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Ausgabe Nr. 40/2018 vom 02.10.2018, Foto: picturedesk
Ansprechende Optik, beeindruckende Technik, guter Klang
Neue Hörgeräte sind unsichtbar
Klein, federleicht und schnittiges Design. Die neuen Hörgeräte haben sich optisch gemausert. Dank modernster digitaler Technologien überraschen sie mit vielen Funktionen, die das Hören erleichtern. Ein Hörgerät hilft aber nicht nur bei Hörschwäche, sondern auch bei Tinnitus.
Jeder Fünfte in unserem Land ist betroffen, doch nur die wenigsten wollen davon wissen oder lassen sich helfen.

Die Schwerhörigkeit ist ein Leiden, das meist durch das Alter, eine Erkrankung oder eine angeborene Schwäche verursacht ist. Vor allem Menschen jenseits von 60 Jahren hören schlecht. Schätzungen zufolge ist es jeder Zweite in dieser Altersgruppe, der bereits von einer Unterstützung durch ein Hörgerät profitieren würde, nicht nur wegen des besseren Hörens. „Mit dem Fortschreiten der Schwerhörigkeit ziehen sich Betroffene immer mehr zurück. Es kommt zur Isolation und Einsamkeit, das Risiko für Demenz und Depression steigt. Und je länger Betroffene damit warten, eine leichte oder mittelgradige Schwerhörigkeit behandeln zu lassen, desto schwerer wird es, ein gutes Hören wieder zu ermöglichen“, warnt Dr. Johannes Schobel, HNO-Arzt aus St. Pölten (NÖ).

Doch eine Hörschwäche wird von vielen und vor allem älteren Betroffenen nach wie vor als Stigma empfunden. Die Scheu vor einem Hörgerät ist groß, daher arbeiten die Hersteller von Hörgeräten daran, die Hemmschwelle abzubauen. Ihnen und letztendlich den Betroffenen kommt dabei die rasante Entwicklung in der digitalen Technik entgegen. Die extrem schlanke, verkleinerte Form der Geräte und die vielen Funktionen katapultieren die neuesten Hörgeräte in die Riege hochwertiger Mobiltelefone, Tablets (tragbare, flache Computer) oder Fernseher. „Bei diesen Hörgeräten handelt es sich um hochleistungsfähige Computer, die zum Beispiel kabellos, über Bluetooth, mit dem Mobiltelefon oder dem Fernseher verbunden werden können. Ein eingehender Anruf auf dem Mobiltelefon wird direkt auf das Hörgerät durchgeschalten. Gleiches ist mit einem Fernseher (und Zusatzgerät) möglich. Der Ton des Programmes kann direkt, ohne Zusatzgerät, auf das Hörgerät übertragen werden, wie auch Musik vom Telefon oder MP3-Player. Über eine App, das ist ein Zusatzprogramm auf dem Mobiltelefon, lassen sich die neuesten Hörgeräte feinjustieren, zum Beispiel exakt auf die Hörsituation einstellen. Soll das Mikrophon nach vorne fokussieren, weil ich einem Vortrag lausche, oder nach hinten, weil ich meine Kinder während der Autofahrt gut hören möchte, oder zur Seite, weil ich meinen Banknachbarn beim Heurigen gut verstehen will? Neueste Mobiltelefone können auch über GPS geortet werden, etwa wenn es verlegt oder verloren wurde“, erläutert der HNO-Arzt.

Eine höhere Rechenleistung und eine steigende Anzahl an Frequenzkanälen (24 und mehr) der in die Hörgeräte eingebauten Computer ermöglichen eine exakte Einstellung auf den individuellen Hörverlust und damit ein natürliches Hören der Klänge, Stimmen oder Geräusche. Einfach und unkompliziert ist auch das Aufladen der neuesten Hörgerätegeneration. „Sie haben bereits wieder aufladbare Lithium-Ionen-Akkus anstatt der händisch auszutauschenden Knopfbatterien. Die Hörgeräte werden in eine kleine mobile Ladestation geleg und über Nacht aufgeladen. Bei manchen Geräten sind mehrere Ladezyklen möglich, ohne Stromanschluss“, sagt Dr. Schobel.

Natürlich haben der enorme Fortschritt in der Technik und das hochmoderne Design ihren Preis. „Geräte, die neu auf dem Markt sind, kosten als Paar noch zwischen 6.000 und 8.000 Euro. Das ist für viele Menschen heute nicht leistbar, aber in ein paar Jahren wird diese Spitzen-Technologie der Standard in der Mittelklasse sein, die um den halben Preis zu haben ist.“ Der Staat unterstützt den Hörgerätekauf je nach Antragsteller und Hörstörung mit unterschiedlichen Zuzahlungen. „Pensionisten bekommen für ein Hörgeräte-Paar 1.425 Euro erstattet. Wer noch im Berufsleben steht, kann bis zu 3.780 Euro bekommen. Leider ist diese Aufteilung nicht mehr zeitgemäß“, meint Dr. Schobel. „Eine einheitliche Zuzahlung für alle Antragsteller wäre wünschenswert, denn eine bestmögliche Versorgung mit Hörgeräten hat jeder Mensch verdient.“
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