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Ausgabe Nr. 41/2018 vom 09.10.2018, Fotos: picturedesk, Lukas Beck
Heilende Gedanken und Wohlbefinden fördern
• Gesunde Lebenseinstellung pflegen, sich in der Haut wohl fühlen, Talente nutzen.
• Raus aus dem Trott, neue Wege gehen, Dinge tun, die schon früher beflügelten.
• Zielgerichtet denken, darauf konzentrieren, was Sie im Leben wollen. Zielbild kreieren und sich gedanklich an das (vorerst kleine) Ziel versetzen. Probleme nicht verdrängen, lösungsorientiert denken.
• Die Vorstellung mit positiven Gefühlen (Vertrauen, Begeisterung) verbinden.
• Ziel positiv und präzise formulieren, ohne „kein“ und „nicht“.
• Regelmäßig entspannen und ruhen.
• Gleichgesinnte suchen, lachen (dämpft Schmerz, gut für Immunzellen).
Die Pathologin Dr. Katharina Schmid
schwört auf die Psyche als Gesundheits-
Helfer.
Denken Sie sich gesund
Wer krank wird, hofft auf die Wirkung moderner Medikamente und Therapien. Selten denken Patient und Arzt daran, wie weit der psychische und seelische Zustand für das Auftreten von Krankheiten oder deren Heilung mitverantwortlich ist. Dabei spielt er eine größere Rolle als bisher gedacht.
Die Ärzte alter, überlieferter Heiltraditionen aus China, Indien oder Europa wussten stets um das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Die moderne westliche Medizin hielt lange nichts davon. Körper und Geist wurden mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften über Jahrhunderte als getrennte Einheiten betrachtet. Doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, die Lebenseinstellung und Psyche stehen in Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen. Die Pathologin Priv.-Doz. Dr. Katharina Schmid erläutert in ihrem Buch „Kopfsache Gesund“ (Verlag edition a), warum das so ist.

Frau Dr. Schmid, warum befasst sich eine Pathologin
mit dem Einfluss der Psyche auf die Gesundheit?

Ich beschäftige mich mit Ursachen von Erkrankungen. Die Ursachen vieler chronischer Krankheiten lassen sich mit gängigen Methoden nicht hinreichend erklären. Unklar ist oft der unterschiedliche Krankheitsverlauf. Neue Erkenntnisse belegen, Gedanken und Gefühle üben auf die Gesundheit großen Einfluss aus.

Sind Gedanken etwas Konkretes?
Ja, sie sind messbare elektrische Gehirnströme. Bei jedem Gedanken entstehen elektrische Impulse, die sich über das Gehirn, Rückenmark und die Nervenbahnen im Körper ausbreiten. Ebenso wurde von Gehirnforschern bewiesen, dass Gedanken als Synapsen im Gehirn abgespeichert sind. Synapsen sind Verbindungen zwischen Nervenzellen. Täglich bilden wir neue, nicht mehr benötigte werden abgebaut.

Und wie beeinflussen Gedanken nun Vorgänge im Körper?
Das tun sie mehrfach. Es ist zum Beispiel nachgewiesen, dass negative Gedanken und innere Anspannung die Stresshormone im Blut ansteigen lassen. Das bereitet uns auf die „Flucht“ vor. Muskeln in den Beinen, im Rücken, in den Schultern und am Kopf werden angespannt. Weil wir Stress aber meist nicht abbauen, leiden wir unter chronischen Verspannungen, Muskelverhärtungen, Zähneknirschen oder Kopfweh. Studien haben gezeigt, dass Dauer-Stress häufiger zu Erkrankungen führt, weil das Stresshormon Kortisol die Immunabwehr einschränkt. Das erhöht die Anfälligkeit für Infektionen. Außerdem können winzige Entzündungsherde nicht mehr in Schach gehalten werden, die Basis für chronisch entzündliche Krankheiten. Psychischer Dauerstress, Ängste, schwere Trauer, lang unterdrückte Wut erschöpfen das Immunsystem. Die Folgen sind häufig Infektionskrankheiten, Allergien, Autoimmunkrankeiten oder Krebs.

Denken wir zu oft negativ?
Die meisten haben zehn Mal mehr unangenehme als angenehme Gedanken. Das belastet die Psyche …

… und das Immunsystem?
Richtig. Die Psychoneuro-Immunologie, eine junge Forschungsrichtung, zeigt, die Psyche kommuniziert über unsere Nerven mit dem Immunsystem. Umgekehrt wirken Botenstoffe des Immunsystems über die Nerven auf die Psyche ein. Es gibt seriöse Erkenntnisse, dass angenehme Gedanken und Gefühle positiv auf das Immunsystem wirken und unangenehme es hemmen. Je intensiver die Gefühle, desto größer ist ihr Einfluss. Wer diese Wechselwirkung versteht, kann die Heilkraft der Gedanken nicht bezweifeln. Sprechen wir von Selbstheilungskräften, meinen wir das Immunsystem, die körpereigene Heilerin.

Was braucht das Immunsystem?
Ein ausgeglichenes Gedanken- und Gefühlsleben, den emotionalen Rückhalt durch die Familie und Erfahrungen, die auf einer tiefen Ebene befriedigend sind. Weiters helfen regelmäßige tiefe Ruhephasen. Meditation verbessert die Immunabwehr, ebenso eine entspannte Zeit in der Natur oder mit dem geliebten Haustier.

Sie sagen, unsere Gedanken haben sogar Einfluss auf die Gene?
Ja, indirekt. Unsere Gene werden, einfach gesagt, durch andockende Eiweiße an- oder ausgeschaltet. Das heißt Genregulation. Sie wird unter anderem von emotional prägenden Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen beeinflusst. Wir bestimmen mit Gedanken, Entscheidungen und Erfahrungen mit, welche Gene aktiviert werden und welche nicht. Eine Studie zeigte, dass bei Menschen mit Panikstörungen das Gen für Stressregulation stark aktiv war. Nach einer mehrwöchigen Verhaltenstherapie war dieses Gen in seiner Aktivität von gesunden Menschen nicht mehr zu unterscheiden. Wir können mit Gedanken allein nicht Gene steuern, aber ihnen Taten folgen lassen, wie eine Therapie, mehr Bewegung oder gesunde Ernährung, und damit die Gen-Aktivität zu unseren Gunsten beeinflussen, und letzten Endes Krankheiten verhindern.
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