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Ausgabe Nr. 42/2018 vom 16.10.2018, Foto: Erwin Scheriau
Gradner G‘sang“ (v. li. hi. n. re. vo.): Robert List, Regina Guggi, Alois Guggi Jr., Martha Guggi, Andreas Eisner, Gerti Bratschko, Franziska Schilcher, Timo, Alois Guggi Sr.,
Leona, Tamara List
Vier Generationen Volksmusik
Die steirische Volksmusikgruppe „Gradner G‘sang“ setzt auf Familientradition. Drei Generationen musizieren seit 24 Jahren mit Stimme, Kontrabass, Gitarre und Ziehharmonika. Auf ihrer neuen CD wird nun erstmals auch die vierte Generation zu hören sein.
Wenn sie nicht zu uns kommen, dann kommen wir zu ihnen“, sagt der Obmann des Pensionistenvereines von Leibnitz (Stmk.) den etwa 60 Senioren, die im Veranstaltungsraum des Hotels Herold in Maria Lankowitz auf die ihnen angekündigte Überraschung warten.

Als schließlich in Tracht gekleidete Musiker den Saal betreten und sich formieren, spenden die Senioren begeistert Applaus. Der schnell verstummt, als der „Gradner G‘sang“ das erste Lied anstimmt. „Es is gor long schon her, dass i das Licht der Welt hab gsehn, in aner holzern Wiagn do bin i glegn …“ singen die zehn Volksmusikanten die ersten Zeilen ihres bekanntesten Liedes „Das alte Bauernhaus“. Drei Generationen der Familie Guggi aus Graden bei Köflach (Stmk.) waren es bisher, die sich mit großer Leidenschaft der Volksmusik verschrieben haben.

Nun haben sie Verstärkung bekommen. Mit Timo, 5, und Leona, 9, sind auch die jüngsten Sprösslinge der Familie auf der fünften CD des „Gradner G‘sangs“ zu hören.

„Wir singen mittlerweile seit 24 Jahren zusammen“, sagt Regina Guggi nach dem Auftritt noch ganz außer Atem. Gute zwei Stunden dauerte der Auftritt, der erst nach zahlreichen Zugaben beendet werden konnte. Die Landwirtin repräsentiert mit ihrem Mann Alois Junior die zweite Generation der Familie des „Gradner G‘sangs“, der eigentlich aus der Not gegründet wurde. „Wir waren vorher bei der Singrunde Salla, die sich dann aufgelöst hat“, berichtet die 57jährige. „Es sind aber weiter Anfragen gekommen. Also hab‘ ich mir gedacht, machen wir als Familie weiter. Singen war immer unsere Leidenschaft und wird es immer sein. Wir bereiten den Menschen einfach gerne Freude mit unseren Liedern.“ Auch ein Name war schnell gefunden. Als Namensgeber fungierte die Heimatgemeinde. Bei kleinen Auftritten bei Hochzeiten, auf Weihnachtsmärkten und Geburtstagsfeiern wäre es auch geblieben, wenn ihnen vor 15 Jahren nicht der Moderator Gerhard Pfleger einen Auftrag mit auf den Weg gegeben hätte. „Nächstes Jahr habt‘s aber eine CD mit.“

„Wir haben in einem Studio in Voitsberg (Stmk.) auf eigene Kosten Lieder aufgenommen und eine CD produziert. Mit Liedgut, das aus eigener Feder und aus Überlieferungen der ersten Generation kam.“ Eine geradezu unversiegende Quelle ist Alois Guggi Senior. „Ich habe viele alte Volkslieder von meinem Vater und Großvater gehört“, sagt der 78jährige. Auf die Frage, wo er sie aufgeschrieben hat, tippt der Senior mit dem Zeigefinger auf seine Stirn. „Die sind alle da drin.“

Ebenfalls auf dieser CD war „Das alte Bauernhaus“. Einer jener Titel, die nicht der Erinnerung des Schwiegervaters von Regina Guggi, sondern ihrer Feder entstammt. „Als es einmal in Radio Steiermark gespielt wurde, ist es losgegangen. Wir hatten ja keine Plattenfirma hinter uns. Wer eine CD kaufen wollte, musste bei mir anrufen und sie bestellen.“

Das Telefon hörte nicht mehr zu läuten auf und Regina Guggi verschickte Tonträger um Tonträger. Die Kosten für die Eigenproduktion waren bald verdient. Und „Das alte Bauernhaus“ wurde in diesem Jahr zu einem der meistgespielten Lieder des ORF-Regionalsenders.

Obwohl der „Gradner G‘sang“ einen Fanklub in Niederösterreich hat und die zehn Musikanten vor fünf Jahren sogar einen Auftritt vor dem EU-Parlament in Brüssel (Belgien) hatten, sind sie mit ihrem Status als regionale Berühmtheiten zufrieden. Sie singen weiterhin bei Hochzeiten und auf Weihnachtsmärkten. Nur mischen sich bei ihnen nun auch Auftritte in größeren Veranstaltungssälen hinein. Wie jener am kommenden Samstag ab 19.30 Uhr im Köflacher Volksheim. Wenn sie ihre neue CD „Drunter und Drüber“ mit 20 neuen Liedern präsentieren, werden auf einem Lied zwei neue Stimmen zu hören sein. Bei „Oma, setz di her zu mia“ singen erstmals der fünfjährige Timo und seine Schwester Leona, 9. Mit den beiden Kindern von Regina Guggis Tochter Tamara, 37, wächst die vierte Generation hoffnungsvoller Volksmusikanten heran. „Jetzt bin ich nicht mehr das Küken“, lacht Tamaras Mann Robert List. Der 43jährige ist ja erst seit 18 Jahren Mitglied des „Gradner G‘sangs“.

Wer die Steirer live hören möchte, sollte sich beeilen. „Dass es an der Abendkassa noch Karten gibt, kann ich nicht garantieren“, sagt Regina Guggi. Vorverkaufskarten sind bei ihr (Tel.: 0664/73516272) oder in den Sparkassenfilialen ihres Heimatbezirks um € 8,– erhältlich. In gut sortierten Plattengeschäften wird es nach der Präsentation „Drunter und Drüber“ um € 15,– zu kaufen geben.
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