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Ausgabe Nr. 32/2018 vom 07.08.2018, Foto: Thomas & Thomas
Grit Boettcher wurde am 10. August 1938 in Berlin (D) geboren. Sie arbeitete zunächst als Balletttänzerin und Fotomodell, ehe sie 1958 ihren ersten Film drehte.

Sie war in erster Ehe von 1960 bis 1962 mit dem Hautarzt Dr. Heinz Lange verheiratet.

Aus der zweiten Ehe mit dem Journalisten Dr. Wolfgang Belstler († 1969) stammt Tochter Nicole (1963), aus der Verbindung mit dem Altertumsforscher Dr. Michael Koch Sohn Tristan (1982).

Grit Boettcher erlitt acht Fehlgeburten. Sie lebt heute in der Nähe von München (D).
„Ich musste Männern viel verzeihen“
Sie spielte in zahlreichen Filmen mit, war auf der Theaterbühne zu sehen und brachte mit Harald Juhnke in der Sketch-Reihe „Ein verrücktes Paar“ die Zuschauer zum Lachen. Am Freitag, dem 10. August, wird Grit Boettcher nun 80 Jahre alt. Sie ist dankbar dafür, denn gesundheitlich ging es ihr in letzter Zeit nicht gut. Erst drohte sie zu erblinden, dann musste sie sich einer Notoperation unterziehen, weil die Bauchschlagader zu platzen drohte
Frau Boettcher, herzlichen Glückwunsch, Sie werden am 10. August 80 Jahre alt – wie werden Sie feiern?
Ich hoffe, gar nicht. Seit Wolfgang Rademann nicht mehr lebt (der Erfinder der Erfolgsserie „Das Traumschiff“ starb im Jänner 2016 im Alter von 81 Jahren, Anm. d. Red.), habe ich keine Lust mehr auf Geburtstagsfeiern.

Was hat das mit Wolfgang Rademann zu tun?
Rademännchen und ich hatten ausgemacht, dass wir die großen Geburtstage immer zusammen feiern. Meinen 70. Geburtstag haben wir auch zusammen gefeiert, Wolfgang hat meine Familie in ein Luxus-Restaurant eingeladen. Meine Tochter Nicole hat mich unter einem Vorwand dorthin gelockt. Anfangs waren wir zu neunt – eben nur die Familie. Eine Stunde später waren es ungefähr 40 Personen. Liebe Kollegen, von denen ein paar heute schon Leichen sind. Das war so ein Trubel. Deshalb möchte ich den 80. zumindest nicht mit viel Tamtam feiern. Ein Schwager von mir wird auch 80, wir werden uns da im kleinen Kreis zusammentun, und dann sollen seine Angehörigen für mich mitsingen.

Obgleich Sie allen Grund haben, kräftig mitzusingen. Angesichts der Tatsache, dass Sie nicht nur gute Zeiten hatten, ist es nicht selbstverständlich, den 80. Geburtstag zu erreichen …
Dafür bin ich auch zutiefst dankbar. Ich hatte ja Ende des vergangenen Jahres ein böses Aneurysma und musste notoperiert werden. Es handelte sich um eine Erweiterung der Bauchschlagader, die hätte platzen können. Ich hatte unfassbare Schmerzen und hätte das nicht überlebt, wenn die Ärzte nicht richtig gehandelt hätten. Eine Kollegin hatte das auch – und die hat es nicht geschafft. Daran ist zu sehen, dass es tatsächlich nicht selbstverständlich ist, 80 zu werden. Ich habe jetzt eine Art Stent um die Aorta herum. Das funktioniert ganz gut, ich kann damit leben.

Und auf Ihrer „Traumschiff“-Reise nach Kuba im Jahr 2016 hatten Sie eine Netzhautablösung am linken Auge. Wie hat sich dieses Leiden weiterentwickelt?
Da musste ich auch rasch operiert werden, damit die Netzhaut wieder aufgebaut werden konnte. Ich kann auf dem linken Auge zwar wieder sehen – auf dem Schiff während der Dreharbeiten habe ich ja nur schwarz gesehen – aber die Bilder sind nach wie vor verschwommen. Glücklicherweise habe ich ja noch mein rechtes Auge, das nenne ich mein „Falkenauge“. Das funktioniert perfekt.

Ihre Mutter und Ihre Schwester starben an Krebs. Gab‘s bei Ihnen auch diesen Verdacht?
Nein, dem Krebs bin ich davongekommen. Bis jetzt. Vielleicht habe ich ja jetzt Krebs und weiß es bloß nicht. Es gibt ja Menschen, die einen Alterskrebs kriegen und das gar nicht merken. Ich weiß von einem Mann, der mit 82 Jahren Krebs bekam, Chemotherapie machte und Bestrahlung – und trotzdem hat er sich nicht erholt.

Bekommen Sie noch Rollenangebote? Sehen wir Sie wieder im Theater oder in einem Film?
Ich hatte kleine Serien-Rollen, aber ein paar Angebote abgesagt. Eines betraf ein musicalartiges Theaterstück. Da wollten sie mich wohl haben, weil ich in dem Stück „Oma Superstar“ auch einmal gesungen habe „Mit 70 fängt das Leben erst an“ – das hat den Menschen wohl gefallen. Aber bei diesem Musical-Stück hätte ich jetzt die Mutter von Angelika Milster spielen sollen. Und wenn ich bedenke, wie wundervoll Angelika Milster singt – nein, neben ihr hätte ich wirklich alt ausgesehen. Gesanglich bin ich einfach nicht auf ihrem Niveau. Deshalb habe ich das lieber abgesagt.

Ihre Kollegin Thekla Carola Wied beklagte kürzlich „Alters-Rassismus“ im Fernsehen. Sie meinte, für ältere Frauen gäbe es keine schönen Rollen mehr …
Die Thekla ist doch noch viel jünger als ich.

Sie ist 74 Jahre alt.
Na, also bitte. Bis 77 bist du jung. Auch in unserer Branche. Erst ab 78 ist eine Frau – na ja, ein bisschen älter. Natürlich werden die Angebote seltener. Aber ich habe heute auch nicht mehr die große Lust. Natürlich ist es auch eine finanzielle Frage, ein Angebot anzunehmen oder abzulehnen. Und finanziell stand es bei mir ja auch nicht immer zum Besten. Ich habe einst eine knappe Million D-Mark in Ost-Immobilien verloren und musste sehr, sehr fleißig sein, um das wieder in Ordnung zu bringen und alles abzuzahlen. Aber heute bin ich richtig stolz auf mich, sagen zu können, nein, nur des Geldes wegen muss ich ein Angebot nicht annehmen.

Sehen Sie sich auf der Zielgeraden des Lebens?
Natürlich, und ich lasse meine Kinder eines Tages zurück. Ich frage mich jetzt öfter: Kommen sie ohne mich zurecht? Habe ich ihnen alles mit auf den Weg gegeben, was sie brauchen, um ihren eigenen Weg gehen zu können? Gemeinsam kommen wir gut zurecht – Nicole, Tristan und ich. Eigentlich ist alles gut gelaufen. Aber was ist, wenn ich einmal nicht mehr bin? Klar war und bin ich immer die Mutter, die aufpasst, dass alles funktioniert.

Das heißt, Sie sind ein Muttertier?
Ja, das stimmt. Und vielleicht wäre alles ganz anders gelaufen, wenn ich Nicoles Karriere früher gefördert hätte. Aber ich habe ja selber unglaublich viel gearbeitet. Habe mehr darauf geachtet, dass meine Kinder trotz meiner Abwesenheit nicht in der Luft hingen und immer gut betreut waren. Unsere Nachbarn, ein Förster-Ehepaar, waren wie nahe Verwandte, die sich kümmerten, wenn ich nicht da war. Meine Mutter war natürlich auch da und hat sich gekümmert.

Können Sie sich vorstellen, sich noch ein Mal zu verlieben?
Nein, ein Mann würde mir auf die Nerven gehen. Ich bin von Männern zu oft belogen, betrogen, ausgenutzt und ausgenommen worden. Ich musste Männern viel verzeihen. Ich will nicht mehr verzeihen.
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