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Ausgabe Nr. 40/2018 vom 02.10.2018, Foto: Andrea Slamanig, BKA/Hans Hofer
Andrea Hladky, Juliane Bogner-Strauss
Soll es eine verpflichtende Frauenquote geben?
Noch bis 8. Oktober kann das „Frauen*Volksbegehren“ unterzeichnet werden. Die Initiatorinnen hoffen auf 650.000 Unterschriften. So viele haben auch beim ersten Frauenvolksbegehren 1997 unterzeichnet. Die Forderungen sind vielfältig. Ganz oben steht „Macht teilen“. Die Hälfte aller Plätze in Leitungs- und Kontrollgremien von Kapitalgesellschaften und Genossenschaften soll an Frauen gehen, ebenso wie in politischen Interessensvertretungen, der Sozialpartnerschaft und bei Volksvertretern.
JA: Andrea Hladky,
Sprecherin Frauen*Volksbegehren

„Österreich ist eine repräsentative Demokratie. Aber Frauen sind nicht entsprechend ihres Bevölkerungsanteiles und ihrer Qualifikationen vertreten. Immerhin studieren mehr Frauen als Männer. Deswegen entscheiden mehrheitlich Männer über das tägliche Leben, auch wenn ihnen oft die Erfahrung weiblicher Lebensrealitäten fehlt. Frauen machen nichts besser, nur weil sie Frauen sind, aber sie verbreitern den Blickwinkel und erhöhen die Chance für Entscheidungen, die allen dienen. Insbesondere trifft das auch in der heimischen Privatwirtschaft zu, wo der Männeranteil in Vorständen und Aufsichtsräten unverändert bei 90 Prozent liegt. Und das, obwohl jedes Unternehmen profitiert, wenn Entscheidungsgremien die gesamte Gesellschaft abbilden. Dass Frauen nicht ausreichend vorkommen, ist nicht nur eine Geringschätzung weiblicher Leistung, sondern hat nachteilige betriebs- und volkswirtschaftliche Folgen. Wir sehen an Island und den skandinavischen Ländern, wie gut das funktioniert. Die Quote erhöht nicht nur die Chancen von Frauen, sondern hilft letztendlich auch Männern im Sinne einer besseren Ausgewogenheit. Wenn wir darauf warten, dass Unternehmen das freiwillig umsetzen, warten wir noch 100 Jahre.“

NEIN: Juliane Bogner-Strauß,
ÖVP-Frauenministerin

„In manchen Bereichen schafft eine Frauen-Quote die Möglichkeit, etwas zum Positiven zu verändern. Es ist gut, dass es etwa in Aufsichtsräten von Unternehmen, die entweder börsennotiert sind oder ständig mehr als tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent gibt. Eine starre 50-Prozent-Quote quer über alle Branchen halte ich aber nicht für sinnvoll, weil diese in der Praxis nicht umsetzbar ist. Der Frauenanteil an den Studierenden in MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, an den Universitäten liegt bei 34 Prozent. Ganz ähnlich sieht es in der Lehre aus. Nach wie vor entscheidet sich fast die Hälfte aller Mädchen, die eine Lehre beginnen, für Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin. Statt einer verpflichtenden Frauen-Quote sind daher eine bessere Qualifizierung von Frauen und eine geschlechtersensible Berufsorientierung wichtig. Frauen, und natürlich auch Männer, sollen sich bei der Ausbildungs- und Berufswahl frei entscheiden können. Aber wir müssen vor allem jungen Mädchen aufzeigen, welche Möglichkeiten es abseits der typischen Frauenberufe gibt.“
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