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Ausgabe Nr. 41/2018 vom 09.10.2018, Foto: Fotolia
Fahren auf der Busspur, gratis Parken und kein „Luft-100er“ mehr. Türkis-Blau fordert Privilegien für Besitzer von E-Autos.
Elektro-Mobilität im Stau
Die Regierung will den Verkauf von Elektro-Autos ankurbeln. Doch ihr Maßnahmenpaket ist umstritten. So soll für E-Autos in Städten die Busspur freigegeben werden. In Oslo (Norwegen) wurde dies teils wieder rückgängig gemacht, weil der Verkehr dadurch ins Stocken geriet.
Rund fünf Millionen Autos sind hierzulande angemeldet, davon etwa 18.500 Elektroautos. Das sind gerade einmal 0,4 Prozent. Zählen wir Hybridfahrzeuge dazu, also solche mit Verbrennungs- und Elektromotor, sind es etwa ein Prozent aller Personenkraftwagen.

Um die Verkaufszahlen anzukurbeln, wollen Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) und Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) den Besitzern von E-Autos nun fragwürdige Privilegien zukommen lassen. Geplant sind das Gratis-Parken in Städten und die Aufhebung umweltbedingter Tempolimits, wie den „Luft-Hunderter“. Zudem soll für E-Autos die Busspur freigegeben werden. Dies notfalls sogar über eine Änderung der Straßenverkehrsordnung, denn Städte wie Graz, Salzburg, Innsbruck und auch Wien blocken ab. Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) befürchtet gar ein „Verkehrschaos für Millionen Öffi-Nutzer“. Sie kann sich weder eine Öffnung der Busspur, noch ein Gratis-Parken für E-Autos vorstellen.

Der Leiter der Interessenvertretung des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Clubs (ÖAMTC) Bernhard Wiesinger erklärt, dass ein Öffnen der Busspuren nur eine „temporäre Aktion“ sein kann. „In Oslo (Norwegen) wurde die uneingeschränkte Benutzung von Busspuren für E-Autos teilweise wieder aufgehoben, weil sie durch die vielen Fahrzeuge verstopft wurden. Jetzt müssen dort bei bestimmten Busstrecken mindestens zwei Personen im Auto sitzen“, sagt Wiesinger.

Die Aufhebung des „Luft-Hunderters“ für E-Autos ab 2019, der bundesweit auf 440 Autobahn-Kilometern gilt, sorgt ebenfalls für Kopfschütteln. „Wenn E-PKW 130 Stundenkilometer statt 100 fahren, kann das den Verkehrsfluss verschlechtern, das Unfallrisiko erhöhen und Tempokontrollen erschweren“, erklärt der Verkehrsclub-Österreich-Experte Markus Gansterer. Zudem sinkt die Reichweite eines Elektro-Pkw‘s bei Tempo 130 gegenüber Tempo 100 um ein Viertel, was viele E-Autofahrer vor höherem Tempo abschreckt.

Bernhard Wiesinger erklärt, dass hinsichtlich erneuerbarer Energien noch viel gemacht werden muss, denn „erst wenn Strom CO2-neutral produziert wird, rentieren sich E-Autos in puncto Umweltfreundlichkeit.“ Er schlägt vor, Photovoltaik-Anlagen wieder zu fördern. Dass Elektroautos hierzulande um rund ein Drittel teurer sind als normale Fahrzeuge, schreckt viele Autofahrer vom Kauf ab. Die geplanten Anreize der Regierung für E-Autos könnten deswegen zu einer Reform für Besserverdienende verkommen. rb
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