir wird befohlen, was zu tun ist. Du hast die Tür offen, du musst dich anschnallen, du musst zum Service fahren und so weiter. Es sind die Geräusche und Töne, die moderne Autos von sich geben, die ich irritierend finde. Aber ich habe zwei Elektro-Autos, insofern weiß ich auch ihre Zuverlässigkeit zu schätzen. Wenn ich dann wieder in ein altes Fahrzeug steige, ist es fast eine Erleichterung. Oder wenn ich eine alte Vinylplatte abspiele, denke ich oft: So war es genau richtig. Insofern gefällt mir an dem Film, dass am Ende auf gewisse Weise die analoge Welt über die digitale siegt.

Sind Sie für den Film selbst hinter dem Steuer gesessen?
Wenn ich durfte. Leider wird es so gehandhabt, dass du nur dann im Auto sitzt, wenn das Publikum dich erkennen kann. Sonst ist es für die Produktion günstiger, dich in der nächsten Szene einzusetzen.

Was ist außer der Vorliebe für Autos typisch englisch an Ihnen?
Hmmm, ich bin schnell peinlich berührt. Es ist auch einfach, mich einzuschüchtern. Ich habe eine Schüchternheit und Selbstwahrnehmung, die ich wohl ein Leben lang mit mir herumtragen werde. Das halte ich für ziemlich englisch.

Sie sagten einmal, dass es typisch britisch sei, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Ist das ein Grund für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU?
Das ist wohl ein bisschen so wie bei „Johnny English“ – seine Ambitionen sind größer als seine Fertigkeiten. Ob daraus ein britisches Dilemma wird, wird sich erst noch zeigen. Ich hoffe nicht. In Großbritannien mögen wir Europa und die Europäer. Wenn wir uns in einem Monat wiedertreffen würden, hätten wir vielleicht eine komplett andere Diskussion. Denn die Sache bewegt sich so schnell voran und ändert sich täglich. Aber viel Glück für alle, die involviert sind.

Der britische Ex-Außenminister Boris Johnson verglich in einem Text Burka-Trägerinnen mit „Briefkästen“ und „Bankräubern“. Sie sind ihm zur Seite gesprungen und meinten, er hätte einen „ziemlich guten Witz“ gemacht. Wie empfinden Sie den Konflikt zwischen politischer Korrektheit und Humor?
Als schwierig. Schwieriger als vor 40 Jahren. Denn immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass sie ein Recht darauf haben, nicht beleidigt zu werden. Das ist die Richtung, in die sich die Gesellschaft bewegt. Doch da ist ein Preis, der dafür zu zahlen ist. Ich predige das Recht auf freie Meinungsäußerung, aber das ist bedeutungslos, wenn ich Menschen nicht vor den Kopf stoßen darf und ein Aufschrei in sozialen Medien folgt.

Derzeit wird viel diskutiert, wer der neue „James Bond“ sein soll. Weiblichen Darstellerinnen wurde aber bereits eine Absage erteilt. Wie finden Sie das?
Für mich könnte es durchaus eine Frau sein. Vielleicht könnten sogar zwei Personen agieren: Jane und James Bond. Oder die beiden könnten sich mit Jason Bourne und Johnny English zusammentun und einen neuen Feind besiegen. Ich habe weder einen Favoriten noch persönliche Ambitionen – auch wenn das ein schmeichelnder Gedanke wäre, endlich einen richtigen Agenten zu spielen.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung