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Ausgabe Nr. 37/2018 vom 11.09.2018, Foto: Judith Maria Trölß
Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, 39, macht sich Sorgen:
„Jeder Bauer, der aufgibt, ist
eine Katastrophe für uns“
Sie ist für die Landwirtschaft zuständig, ebenso für den Tourismus und die Energie. Ministerin Köstinger, sie gönnte sich knapp zwei Monate Babypause, möchte flexiblere Köche und Kellner sowie ölfreie Heizungen in den Haushalten. Um das Klima zu schonen. Daneben appelliert die 39jährige an die Konsumenten, heimische Produkte zu kaufen, um die bäuerlichen Betriebe erhalten zu können.
Die Arbeit ruft, da bleibt kaum Zeit für eine Babypause. Anfang Juli brachte Ministerin Elisabeth Köstinger Söhnchen Lorenz Johannes zur Welt, knapp zwei Monate später ist sie wieder in ihrem Büro.

Denn drei wichtige Termine stehen in den nächsten Wochen auf dem Programm. Und da unser Land derzeit den Rats-Vorsitz in der EU innehat, ist die 39jährige Ressortchefin für Nachhaltigkeit und Tourismus die Gastgeberin. Zunächst am 17. und 18. September beim Ministertreffen für Energie in Linz, am 24. und 25. September kommen die Landwirtschaftsminister im Schloss Hof in Niederösterreich zusammen und am 29. und 30. Oktober findet der Umwelt- und Verkehrsgipfel in Graz statt. Wir haben sie am Wiener Stubenring besucht und wollten wissen, was von den Treffen zu erwarten ist und welche Hilfen es nach der Dürre für Bauern gibt.

Frau Minister Köstinger, Sie haben ein lebendes Büro?
(lacht) Nun ja, ganz so ist es nicht, aber ich habe hinter meinem Schreibtisch an der Wand einen kleinen Moosteppich. Und der lebt tatsächlich, nährt sich von der Luftfeuchtigkeit des Raumes.

Darunter stehen ein paar Stofftiere …
Das sind allesamt liebe Geschenke. Zum Beispiel die Europäische Sumpfschildkröte (Bild links), die im Nationalpark Donau-Auen vorkommt. Ich bin ja in meinem Ressort auch für die Nationalparks zuständig.

Unsere schöne Natur ist unser Kapital, aber sie leidet unter dem Klimawandel. Lässt sich da bei den bevorstehenden Ministertreffen etwas bewirken?
Beschlossen wird nichts, das sind informelle Treffen. Aber sie dienen dazu, Bewusstsein zu bilden und das möchte ich erreichen. Denn wir müssen unser Energiesystem nachhaltig umbauen.

Wie soll das gehen?
Wir müssen weg von fossilen Energieträgern, Stichwort Öl, und hin zu erneuerbaren Energieträgern. Nicht nur wir hier in unserem Land, das wird nicht reichen, sondern alle Länder in der Europäischen Union. Und das ist eben mein großes Ziel, hier Überzeugungsarbeit zu leisten, damit stärker in erneuerbare Energien investiert wird.

Was wird hierzulande gemacht?
Wir haben eine Förderaktion bis Februar 2019 laufen. Dafür stehen 43 Millionen Euro zur Verfügung. Hier haben Privathaushalte die Möglichkeit, bis zu 5.000 Euro an Förderung zu beantragen, um ihre Ölheizung umzurüsten. Bis zum Jahr 2030 soll kein Haushalt mehr mit Öl heizen. Derzeit sind es noch rund 700.000.

Hilfe brauchen nach dem Sommer der Dürre unsere Bauern. Was halten Sie für die Landwirte parat?
Gemeinsam mit der Regierungsspitze habe ich in einem Kraftakt ein 60 Millionen Euro schweres Paket geschnürt. Davon fließen 20 Millionen Euro als Direktzahlungen an betroffene Betriebe, vor allem für Tierhalter. 20 Mio. Euro fließen in Programme zur Wiederaufforstung der Wälder und weitere 20 Mio. Euro investieren wir in Maßnahmen, um die Bauern dabei zu unterstützen, sich besser und intensiver gegen Elementarschäden zu versichern. Wir machen die Prämie günstiger, indem wir deren Steuersatz von elf Prozent auf 0,02 Prozent gesenkt haben. Aber das alleine reicht nicht. Die Menschen in unserem Land sollten vermehrt heimische Produkte kaufen.

Allerdings drücken billige Importe den Preis bei Obst und Fleisch …
Ich glaube, die Kunden unterschätzen, wie viel Macht sie haben. Ich will, dass in unserem Land die Vielfalt erhalten bleibt, deshalb sollte auf die Herkunft der Produkte geachtet werden. Denn jeder Bauer, der seine landwirtschaftliche Produktion einstellt und den Betrieb zusperrt, ist eine Katastrophe.

Auch Wirte kämpfen ums Überleben, weil sie kaum Personal finden …
Weil Arbeitssuchende zum Teil nicht dorthin gehen, wo es Arbeit gibt. An der Bezahlung kann es nicht liegen, denn speziell Köche verdienen gut.
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