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Ausgabe Nr. 32/2018 vom 07.08.2018, Fotos: Shutterstock, Allstar Picture Library
Der „ABBA“-Komponist Benny Andersson, 71, hat eine heimliche Leidenschaft.
Das berühmte Quartett von „ABBA“ kommt als Hologramm noch einmal auf die Bühne.
„Ich züchte Rennpferde und setze auf sie“
Das Comeback vom berühmtesten Musikexport Schwedens ist im vollen Gange. Der zweite Teil des Musical-Films „Mamma Mia!“ mit den berühmten Liedern der Gruppe „ABBA“ läuft derzeit im Kino – bald soll es zwei neue Lieder von „ABBA“ und eine Tour mit Hologrammen statt den echten Musikern geben. Womit sich der „ABBA“-Komponist und Pianist Benny Andersson, 71, darüber hinaus noch die Zeit vertreibt, erfuhren wir durch Zufall. Denn eigentlich wollte unsere WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers ein Gespräch über Musik mit Andersson führen, aber dann kamen rasende Vierbeiner dazwischen, die eine unbekannte Seite von Andersson offenbarten …
Andersson: Meinen Sie, wir könnten noch drei Minuten warten? Eines meiner Pferde, „Sagarit“, läuft ein Rennen beim dänischen St. Leger. Das ist das streckenmäßig längste Derby für Dreijährige. Es startet in ein paar Minuten. Ich würde das gerne Live auf meinem Computer verfolgen.

Gerne. Dass Sie im Pferde-Rennsport aktiv sind, haben Sie bisher nicht an die große Glocke gehängt, oder?
Nein. Aber das ist mehr als ein Hobby für mich. Ich züchte schon seit 25 Jahren Rennpferde und sehe mir regelmäßig die Rennen an. Ich bin allerdings nur ein kleiner Züchter und überstrapaziere das Ganze nicht. Menschen in Schweden, die an Pferderennen interessiert sind, wissen es, aber nicht die Allgemeinheit. Es ist ohnedies ein
Nischensport in meiner Heimat.

Umso erstaunlicher, dass Sie darauf gekommen sind. Hat es mit den Frauen in Ihrem Leben zu tun?
Eigentlich hat es mit dem früheren Ehemann meiner Frau Mona zu tun. Er hat nach ihr eine Rennpferd-Trainerin geheiratet. Mona hat mit ihm ein Kind – wobei, Johan ist kein Kind mehr, er wird dieses Jahr 50. Aber als ich Mona, meine zweite Frau, kennenlernte und sie das erste Mal besuchte, lebte sie im Süden von Schweden nahe Malmö. Es war schön dort. Und ich dachte, wenn ich mir selbst ein Rennpferd zulege, dann haben Johan und ich eine Gemeinsamkeit, über die wir reden können. Dann wäre es als neuer Mann an der Seite seiner Mutter nicht ganz so unangenehm, auf ihn zu treffen, weil wir immer etwas hätten, über das wir uns austauschen könnten. So fing es also an.

Und Sie haben sich immer mehr darauf eingelassen?
Absolut. Das erste Pferd im Jahr 1982 hieß „Secret Amy“ und war richtig gut. Ich habe seitdem mehr als hundert Pferde besessen. Momentan sind es 18 Pferde, dazu noch einige Fohlen. Mein Stall heißt übrigens „Chess Racing“.

Wie das Musical, für das Sie und Ihr „ABBA“-Kollege Björn Ulvaeus Anfang der Achtziger die Musik geschrieben haben.
Genau. Unser Rennstall-Logo ist passend dazu in Schachbrett-Optik gehalten.

Reiten Sie selbst auch?
Nein, ich nahm einige Jahre Reitunterricht, um zu wissen, wie ich mit einem Pferd umgehen muss. Ich war gar nicht schlecht in der Dressur, aber ich habe damit aufgehört. Ich will nicht runterfallen. Ich habe Angst, mir die Knochen zu brechen.

Ist Ihre ganze Familie in Ihre Pferdezucht involviert?
Eigentlich nicht. Es klingt etwas kompliziert, aber meine jetzige Pferdetrainerin Jessica ist die Tochter der Frau, die der Ex-Mann meiner Frau geheiratet hat. Das vorige Jahr war nicht gut für Jessica. Und ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob dieses Pferd eine Chance hat, zu gewinnen. Aber ich hoffe es natürlich. Das ist sowieso das Schönste am Pferdesport – die Hoffnung.

Setzen Sie auf Ihre Pferde?
Ja, immer und nur auf die eigenen, damit sie wenigstens einen Freund hinter sich haben. Ich habe 100 Euro auf den Gewinn von „Sagarit“ gesetzt. Wenn sie gewinnt, bekomme ich vielleicht das Drei- oder Vierfache des Geldes heraus. (Sieht gespannt auf den Bildschirm) Sehen Sie, wie verschwitzt sie ist? Das ist kein gutes Zeichen. Aber sie hat Ausdauer. Ab in die Box mit dir.

Das Rennen beginnt. Drei Minuten später steht fest: „Sagarit“ landete auf dem fünften Platz. Das ist besser als Platz zwölf. Aber die 100 Euro sind futsch, oder?
Ja, aber ich kriege auch für den fünften Platz etwas. Die Plätze eins bis fünf bekommen etwas ausbezahlt.

Müssen Sie mit dem Pferde-Rennsport im „ABBA“-Jahr kürzer treten?
Nein. Die anstehende „ABBA“-Tour wird zwar riesig, aber sie wird nur die digitalen Versionen von uns Vieren beinhalten. Die Technik erlaubt es uns, auf der Bühne zu stehen, ohne wirklich da zu sein. Da kommen die Pferde nicht zu kurz. Und mit dem Hund gehe ich auch noch Gassi.
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