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Ausgabe Nr. 43/2018 vom 22.10.2018, Foto: Suzy Stöckl
Claudia Stöckl wurde am 3. Dezember 1966 in Wien geboren. Sie hat einen Bruder und drei Schwestern. Stöckl begann ein Publizistik-Studium in Wien, arbeitete aber dann als Fotomodell in Paris (Frankreich). Das Studium beendete sie erst Jahrzehnte später. Seit 21 Jahren gehört sie dem ORF als Moderatorin für Ö3 an. Ehrenamtlich hilft sie mit dem Verein ZUKI armen Kindern in Indien. Die 51jährige lebt in Wien. Zu ihrem Beziehungsstatus meint Stöckl, ihr Herz sei mit Liebe erfüllt.
„Das Glück liegt im Tun für
andere“
Sie ist die Radiostimme am Sonntagvormittag. Claudia Stöckl, 51, lädt seit 21 Jahren prominente Menschen aus allen Bereichen des Lebens zum „Frühstück bei mir“. Eine Sendung, die von 9 bis 11 Uhr auf Ö3 zu hören ist. Die Höhepunkte aus diesen Gesprächen hat die Moderatorin nun in einem Buch veröffentlicht. In „Interview mit dem Leben“ bietet sie darüberhinaus Einblicke in ihr eigenes Leben. In dem sie schöne Momente als Fotomodell in Paris (F) erlebt hat und traurige in den Elendsvierteln von Indien.
Frau Stöckl, Sie haben kürzlich das Buch „Interview mit dem Leben“ (Verlag ecowin) veröffentlicht. Wollen wir über das Leben reden – ausnahmsweise über Ihr Leben?
Gern, das Leben ist ja vielfältig, aber zu kurz.

Beginnen wir in der Früh. In Ihrer beliebten Ö3-Sendung „Frühstück bei mir“ sprechen Sie mit prominenten Menschen über Kunst, Religion, die Liebe und über Wissenschaft. Und das beim Frühstück. Bislang haben
Sie 1.050 Mal beruflich gefrühstückt. Wie halten Sie es damit privat?

Bei mir gibt es kein ausgiebiges Frühstück, denn ich starte lieber rasch in den Tag. Nach einer Tasse Kaffee geht‘s schon los. Das große Frühstück nehme ich dann ein Mal in der Woche mit meinen Gästen während unseres Gespräches ein. Ansonsten nehme ich erst gegen Mittag etwas zu mir oder esse später, weil ich oft bis in die Nacht hinein arbeite. Dann habe ich in der Früh ohnedies keinen Hunger.

Und im Urlaub?
Da darf es dann durchaus ein Joghurt mit Beeren sein. Joghurt hat eine positive Wirkung auf den Körper, soll sogar fettverbrennend wirken und die Beeren liefern Vitamine und Mineralien. Sie enthalten auch Ballaststoffe, die den Darm anregen.

Wenn wir das Leben weiterführen – es dauert heute im Schnitt etwa 80 Jahre. Reicht Ihnen diese Spanne, um all das zu machen, was Sie sich vorgenommen haben?
Ganz und gar nicht. Ich habe jeden Tag das Gefühl, mir läuft die Zeit davon. Denn neben meiner wöchentlichen Radiosendung kümmere ich mich um mein Kinder-Hilfsprojekt in Indien und möchte noch viele andere Dinge in Angriff nehmen. Jeden Tag kommen mir neue Ideen. Ich würde gerne Gitarre und Klavier spielen lernen, ich möchte meine Spanisch-Sprachkenntnisse verbessern, also das Leben ist definitiv zu kurz.

Wenn wir es pessimistisch betrachten, ist das Leben nichts anderes als ein 80 Jahre dauerndes Warten auf den Tod …
Wobei manche Menschen wie etwa unser berühmter Sänger Falco schon früher Probleme bekommen. Er hat mir in einem Interview, das im Buch abgedruckt ist, erzählt, dass er bereits mit 28 Jahren in eine Lebenskrise geschlittert sei. Das ist oft bei Künstlern so, wenn sie großen Erfolg hatten. Das haben mir andere Künstler bestätigt, darunter der englische Sänger Robbie Williams. Sie haben den Eindruck, dass danach nichts mehr kommt und sie ins Bodenlose fallen.

Hatten Sie in jungen Jahren einen Plan, wie Ihr Leben verlaufen soll?
Eigentlich nicht, es hat sich alles ergeben. Ich fange die Bälle auf, die mir zugeworfen werden. Auf diese Weise kam ich mit 18 Jahren als Au-Pair-Mädchen in die französische Hauptstadt Paris, obwohl meine Mutter für mich schon ein Wirtschaftsstudium in Wien vorgesehen hatte. Durch meine langen, handgeschriebenen Briefe nach Hause ermutigte mich meine Mutter jedoch, einen schreiberischen Beruf zu ergreifen. Das passte mir gut, denn ich wollte als Mädchen Schriftstellerin werden.

Der Einstieg ins Berufsleben erfolgte aber zunächst als Fotomodell …
… weil meine um sechs Jahre ältere Schwester Susi bereits als Fotomodell gearbeitet hat. Sie hat mich ebenso beeinflusst wie meine Schwester Barbara, die mit 17 Jahren die Schulzeitung gemacht hat und in jungen Jahren zum ORF gekommen ist. Motiviert durch Susi stürzte ich mich in die Welt der Fotomodelle und bekam bald einen Auftrag in Wien für Römerquelle. Agenturen wurden auf mich aufmerksam und ich übersiedelte mit knapp 20 Jahren nach Paris, weil Französisch meine Lieblingssprache war und ich die Stadt schon ein wenig aus meiner Zeit als Au-Pair-Mädchen kannte. Ein Angebot, nach New York zu gehen, schlug ich aus. Dreieinhalb Jahre lang bin ich dann in der Welt herumgefahren und habe meine Brötchen als Fotomodell verdient. Bis schließlich der Reiz dieses Berufes verlorenging. Ich wollte mich nicht mehr nur über das Aussehen definieren und mich rechtfertigen, wenn ich einmal drei Kilo mehr auf die Waage brachte. Also fing ich an, journalistisch tätig zu sein.

Sie meinten, Ihr Leben habe sich stets ergeben. Wann haben Sie den Ball des Hilfsprojektes in Indien aufgefangen, um Ihr Projekt „Zukunft für Kinder“ (ZUKI) in Angriff zu nehmen? Sie ermöglichen Kindern aus den Elendsvierteln der Großstadt Kalkutta eine Schulausbildung, Sie geben Ihnen Unterkunft, zu essen und Kleider …
In Kontakt mit den armen Kindern kam ich während eines Urlaubsaufenthaltes in Indien. Damals gab ich den Kindern ein paar Rupien, doch ich wusste, das hilft ihnen nur kurze Zeit. Ich wollte aber nachhaltige Unterstützung bieten und eine Patenschaft übernehmen. Schließlich kam ich vor zwölf Jahren mit dem Verein ZUKI in Klosterneuburg in Kontakt. Aus der geplanten Patenschaft wurde die Position der Obfrau des Vereines. Ich bin das Sprachrohr für diese Kinder in Kalkutta.

Das heißt, Sie versuchen, Spenden aufzutreiben …
Genau. Wir sammeln Geld und Kleider. Rund um Ostern sowie im November fahre ich gewöhnlich nach Kalkutta und bringe Kleider mit. Wir betreuen derzeit 300 Kinder in einem Kinderheim in Kalkutta und 500 in einer südlich gelegeneren Stadt, die dort dank der Patenschaften eine Schulausbildung erhalten. Es freut mich so sehr, diese Kinder zu begleiten, und zu sehen, was aus ihnen wird. Es gibt ja bereits welche, die ihren Schulabschluss in der Tasche haben. Gerade nahmen wir wieder einige fünf- und sechsjährige Kinder auf. Da sind wir wieder beim Thema, das Leben ist zu kurz, denn ich würde diese armen Kreaturen gerne immer wieder begleiten. Es ist erfüllend zu sehen, wenn die Mutter bettelt und der Vater arbeitsunfähig ist, weil ihm beide Beine fehlen, aber das Kind intelligent ist und dank unserer Hilfe studieren kann.

Haben Sie mit ZUKI das Glück Ihres Lebens gefunden? In Ihrem Buch schreiben Sie, glückbringend seien die Dankbarkeit und das Tun …
Würde ich sagen. Diese Erfahrung gemacht zu haben, ist wunderschön. Das Glück liegt im Tun für andere.
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