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Ausgabe Nr. 43/2018 vom 22.10.2018, Foto: doc-stock & wellness
Diese Krankheit liegt an der Spitze der
Todesursachen
Sepsis – Der Feind im Blut
Jedes Jahr sterben Tausende Menschen in unserem Land an einer „Blutvergiftung“, mehr als an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Viele dieser Todesfälle könnten vermieden werden, wenn die ersten Symptome nicht verharmlost oder falsch interpretiert werden. Der oft zitierte „rote Strich“ Richtung Herz ist kein verlässlicher Hinweis auf die drohende Gefahr.
Diese Erkrankung wird gehörig unterschätzt und die Zahl der Toten, die sie jedes Jahr in unserem Land fordert, ist erschreckend hoch.

Die Rede ist von der Sepsis, die den meisten umgangssprachlich als „Blutvergiftung“ bekannt ist. „Wir schätzen, dass in unserem Land jedes Jahr rund 6.700 Menschen an Sepsis versterben. Damit liegt Sepsis an der Spitze der Todesursachen, noch vor den ‚Volkskrankheiten‘ wie Schlaganfall oder Herzinfarkt“, klärt Univ.-Prof. Dr. Walter Hasibeder, Leiter der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Spital St. Vinzenz in Zams (T). Es ist ein gefährlicher Irrtum, so die Experten, zu glauben, die Gefahr einer Sepsis bestehe nur, wenn es zu einer Wundinfektion der Haut komme. „Eine Sepsis ist immer die Folge einer Infektion meist durch Bakterien oder Viren, selten durch Pilze. Bekannte Grunderkrankungen sind zwar Wunden, die echte Grippe, aber auch Harnwegs- oder Atemwegsinfekte wie eine Lungenentzündung, Infekte der Verdauungsorgane und Gehirnhautentzündung. Aber die Erreger lösen sich vom Infektionsherd und gelangen in die Blutbahn. Die ausgelöste Entzündung bleibt nicht lokal begrenzt, die Erreger ‚überschwemmen‘ den Körper. Das Immunsystem bekommt sie nicht mehr in den Griff, und im schlimmsten Fall kommt es zum Organversagen und zum Tod“, erklärt Prof. Rudolf Likar, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Landesklinikum Klagenfurt (K).

Diese gefährliche Entwicklung einer anfangs womöglich harmlosen Infektion bremst das frühe Erkennen der drohenden Gefahr gegenüber.

„Das ist eines der Hauptprobleme. Die Sepsis hat am Beginn unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber oder Untertemperatur, eine schnelle Atmung, niedrigen Blutdruck. Vor allem Menschen, die an einer Wundinfektion oder Infektionskrankheit leiden, gar Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken, gehören zu den Risiko-Patienten. Bei den genannten Symptomen sollten sie so rasch wie möglich zu ihrem Hausarzt oder in das nächstgelegene Spital fahren. Dort muss ein Blutbefund erstellt werden. Lautet die Diagnose Sepsis, sofort mit Antibiotika behandeln“, betont Prof. Likar.

Vor einer Verharmlosung oder falschen Interpretation der Symptome warnt auch Prof. Hasibeder.

„Zwischen den ersten Symptomen wie einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Schmerzen im Bauch oder neu aufgetretenem Husten und dem schwersten Krankheitsstadium mit kalten Armen und Beinen, bläulich marmorierter Haut und schwachem Blutdruck können wenige Stunden bis Tage vergehen. Es zählt jede Minute bei der Diagnose und Therapie, um das Leben zu retten.“ Der berühmte „rote Strich“, der sich Richtung Herz ausbreitet, ist hingegen keinesfalls ein verlässlicher Hinweis auf den Feind im Blut. „Dieser Strich kann auftreten, muss aber nicht“, warnt Prof. Likar.

Sepsis-Symptome kann jeder entwickeln, vom Säuglings- bis ins hohe Alter. Das gilt für alle Menschen, deren Immunsystem dauerhaft oder vorübergehend geschwächt ist. Eine typische Konstellation wäre zum Beispiel, dass sich auf eine schwere Grippe oder eine Lungenentzündung eine bakterielle Infektion „daraufsetzt“.

Primar Dr. Alexander Löckinger, Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Hanusch-Krankenhaus in Wien, rät daher, „Am besten wird eine Sepsis verhindert, wenn die Infektion davor verhindert wird. Das Wichtigste ist, auf gute Hygiene zu achten. Der sorgfältige Umgang mit Antibiotika trägt dazu bei, dass sie wirken, wenn sie dringend gebraucht werden. Impfungen gegen verschiedene Erreger wie Influenza oder Pneumokokken und Meningokokken verhindern Grunderkrankungen, die zur Sepsis führen können.“
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