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Ausgabe Nr. 36/2018 vom 04.09.2018, Fotos: NEOS Wien, kromus
Christoph Wiederkehr, Ulli Sima
Ist das Essverbot in der U-Bahn übertrieben?
Seit 1. September gilt in der Wiener U6 das generelle Essverbot, ab 15. Jänner wird es in allen U-Bahn-Linien eingeführt. Eine spätere Ausweitung auf Straßenbahnen und Busse ist nicht ausgeschlossen. Strafen für „Ess-Sünder“ sind vorerst nicht vorgesehen. Der Alkoholkonsum ist in den öffentlichen Verkehrsmitteln („Öffis“) der Wiener Linien schon jetzt verboten. In den Zügen der ÖBB und der Westbahn gelten keine so strengen Regeln. Dort ist Essen und Trinken erlaubt, auch im Nahverkehr.
JA: Christoph Wiederkehr,
designierter Klubchef NEOS Wien:

„Mit dem absoluten Essverbot in den Wiener U-Bahnen greift Stadträtin Ulli Sima die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt erneut an und schränkt sie massiv ein. Dass es grundsätzliche Richtlinien im Miteinander braucht, ist für uns ganz klar. Hier aber ein generelles Verbot zu erlassen, geht definitiv einen Schritt zu weit. Dieses Verbot ist in vielerlei Hinsicht auch einfach nicht zu Ende gedacht. Es entspricht überhaupt nicht den heutigen Lebensrealitäten vieler Berufstätiger, die zwischen zwei
Terminen noch schnell in den Öffis ihre Jause essen möchten, und es nimmt auch keinerlei Rücksicht auf Kinder und ihre Bedürfnisse. Ob und wie das Verbot sanktioniert werden soll, ist bislang auch noch nicht geklärt. Sollen die Öffi-Benutzer künftig bestraft werden, wenn sie einen Apfel oder Müsliriegel essen? Was diese unerträgliche Verbotspolitik bringen soll, außer an der Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger zu zweifeln, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wie weit wird Ulli Sima mit ihren Verboten noch gehen? Vielleicht erwartet uns künftig auch noch das Handyverbot in den Öffis?“

NEIN: Ulli Sima,
Wiener Öffi-Stadträtin (SPÖ):

„Mit Nudeln beschmutzte Sitze, Ketchup-Majo-Gemisch am Boden und der Geruch von Thunfischpizza in der Nase: Wer findet so die Fahrt von A nach B attraktiv? In vielen Städten der Welt gibt es längst ein Essverbot in den Öffis, denn überall dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen, ist Rücksichtnahme unerlässlich. In den vergangenen Jahren ist die ,Schamgrenze‘ bei manchen Fahrgästen leider zurückgegangen. Noch vor 15 Jahren wäre es den Wenigsten in den Sinn gekommen, ihren Burger im vollbesetzten U-Bahn-Wagen zu verspeisen und dabei die Hälfte des Inhaltes am Boden zu verteilen. Die Wiener Linien bieten ein Top-Angebot um einen Euro am Tag durchs ganze Netz und versuchen mit vielen Maßnahmen, die Öffis noch attraktiver zu machen. Im Durchschnitt dauert eine U-Bahn-Fahrt in Wien zehn Minuten. So lange scheint es zumutbar, seine Speisen verpackt zu lassen und dann im Freien zu genießen. Und keine Sorge: Niemand nimmt einem Kleinkind seine Biskotte oder seinen Apfel weg. Die Kolleginnen und Kollegen der Wiener Linien gehen mit Augenmaß vor und werden auch weiterhin dafür sorgen, dass Wiens Öffis für alle attraktiv bleiben.“
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