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Ausgabe Nr. 41/2018 vom 09.10.2018, Foto: Bridgeman Images
Montserrat Caballé
Montserrat Caballé († 85):
Von der Näherin zur Opernlegende
Sie wurde gefeiert für ihre Stimme und geliebt für ihre Herzlichkeit. Montserrat Caballé, eine der größten Opernsängerinnen, ist am vergangenen Samstag in einem Spital ihrer spanischen Geburtsstadt Barcelona verstorben.
Caballé kam am 12. April 1933 als Maria de Montserrat Bibiana Concepción Caballé i Folch in Barcelona auf die Welt. Ihre Familie war arm. Caballé musste die Schule verlassen, um als Näherin zum Familienunterhalt beizutragen. Trotz aller Entbehrungen schaffte sie es aufgrund ihres Gesangstalentes auf das Konservatorium.

Ihren Durchbruch feierte sie an der Carnegie Hall in New York (USA). Als dort im Jahr 1965 Marilyn Horne, 84, nicht singen konnte, sprang Caballé ein. Kurzfristig und ohne Probe sang sie die Titelrolle in Gaetano Donizettis Oper „Lucrezia Borgia“ dermaßen gut, dass ihre Vorstellung mit einem 20-minütigen Applaus endete.

Dies war der Beginn einer großen Karriere. Caballé trat 4.000 Mal auf und sang 90 verschiedene Rollen. Sie verliebte sich in einen Kollegen, den Tenor Bernabé Martí, 89. Die beiden waren 54 Jahre lang verheiratet und haben zwei Kinder. Den Sohn Bernabé, 52, und die Tochter Montserrat, 45, die ebenfalls Sopranistin ist.

Mutter und Tochter traten oft gemeinsam auf. Caballé konnte zuletzt nur noch sitzend singen. Sie war seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Seit 1986 lebte sie zudem mit einem gutartigen Gehirntumor, den sie ihren „kleinen Freund“ nannte.

Die Sopranistin ließ sich von ihren körperlichen Beschwerden jedoch nicht unterkriegen, verströmte immer gute Laune. Selbst beim Schuhekaufen in der Wiener Innenstadt. Die Sängerin wollte Anfang der 90er Jahre im Geschäft „Scheffel“ Schuhe erwerben.

„Caballé interessierte sich für einen italienischen Schuh aus Velours-Leder mit mittelhohem Absatz. Sie hatte Schuhgröße 35. Wir hatten das gewünschte Modell in ihrer Größe nicht mehr verfügbar, weshalb sie den Schuh eine halbe Nummer größer anprobieren wollte“, erzählt Erika Hammerschmied, 78, die der Sängerin als Verkäuferin zur Seite stand. Die Sopranistin setzte sich in einen Fauteuil, um den Schuh zu probieren. „Als sie wieder aufstehen wollte, blieb sie darin stecken. Ich war schockiert. Doch Caballé hat gelacht und gesagt, dass ihr das zu Hause auch immer passiert“, berichtet Hammerschmied.

Die Sopranistin widmete sich aber nicht nur der Klassik. Legendär ist ihr Auftritt mit dem „Queen“-Sänger Freddie Mercury. Die beiden sangen zusammen das Lied „Barcelona“.

In dieser Stadt fand Caballé auch ihre letzte Ruhe. Sie wurde am Montag neben ihren Eltern beerdigt.
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