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Ausgabe Nr. 43/2018 vom 22.10.2018, Fotos: Peter Just
Schneiden, schleifen, bohren (o.), aus welchem Material Hubert Pucher seine Knöpfe auch fertigt – die Arbeitsschritte sind immer die gleichen.
Jeder Knopf ist ein Einzelstück
Der Hirsch im Knopfloch
Seit mehr als zwei Jahrzehnten fertigt Hubert Pucher in seiner kleinen Werkstatt in Heiligenblut (K) Knöpfe aus den unterschiedlichsten Naturmaterialien. Nur 15 Stück schafft der 58jährige pro Stunde. Dafür ist auch jeder Knopf ein Einzelstück.
Das ist wie Wurst aufschneiden“, lacht Hubert Pucher, als er die Bandsäge einschaltet. Wie durch Butter frisst sich der Stahl durch das Material, bis ein etwa drei Zentimeter breiter Ring fast von der Arbeitsfläche rollt. Der sich aber nicht als schmackhafter Happen zwischen zwei Semmelhälften eignet, denn er stammt von einem Kuhhorn. Es riecht ein wenig nach verbrannten Haaren, als sich die Säge erneut ins Material frisst und sie den Ring weiter teilt, bis sechs an der Oberfläche gebogene Rechtecke entstanden sind. Sie bilden das Ausgangsmaterial für ein Produkt, das vor allem bei Trägern von Trachtenkleidung beliebt ist. Seit 25 Jahren fertigt der gelernte Maschinenbauer Knöpfe aus Holz, Stein, Keramik, Kokosnuss-Schalen, Hirsch- oder Kuhhorn in seiner „Knopfmacherstube“ am Archehof in Heiligenblut (K), den er gemeinsam mit seiner Frau Angelina, 53, führt.

Für das spezielle Handwerk scheint es der perfekte Ort zu sein. Vor dreißig Jahren erwarb das Ehepaar den halb verfallenen Bergbauernhof im Ortsteil Winkl und machte daraus einen idyllischen Gutshof. Braune Bergschafe, Cröllwitzer Puten oder Österreichische Landgänse laufen hier frei herum. Neben dem Hof plätschert der Gut-Tal-Bach und sogar eine kleine Kapelle gehört zu dem Anwesen. Das Herzstück ist aber die Werkstätte von Pucher, der hier runde, eckige, asymmetrische und ovale Knöpfe kreiert.

„Alles fing vor 25 Jahren mit Holzknöpfen an, die ich auf einem Weihnachtsmarkt angeboten habe“, erinnert sich der Handwerker. Was damals als einmalige kleine Aufbesserung des Einkommens gedacht war, entwickelte sich zur zweiten Karriere. „Ich bekam von vielen Kunden Anrufe, ob ich nicht mehr von diesen Knöpfen hätte.“ Also begann Pucher, sich ausführlich mit der Knopfmacherei zu beschäftigen. „Als Grundmaterial kamen Hirsch- und Kuhhorn zum Einsatz, aber auch Steine oder Fliesenscheiben“, erzählt der 58jährige. „Das Kuhhorn beziehe ich vom örtlichen Fleischhauer. Besonders interessante Strukturen weist das Horn von Tierrassen mit schwarzen Hornspitzen auf. Wie etwa beim Grauvieh. Ich habe aber auch schon das Horn des Chinesischen Wasserbüffels oder von Steinböcken zu Knöpfen verarbeitet“, sagt Pucher.

Die Arbeitsschritte sind aber immer die gleichen. „Nach dem Zuschneiden schleife ich die Teile in der gewünschten Form zu“, erklärt der Knopfmacher, während er die Standbohrmaschine einschaltet, in die eine Schleifscheibe eingespannt ist. Mit bloßen Fingern setzt er das kleine Rechteck an. Sobald das Horn die surrende Scheibe berührt, fliegt feiner Staub durch die Werkstatt. Zuerst schleift Pucher Millimeter um Millimeter von den Ecken ab, um dann den werdenden Knopf immer weiter zu drehen, bis er schön rund ist. „Die meisten meiner Knöpfe haben einen Durchmesser zwischen 20 und 25 Millimeter, die Breite ist etwa vier Millimeter.“ Seine größten Knöpfe erreichen einen Durchmesser von acht Zentimetern. „Die hat eine Dame als Zierknöpfe für ihre Tasche bei mir anfertigen lassen“, erklärt der Handwerker, während er nun auch die Oberseite des Knopfes zu schleifen beginnt. „Die Bearbeitung von Kuhhorn ist schwierig, weil erst nach dem Abschleifen die Maserung zum Vorschein kommt. Da kann es schon sein, dass ich fünfzig Knöpfe machen muss, damit dann acht davon miteinander harmonieren. Sie sollen ja auf einem Trachtenjanker oder einem Dirndl gut ausschauen.“ Sind diese Vorarbeiten erledigt, bohrt der Handwerker noch die zwei Knopflöcher mit einer Bohrmaschine in das Material. „Für mich ist es einfach interessant, mit den Materialien zu spielen. Wenn sich eine interessante Struktur beim Zuschleifen ergibt, forme ich daraus ein Schmuckstück“, meint Pucher.

Eine Technik, die seine Arbeit zwar erleichtern würde, mit der aber eine spezielle Eigenart des Naturproduktes verloren gehen würde, kommt für Pucher nicht infrage. „Früher wurden die Hörner gekocht, aufgeschnitten, zu Platten gedrückt und die Knöpfe ausgestanzt. Das mache ich nicht, weil so die natürliche Wölbung verloren gehen würde.“

Ungefähr eine Stunde braucht der 58jährige für 15 Knöpfe. Ein Knopf kostet zwischen zwei und sieben Euro. „Im Jahr schaffe ich ungefähr 1.500 Stück. Auf Lager habe ich aber 5.000. Bis auf eine Strickfirma aus Südtirol, für die ich jährlich 200 Knöpfe fertige, habe ich ausschließlich Privatkunden. Alles selbst begeisterte Handwerker, die gerne stricken, häkeln oder nähen und eben nach dem ganz besonderen Knopf suchen. Neulich hat bei mir ein Mann schwarze Kuhhornknöpfe für seinen Tiroler Anzug gekauft. In den Geschäften hat er sie nirgendwo bekommen. Doch bei mir wurde er fündig“, schmunzelt Pucher stolz. Durchaus mit Berechtigung, denn die Knöpfe aus Heiligenblut hat er schon bis nach Neuseeland und Amerika verkauft. „Ist ja auch jeder einzelne ein Unikat.“
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