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Ausgabe Nr. 32/2018 vom 07.08.2018, Foto: Fotolia
Im Hochsommer können Medikamente gefährliche Nebenwirkungen haben.
Bei Hitze kann sich die Dosis von Arzneien ändern
An heißen Tagen kann die Wirkung von Medikamenten zu unangenehmen Folgen führen. Das kann an ihrer Dosierung liegen, wie im Falle von Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch an der falschen Lagerung, die am Ende die Wirksamkeit der Arzneien verringert.
Sommer wie früher, mit einigen wenigen Tagen bei mehr als 30 Grad, die gibt es nicht mehr. Seit Jahren erleben wir in unserem Land immer neue Hitzerekorde. Temperaturen um die dreißig bis zu vierzig Grad sind keine Ausnahmen mehr. Im Gegenteil, 30-Grad-Tage gibt es immer öfter und immer früher, in diesem Jahr bereits im April und Mai.

Dosis der Blutdrucksenker anpassen lassen
Große Hitze ist für viele eine Belastung. Hierzu gehören vor allem Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, macht Dr. Karlheinz Kornhäusl, angehender Internist und stellvertretender Obmann der Bundeskurie angestellter Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), aufmerksam. „Menschen, die dauerhaft blutdrucksenkende Medikamente nehmen, spüren bei einer über Tage anhaltenden Hitze möglicherweise Schwindel und Kreislaufbeschwerden. Beim Messen des Blutdruckes kann es passieren, dass der erste Wert plötzlich um die 100 liegt. Tritt dieses Szenario ein, rate ich, den Hausarzt aufzusuchen. Er kann nach einer Untersuchung des Patienten die Dosis des blutdrucksenkenden Medikaments für die Dauer der Hitzeperiode verringern oder bei anhaltenden Beschwerden. Der Grund dafür ist, dass bei großer Hitze der Blutdruck aufgrund der erweiterten Gefäße sinkt und ein ‚normal dosiertes‘ blutdrucksenkendes Medikament den Blutdruck weiter sinken lässt. Das spürt der Patient. Ich betone, dass dies aber in keinem Fall vom Patienten selbst, ohne vorherige Konsultation des Arztes passieren darf. Wer selbstständig die Dosis eines blutdrucksenkenden Medikamentes ändert, riskiert ernste Gesundheitsgefahren.“

Hitzetage, die sich über ein oder gar zwei Wochen aneinanderreihen und täglich mehr als dreißig Grad bringen, können auch für Diabetiker eine besondere Herausforderung sein.
„Es gibt nach wie vor Antidiabetika, die als Nebenwirkung eine Unterzuckerung hervorrufen können. Bei starken körperlichen Belastungen und/oder anhaltend starkem Schwitzen kann es sein, wenn diese Patienten zu wenig trinken oder essen, dass eine Unterzuckerung droht. Sie können mit ihrem Arzt sprechen, ob der Umstieg auf ein anderes Präparat nicht sinnvoll wäre. Die Österreichische Ärztekammer empfiehlt daher allen chronischen Kranken und älteren Patienten, in starken Hitzeperioden die Medikamente und deren Dosis vom Arzt ihres Vertrauens überprüfen zu lassen.“ Zur Vorsicht mahnt Dr. Kornhäusl auch Menschen, die Entwässerungsmittel (Diuretika) nehmen, wie etwa Patienten mit einer Herzschwäche. Da vor allem bei älteren Menschen das Durstgefühl nicht immer intakt ist, sie schwitzen und nicht ausreichend trinken, wird der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen. Entsteht durch eine zusätzliche Einnahme wassertreibender Medikamente ein stärkerer Flüssigkeitsverlust, nimmt das Blutvolumen in den Gefäßen ab. Der Blutdruck sinkt und es kann vor allem beim Aufstehen aus liegender oder sitzender Position zum Kreislaufkollaps kommen.

„Die Gefahr einer Entwässerung kann den Elektrolythaushalt des Patienten stark beeinträchtigen. Deshalb sollten die Trinkmenge und die Medikamenteneinnahme mit dem Hausarzt abgestimmt werden“, empfiehlt der Ärztevertreter und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass zu große Trinkmengen, wie sie im Sommer oft angeraten werden, für Herzschwäche-Patienten ebenfalls nicht ratsam sind. „Das Herz dieser Patienten wird damit zu stark belastet. Das kann die Bildung von Wasseransammlungen beispielsweise in den Beinen, aber auch in den Lungen begünstigen“, sagt Kornhäusl und appelliert noch einmal, regelmäßig mit dem Hausarzt über alle eingenommenen Medikamente zu sprechen.
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