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Ausgabe Nr. 41/2018 vom 09.10.2018, Foto: Gregor Semrad, VGT.at
Gottfried Waldhäusl, Martin Balluch
Soll die Beißkorb-Pflicht verschärft werden?
Nach dem tragischen Tod eines Einjährigen sollen die Gesetze für Hundehalter verschärft werden. Der Bub starb, nachdem er von einem Rottweiler in den Kopf gebissen wurde. Die Vorschläge reichen von einer generellen Beißkorb-Pflicht über einen Hundeführerschein für alle Hundebesitzer bis zu einem Alkohol-Limit für Herrl und Frauerl. Wo eine Maulkorb- oder Leinenpflicht besteht, ist derzeit von Bundesland zu Bundesland verschieden. Auch einzelne Gemeinden können Vorschriften festlegen.
JA: Gottfried Waldhäusl,
FPÖ-Landesrat (NÖ)

„Tatsache ist für mich als zuständiges Regierungsmitglied in Niederösterreich, dass auch in diesem Bereich der Sicherheit für die Menschen etwas geschehen muss. Noch im Oktober werde ich zum niederösterreichischen ,Hunde-Sicherheitsgipfel‘ einladen. Gemeinsam mit Experten und Politikern aller im Landtag vertretenen Parteien sollen sinnvolle und nachhaltige Lösungen diskutiert werden. Richtungsweisend könnte hier etwa das oberösterreichische Modell sein, wonach jene Plätze genau festgelegt sind, wo Leine und Maulkorb getragen werden
müssen (Öffentliche Verkehrsmittel, sämtliche Kinderbetreuungseinrichtungen, Einkaufszentren, Freizeit- und Vergnügungsparks, Badeanlagen während der Sommersaison, Gaststätten, Veranstaltungen). Und, meines Erachtens, auch nur dort. Weiters würde auch die leidige Diskussion über die sogenannten ‚Listenhunde‘ fallen, diese Problematik wäre dann beendet. Außerdem: Tiere, die keinen entsprechenden Schaden anrichten können, sollen natürlich von einer Maulkorbpflicht ausgenommen sein. Bei der Festlegung der Körpergröße muss auch hier der Hausverstand walten.“

Nein: Martin Balluch,
Verein gegen Tierfabriken

„Wir dürfen keinesfalls aus einem zweifellos sehr tragischen Einzelfall schließen, dass wir in Österreich von caniden Kampfmaschinen umgeben sind, die uns alle bedrohen. Die meisten Verletzungen durch Hunde geschehen in der eigenen Familie, wo kein Hund einen Beißkorb tragen wird. Im Gegenteil, je weniger Freiraum Hunde haben, umso rascher sind sie mit Stresssituationen
überfordert. Eine Verschärfung von Leinen- und Beißkorb-pflicht würde also eher mehr Menschen gefährden als
weniger. Dazu werden nur 0,5 Prozent der Hunde verhaltensauffällig, 99,5 Prozent beißen niemanden in ihrem ganzen Leben. Menschen sind für Menschen gefährlicher als Hunde. 30.000 Menschen werden durch
Menschen jedes Jahr schwer verletzt und 40 getötet. Selbst bei der Leinenpflicht sind wir in Österreich schon preußischer als die Preußen, in München gibt es keine. In anderen Ländern begegnen einem Streunerhunde,
in Moskau sogar in der U-Bahn, nicht nur ohne Leine und Beißkorb, sondern sogar ohne menschliche Begleitung.
Und trotzdem werden die Kinder dort auf die Straße gelassen.“
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