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Ausgabe Nr. 35/2018 vom 28.08.2018, Foto: action press
Christiane Sadlo wurde am 25. Jänner 1954 in Ravensburg (D) geboren. Nach dem Studium (Anglistik, Germanistik, Jus) arbeitete sie als Dramaturgin und Journalistin. Seit 1991 verfasst sie Drehbücher etwa für Serien wie „Der Bergdoktor“, „Forsthaus Falkenau“ oder „Familie Dr. Kleist“. Im Jahr 2003 erfand sie „Inga Lindström“, dafür stand Inga aus Astrid Lindgrens Buch „Die Kinder aus Bullerbü“ Pate, als Nachnamen wählte sie den in Schweden gängigen Namen Lindström. Sadlo ist seit 1982 mit dem Bildhauer Karl Halt Trossbach verheiratet, hat eine Tochter und wohnt in Berlin.
Liebesfilme sind Erholung für die Seele“
Für ihre schwedischen Filmromanzen ist Inga Lindström berühmt. Wenige wissen, dass es sich dabei um ein Pseudonym handelt, denn im richtigen Leben heißt die Erfolgsautorin Christiane Sadlo. Im Interview verrät die 64jährige, woran sie gerade arbeitet und warum es sie öfter nach Italien als nach Schweden verschlägt.
Frau Sadlo, aufgrund Ihres Pseudonyms liegt der Verdacht nahe, Sie seien Schwedin und schreiben in einem Küsten-Dorf-Idyll Ihre Filmvorlagen.
Aber so ist es nicht …
Nein, so ist es nicht! (lacht) Ich arbeite die meiste Zeit von meiner Berliner (D) Wohnung aus.

Aber irgendeinen Bezug zu Schweden gibt es, oder?
Natürlich. Ich bin gerne in Schweden, ich habe Freunde dort und mache Urlaub in dem Land. Schweden hat eine unglaublich schöne Landschaft. Die Weite, der endlose Himmel, die Schären, das alles inspiriert mich. Im Jahr 2003, nach einem Urlaub in Schweden, erzählte ich einem ZDF-Redakteur, dass ich darüber nachdenke, schwedische Liebesromane zu schreiben. Diese Idee fand er gut und er überzeugte mich, statt an Romanen gleich an Drehbüchern zu arbeiten. Das war der Beginn der Inga-Lindström-Reihe.

Die Eindrücke stammen also aus Schweden, verarbeitet wird alles in Berlin.
Ja, größtenteils. Mitunter schreibe ich auch, wenn ich in Schweden bin – dann mit Blick aufs Meer – sowie in einem Ferienhaus in der Region Marken, in Italien. Dort blicke ich allerdings nicht aufs Meer, sondern auf schöne Berge. Das Nette am Schreiben ist, dass ich mit dem Laptop überall arbeiten kann. Die Erinnerungen sind in meinem Kopf.

Aber wieso steht das Ferienhaus denn in Italien und nicht in Schweden?
Nun ja, der Grund, warum es mich in Schweden meist nicht so lange hält, ist das Essen. Die Schweden essen ja viel Fisch und Meeresfrüchte, aber ich habe dummerweise eine Fischallergie. Deswegen bekommt mir die Küche in Italien besser (lacht).

Mehrmals im Jahr lockt ein Inga-Lindström- Film allein bei uns 400.000 bis 500.000 Zuschauer vor die Bildschirme. Was fasziniert die Menschen so an Liebesgeschichten?
Sehen wir uns doch an, was in der Welt los ist. Schalten wir die Nachrichten ein, schlagen wir die Zeitungen auf. Es ist kein Wunder, dass sich die Menschen auch einmal eineinhalb Stunden am Sonntagabend in eine sogenannte „heile Welt“ flüchten. Liebesfilme sind Erholung für die Seele.

Wie romantisch muss jemand sein, um Drehbücher für Liebesfilme zu verfassen?
Einerseits bin ich äußerst pragmatisch, habe aber auch einen Hang zur Romantik. Ich bin ein Stadtmensch, fahre aber aufs Land, um mir den Sternenhimmel anzuschauen. Ich habe auch Tausende Fotos von Sonnenuntergängen. Natürlich benötige ich für meine Arbeit eine Ader für Romantik und Kitsch, sonst wäre es wenig authentisch. Aber ich tanze nicht auf rosa Wolken.

Gibt es auch Autobiografisches in Ihren Filmen? Dinge, die Sie selbst erlebt haben?
Ich denke, wer über Gefühle schreibt, muss seine eigene Gefühlswelt auch einbringen. Aber Konkretes kann ich dazu nicht berichten: Ich habe weder einen Tischler noch einen Bootsbauer geheiratet (lacht).

Sie sind seit 36 Jahren mit Ihrem Mann verheiratet. Ist es die große Liebe?
Es ist eine große Liebe und ist auch die ganz klare Entscheidung für diese Liebe. Denn es ist viel Arbeit, weil es natürlich nicht 36 rosarote Jahre waren und nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen. Eine glückliche Ehe ist auch ein sich Erkämpfen dieser Gemeinsamkeit und ein Tolerieren und Loslassen.

Was macht Inga Lindström so besonders und was grenzt Ihre Romanzen von jenen Rosamunde Pilchers ab, für die Sie auch schon Drehbücher verfasst haben?
Mein Gott, besonders … Ich weiß nicht. Bei Rosamunde Pilcher fließt dieses typische englische Gehabe der Protagonisten mit ein. Zumindest das, was Nicht-Engländer wohl als typisch englisch ansehen, höfliche Zurückhaltung, ein bisschen vornehm sein, auch ein bisschen zickig. Meine schwedischen Frauen sind ein bisschen moderner und geerdeter als jene der Pilcher-Filme. Sie haben alle einen Beruf. Sie sind glücklich, wenn sie die große Liebe finden, aber sie würden nicht ihr Leben für einen Mann aufgeben.

Das heißt, eine Hausfrau kann bei Inga Lindström nicht die Heldin sein?
Doch natürlich. Bei Hausfrauen gibt es nichts abzuwerten. Wenn sich eine Frau von sich aus entscheidet, Haus und Garten in Schuss halten zu wollen und sich voll den heranwachsenden Kindern widmen möchte, ist das doch in Ordnung. Ich möchte nur kein Bild zeichnen, in dem eine Frau Hausfrau wird, weil ihr Mann findet, er verdient sowieso genug oder weil sich das so gehört. Den typischen Mann-Frau-Konventionen folgen, das dürfen meine Heldinnen nicht.

Jetzt kommt der 75. Inga-Lindström-Film ins Fernsehen. Sind Sie nach 15 Jahren immer noch mit voller Begeisterung dabei?
Wenn es mir keine Freude mehr machen würde, hätte ich schon aufgehört. Ich bin mit Herzblut Autorin. Mein Leben besteht darin, Geschichten zu erzählen. Und übers Lebensglück zu schreiben, mache ich noch immer gern. Zudem gibt es auch andere Projekte.

Woran arbeiten Sie derzeit?
Ich bin dabei, eine Fernseh-Reihe zu entwickeln, aber darüber darf ich noch nichts verraten, es ist alles noch zu frisch. Ansonsten arbeite ich parallel an ein paar Romanen. Einer ist ein Krimi.

Ein Krimi? Können Sie uns mehr erzählen?
Das ist ein klassischer Polizistenkriminalroman mit einer Frau im Mittelpunkt. Mit einer Kommissarin, die aus ihrem Leben fällt und sich neu erfinden muss.

Aber „Inga Lindström“ geht auch weiter?
Wenn es nach mir geht schon. Aber letztendlich entscheidet das Publikum. Wenn weiter fleissig geguckt wird, wird das ZDF sicher gerne weiter produzieren.
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