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Ausgabe Nr. 34/2018 vom 21.08.2018, Fotos: Angélica Morales
Schloss Mitterhart
Innhöfe 3, 6134 Vomp/Tirol
Tel.: 05242/63285,
www. schloss-mitterhart.at
Öffnungszeiten: Di–Sa, 9–23 Uhr, So 9–16 Uhr, Mo Ruhetag
Der Chef Andreas Mair mit seiner Mutter.
Ein Kinderschnitzel im Geisterschloss
Seit sechs Generationen ist Schloss Mitterhart in Vomp (T) im Besitz der Familie Mair. Bei Küchenchef Andreas Mair, 44, kommen aber nicht nur blaublütige Gäste auf ihre Kosten. Auch Familien mit Kindern finden auf der Speisekarte Wohlschmeckendes zu moderaten Preisen.
Blaues Blut fließt aber keines in meinen Adern“, lacht Andreas Mair, als er durch sein Wirtshaus führt. Was verwundert, denn der Gasthof befindet sich in Räumlichkeiten, die normalerweise Adeligen vorbehalten sind. In Schloss Mitterhart in Vomp (T) verwöhnt der 44jährige in der Atmosphäre eines herrschaftlichen Palais seine großen und kleinen Gäste mit regionalen und saisonalen Köstlichkeiten.

„Jedes Mädchen fühlt sich als Prinzessin bei uns. Jeder Bub als Prinz“, sagt der Schlossherr. Ein Gefühl, das schon beim Eingangsbereich entsteht, wenn die schwere Tür aus Lärchenholz geöffnet wird. Sie führt durch den Eingangsbereich weiter durch eine Rundbogentür in den Bar-, Rezeptions- und Restaurantbereich. „Beim Eingang rechts ist die Gwercher-Stube“, zeigt der Wirt. „Sie fasst bis zu 40 Personen. Sie wurde im Jahr 1977 von meinen Großeltern neu gebaut. Wenn wir Richtung Süden schauen, kommen wir links in die Schlossstube. Das ist ein Raum im Restaurant. Sie ist ebenfalls für 40 Personen ausgelegt. Dort finden Familienfeiern, Veranstaltungen und kleinere Hochzeiten statt“, sagt Mair, während er die Führung in den Schlossgarten fortsetzt. Der bietet nicht nur Platz für 70 Personen, sondern auch einen herrlichen Blick auf den Inn und den gepflegten Rosengarten. Eine westlich gelegene, überdachte Terrasse bietet Platz für weitere 100 Personen.

Was alt und was neu ist, lässt sich für Außenstehende nur schwer sagen, denn alles wurde mit Rücksicht auf die alte Bausubstanz, die aus dem 16. Jahrhundert stammt, geschmackvoll integriert. „Wir haben über die Jahre so gearbeitet, dass wir 2015 das Dach, den Dachstuhl und die Fassade komplett erneuert haben. Ein Jahr später haben wir unsere elf Gästezimmer saniert und renoviert“, sagt der Schlossherr, dessen Ur-Ur-Ur-UrGroßvater Josef Mayr, ein Händler und Fuhrmann, im Jahr 1873 das Schloss erwarb.

Der Wechsel vom „y“ zum „i“ im Namen ist nicht auf historische Ungenauigkeit zurückzuführen, sondern erfolgte erst vor einer Generation. „Weil ich den Johann Mair geheiratet hab‘“, lacht die Seniorchefin Theresia. „Das war praktisch. Die Aussprache ist gleich geblieben.“ Obwohl die 65jährige ihrem Sohn schon vor 18 Jahren den Betrieb übergeben hat, bringt sie sich noch in das Haus ein. „Mein Aufgabe ist, gemeinsam mit meinem Mann in der Früh das Haus aufzusperren. Dann betreuen wir das Frühstück. Im weiteren Tagesablauf übernehmen wir alles, was das Haus braucht. Ob Küche oder Service, da sprechen wir uns immer ab.“

Etwa, die Kräuter im hauseigenen Kräutergarten zu ernten, die Andreas Mair an seinem Arbeitsplatz verwendet. Der 1,93 Meter große Küchenchef hat nach seiner Ausbildung an der Tourismusschule Villa Blanka unter anderem am Zürichsee (Schweiz) in einem Hauben-Restaurant in der Küche gearbeitet. In seiner eigenen Schloss-Küche achtet Mair vor allem darauf, möglichst Produkte regionaler Produzenten zu verwenden. „Den Salat bekommen wir von einer Bäuerin aus dem Ort. Die Eier und das Kalbfleisch bringt uns ein Bauer aus der Umgebung. Fisch kommt von einem Züchter aus dem nahen Brandenberg und die Erdäpfel liefert mein Onkel“, zählt der 44jährige auf.

Dass es trotz Schloss-Ambiente möglich ist, Essen zu moderaten Preisen auf den Teller zu bringen, beweist die Speisekarte. Eine klare Rinderbouillon mit Grießnockerl oder Milzschnitten gibt es um € 4,70, ein Butterschnitzerl mit Salatteller und Naturreis kostet € 16,40, der Bauernsalatteller (gemischter Salat mit geröstetem Speck, Champignons und Erdäpfelscheiben) schlägt mit € 9,20 zu Buche. „Da viele Familien zu uns kommen, legen wir auch großen Wert auf unsere kleinen Gäste“, sagt der Wirt. Was sich auch in der Speisenauswahl zeigt. Ob es ein Kinderwienerschnitzel mit Pommes frites um € 7,50, Fischstäbchen mit Salzerdäpfeln um € 7,30, Eierspätzle oder Erdäpfel mit Sauce um € 5,80 sein dürfen – dem Nachwuchs wird reichlich Auswahl geboten. Der aber nicht nur wegen des Essens ins Schloss Mitterhart will. „Sie glauben, es gibt hier einen Schlossgeist. Den haben wir zwar nicht, aber es knarrt der Boden, es knistert und knattert das Gebälk, die Türen quietschen. Die Kinder vermuten deshalb, dass Geister am Werk sind“, zwinkert der Schlossherr.
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