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Ausgabe Nr. 43/2018 vom 22.10.2018, Foto: duty
Ivonne Gross ist 44-fache Staatsmeisterin im Bowlen
Ihr Ball rollt zum Erfolg
Sie trifft mit einem sechseinhalb Kilo schweren Ball auf 18 Meter Entfernung die Pins auf den Zentimeter genau. Ihr „Adlerauge“ hat Ivonne Gross, 39, zur 44-fachen heimischen Meisterin und internationalen Top-Spielerin gekrönt, die in dieser Woche bei der EM der Staatsmeister in Langen (D) antritt
Da ist diese eine muskuläre Bewegungskette, die Ivonne Gross, 39, selbst im Schlaf abrufen kann. Vier Schritte zurück, den Oberarm mit ihrem 6,356-Kilo-Ball (wie ihr Spielgerät genannt wird) zu Beginn senkrecht zum Boden gehalten, dann Anlauf, Gleitschritt und Wurf. Mittel- und Ringfinger geben dem Ball die letzte Rotation. „Das Geheimnis beim Spitzenbowlen liegt darin, einen präzisen Bewegungsablauf ein ums andere Mal fast ident reproduzieren zu können“, verrät die sympathische Wienerin aus Favoriten. Eine Konstanz, die sie bei der Jagd nach den zehn Pins (Kegeln) mittlerweile seit Jahrzehnten aufrechterhält und mit 44 Meistertiteln zur erfolgreichsten heimischen Spielerin macht.

Bei der Europameisterschaft der Staatsmeister in Langen (D), wo sie in dieser Woche mit ihrem Landsmann Benjamin Kubalek, 29, antritt, will sie ihren bisher drei EM-Bronzenen weiteres Edelmetall hinzufügen. „Auf der Bahn habe ich immer Glücksbringer dabei, ein aus Silvesterblei gegossener Pin und ein Stofftier meiner Kinder“, schmunzelt sie.

Die große Kunststoffkugel mit den drei Fingerlöchern, die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA erfunden wurde, beherrscht Gross‘ Leben bereits seit mehreren Jahrzehnten. Mit acht begann sie mit dem Sport, ihren Mann Thomas Gross, 46, lernte sie auf einer Bowlingbahn kennen, der einige Zeit lang sogar an der Europaspitze zu finden war. „In unserer Wohnung in Wien lagern sicher zehn Kisten mit Pokalen“, erzählt sie. Den früheren Trophäenraum hat das Paar allerdings inzwischen für die beiden Kinder Fabian, 10, und Dominik, 6, freigemacht. Stand Ivonne Gross früher noch fünf bis sechs Mal wöchentlich in der Halle, kommt sie heute durch ihren Beruf als Trainerin der Fitnesskette „Mrs. Sporty“ und als Mutter deutlich seltener dazu zu trainieren oder sich mit der Ausrüstung auseinanderzusetzen, die zusehends an Bedeutung gewinnt. „Es kann heutzutage entscheidend sein, aufs richtige Material zu setzen“, bekräftigt sie. „Die Anlaufböden und auch Bowlingbahnen sind verschieden, rutschig, rau, unregelmäßig, da muss ich die perfekt passende Sohle für die Schuhe finden. Außerdem gilt es, aus den acht von mir mitgeführten, im Rollverhalten und Materialaufbau verschiedenen Bällen den richtigen zu wählen.“ Auch auf den richtigen Drall kommt es an. Wird in die Vollen, also auf alle zehn stehenden Pins gespielt, geben die Athleten dem Spielgerät stets mit Mittelfinger und Ringfinger einen seitlichen Drall mit. Er erhöht die Chancen, dass alle Kegel fallen, wenn nach einer „Kurve“ des Balles der vorderste Pin und einer seiner Nachbarn von der Seite getroffen werden.

Allerdings findet Bowling als Leistungssport bei uns noch wenig Beachtung. „Als Freizeitsport ist es beliebt, aber im Spitzenbereich nicht, darum mangelt es an Nachwuchs“, weiß der mehrfache Staatsmeister Kubalek. „Dazu kommt, dass Bowling nicht billig ist und als Hallensport im Sommer nicht mit Freiluftaktivitäten mithalten kann.“ Daher bleibt den Athleten nichts anderes übrig, als selbst für Nachwuchs zu sorgen. „Meine Söhne wurden auch vom Bowling-Virus erfasst“, so Gross. „Fabian hat schon einen zweiten Platz bei einem Schülerbewerb belegt.“
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