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Ausgabe Nr. 36/2018 vom 04.09.2018, Fotos: dpa, Ludwig Schedl
Es gibt viele Ursachen, warum im Bauch „Winde“ entstehen
Termin: „Verdauung endlich im Lot“
Themenabend mit
Dr. Friedrich A. Weiser (Bild), Dr. Martin Riegler und Prof. Dr. Werner Dolak, 19.9., 18 Uhr, 1090 Wien, Mariannengasse 10 (Poliklinik Vienna), Seminarbereich Tiefparterre, Freier Eintritt. Anmeldung erforderlich unter Tel.: 01/336 65 65.
Voll aufgebläääht
Jeder hat sie, jeder kennt sie und allen sind sie äußerst peinlich. Die Rede ist von Blähungen, über die sich nur die wenigsten zu sprechen trauen. Treten sie häufig auf oder schmerzen sie, könnte eine Krankheit dahinterstecken.
Musikstücke, Donnerschläge und die Geräuschkulisse eines ganzen Erdbebens konnte einst der Kunstfurzer Joseph Pujol mit seinen (künstlich erzeugten) Blähungen simulieren. Der Franzose kannte keinen Genierer. Im Gegenteil, Ende des 19. Jahrhunderts trat er damit im berühmten Moulin Rouge in Paris auf und bestritt damit seinen Lebensunterhalt. Eine einzigartige Karriere, denn „Darmwinde“ sind den meisten bis heute peinlich und werden totgeschwiegen. Tatsächlich sind Flatulenzen eine Reaktion des Körpers auf Verdauungsprobleme. Ob sie harmlos sind, auf eine Störung oder Krankheit hinweisen, erklärt Dr. Friedrich Weiser, Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie in Wien.

Harmlos und kein Grund zur Sorge
Blähungen, die keine ernste Ursache haben

Bis zu zwanzig Blähungen am Tag können für unseren Körper natürlich sein. Die „Darmwinde“ werden durch zu viel Luft, die wir beim Sprechen oder zu schnellem Essen „verschlucken“, oder durch Lebensmittel, die für den Menschen schwer zu verdauen sind, ausgelöst. „Meist sind dies Zuckerersatzstoffe wie Sorbit oder Xylit oder Bohnen, Linsen oder Erbsen, die blähend wirken. Viele Nahrungsmittel enthalten komplexe Kohlenhydrate, die im Dünndarm nicht aufgespalten werden und als Zucker in den Dickdarm gelangen, der von Bakterien zersetzt wird. Sie bilden jene Gase, die als Darmwinde entweichen. Gleiches kann durch Knäckebrot, Dörrobst, Zwiebeln, Staudensellerie und Sauerkraut ausgelöst werden, auch Topinambur kann die Gasproduktion im Darm erhöhen“, klärt Dr. Weiser auf. „Das Gas enthält Stickstoff, Wasserstoff, Kohlendioxid, Methan und Schwefelwasserstoffe. Für den üblen Geruch sind letztere verantwortlich. Je mehr davon enthalten ist, umso übler riecht der Darmwind.“ Können die Darmgase nicht entweichen, auch weil sie absichtlich zurückgehalten werden, kommt es zu Bauchkrämpfen.
Einfache Hausmittel, um die Blähungen zu lindern:
• Wärmeflasche auflegen, Bauch sanft mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn massieren.
• Kümmeltee entbläht: 1 bis 2 Gramm Kümmel, zerstampfen, mit heißem Wasser aufgießen, 10 Min. ziehen lassen.

Schmerzhaft und ein Signal des Körpers
Blähungen, weil der Darm nicht richtig funktioniert

Recht häufig und schmerzhaft, aber ungefährlich sind Unverträglichkeiten auf bestimmte Stoffe in Lebensmitteln. „Bei der Milch- oder Fruchtzuckerunverträglichkeit, von der jeder Fünfte betroffen ist, fehlt dem Dünndarm das Enzym Lactase oder Fructase, das den Zucker aufspaltet und verdaulich macht. Bei einem Mangel des Enzyms gelangt der Zucker unverdaut in den Dickdarm, wo er von Bakterien verarbeitet wird. Die Gase der Bakterien, die dabei entstehen, verursachen Blähungen und Bauchschmerzen.“ Ähnliches durchleiden Menschen mit einem Mangel an histaminabbauenden Enzymen. Histamin ist ein natürlicher Stoff in Menschen, Tieren und Pflanzen. Wer zuviel mit der Nahrung aufnimmt und Histamin nicht abbauen kann, leidet an heftigen Reaktionen. „Stark gereifte Lebensmittel wie geräucherte Wurstwaren, Bier, Wein und Käse enthalten viel Histamin. Betroffene bekommen nach dem Verzehr Blähungen, weichen Stuhl oder Durchfall.“
Ärzte-Rat: Eine Frucht- oder Milchzuckerunverträglichkeit lässt sich mit einem Atemtest beim Facharzt nachweisen. Betroffenen hilft, Frucht- oder Milchzucker zu meiden oder Enzyme aus der Apotheke für die Verdauung zu nehmen. Milchzucker kann auch in Tabletten enthalten sein. Eine Histaminunverträglichkeit wird mittels Bluttest nachgewiesen. Der Verzicht auf stark histaminhaltige Lebensmittel sowie Medikamente helfen Betroffenen.

Blähungen als Symptom schwerer Erkrankungen
In den meisten Fällen sind Blähungen harmlose „Grüße“
unseres Darmes. Treten Sie jedoch in Kombination mit
weiteren Symptomen auf, kann dies auf eine ernsthafte
Erkrankung hinweisen. „Bei einem plötzlichen Anstieg
der Blähungen, verbunden mit Blut im Stuhl oder einem
ungewollten, ungeplanten Gewichtsverlust, einem verminderten Appetit oder Völlegefühl kann eine schwere Erkrankung vorliegen, zum Beispiel die Zöliakie, eine Autoimmunkrankheit, welche die Dünndarmzotten zerstört und die Verdauung schwer beeinträchtigt. Blähungen mit derartigen Begleitsymptomen können auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Darmtumore oder Ausstülpungen in der Darmwand als Ursache haben. Blähungen mit gleichzeitig entweichendem Stuhl deutet hingegen auf eine beginnende Inkontinenz hin“, verrät der Darm-Experte. Für Frauen wichtig, vermehrte Blähungen können ein Symptom des (fortgeschrittenen) Eierstockkrebses sein.
Ärzte-Rat: Treten Blähungen zeitgleich mit den genannten Symptomen auf oder mit einer plötzlich veränderten Stuhlgangfrequenz, sollte so rasch wie möglich ein Spezialist aufgesucht werden.
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