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Ausgabe Nr. 31/2018 vom 31.07.2018, Foto: Thomas & Thomas
Harald Krassnitzer wurde am 10. September 1960 in Grödig bei Salzburg geboren. Sein Vater, ein Schlosser, wollte, dass er Speditionskaufmann wird. Die Ausbildung hat Harald Krassnitzer absolviert und er hat auch in dem Beruf gearbeitet. Doch er wurde bald gefeuert, weil er zu einer Theater-Probe musste und in der Eile Versandpapiere falsch ausgefüllt hat. Dann machte er eine Schauspielausbildung in Salzburg. Krassnitzer ist mit seiner Kollegin Ann-Kathrin Kramer verheiratet und lebt in Deutschland.
„Ich war eine Nervensäge für meine Schwester“
Er ist vor den Toren der Stadt Salzburg aufgewachsen. Harald Krassnitzer, 57, weiß um die kulturelle Bedeutung der Mozartstadt, die in diesen Tagen wieder Tausende Besucher zu den Festspielen lockt. Hier berichtet der beliebte Schauspieler, was ihn an der Stadt fasziniert, er erzählt aus seiner Kindheit und von der Verlockung der Mozartkugeln.
Herr Krassnitzer, hat Sie das Aufwachsen vor den Toren Salzburgs in besonderer Weise geprägt?
Ich glaube, jeder Ort hat eine eigene Prägung. Und wenn jemand in der Nähe einer derart außergewöhnlichen Stadt groß wird, die berühmt dafür ist, eine der schönsten Barock-Städte Europas zu sein, beeinflusst das schon irgendwie. Vor allem in Verbindung mit den Festspielen. Weil doch jeder, der hier wohnt, Anteil nimmt und merkt, dass da unter anderem eine große Zahl von Menschen kommt, die von dieser Stadt tief beeindruckt ist. Nicht zu vergessen, die Musik. Darauf werde ich als Erstes angesprochen, wenn ich sage, ich komme aus Salzburg. Die spontane Reaktion ist stets: „Aha, Mozart …“ Das hat bei mir einen Zugang zu klassischer Musik geschaffen.

Was macht die Festspiel-Stadt für Sie einzigartig?
Faszinierend war für mich bei den Sommer-Festspielen dieses Gefühl, kurzfristig zu einer Weltstadt zu werden. Und gleichzeitig zu wissen, dass du eine halbe Stunde mit dem Fahrrad, dem Mofa oder mit dem Auto rausfahren und mitten drin in einer unglaublich schönen Natur sein kannst. Das ist ja noch immer so. Nehmen wir den Untersberg, der vor der Stadt liegt. Das war sozusagen mein Hausberg, auf dem ich oft zum Bergwandern war.

Ihre Mutter hat in einer Süßwarenfabrik
gearbeitet, Sie sind zu Hause mit Mozartkugeln aufgewachsen. Können Sie diese legendäre
Süßspeise überhaupt noch sehen?

Ja, die hole ich mir vom Café Fürst in Salzburg, einer kleinen, aber feinen, renommierten Konditorei. Dort werden die Mozartkugeln noch handgemacht und die esse ich nach wie vor gern. Salzburger Nockerl waren dagegen nicht zwingend meins.

Sind Sie gern in den Kindergarten gegangen?
Es gab da einen großen Anreiz, das war ein komplett aus Holz gebauter Lastwagen mit einer roten Fahrerkabine. Da konnten wir uns auf die Ladefläche setzen, die kippbar war. Das hat mich schwer beeindruckt. Aber eines Tages gab es ein Malheur …

Was ist denn passiert?
Im Zuge übereifrigen Spielens kam ich einmal zu spät zur Toilette und das ging im wahrsten Sinne in die Hose. Mit mir wurde geschimpft und ich musste eine Strumpfhose anziehen sowie zur Strafe in der Ecke stehen, was ich als äußerst erniedrigend empfand. Das war ein Grund, warum ich nicht mehr so gern in den Kindergarten gegangen bin. Alles in allem war ich aber doch recht pflegeleicht.

Waren Sie für Ihre zwei Jahre jüngere Schwester der bewunderte, große Bruder?
Keineswegs, ich war für Sylvia wohl eher eine Nervensäge. Wir haben uns in der Kindheit nicht immer gut verstanden. Wir haben oft gestritten und hatten heftigste Revierkämpfe. Wir hatten ja zunächst ein gemeinsames, kleines Zimmer. Dabei habe aber keineswegs immer ich gewonnen, weil auch sie Techniken entwickelt hatte, die dazu führten, dass ihr Recht gegeben wurde. Viel haben wir nicht miteinander gemacht, weil auch das Legospielen sie nicht interessiert hat.

Und wie ist das Verhältnis heute?
Erst mit 20, 22 Jahren wurde das Verhältnis besser. Und jetzt, sie arbeitet als Hotelfachfrau in Salzburg und wohnt immer noch in unserer Heimatgemeinde Grödig, verstehen wir uns gut.

Sie standen bereits im Alter von zehn Jahren in einem Hirtenspiel auf der Theaterbühne. Wissen Sie noch, wie Sie sich dabei gefühlt haben?
Es war die Rolle eines der Hirten, die auf dem Weg waren, dem Stern zur Krippe des neugeborenen Erlösers zu folgen. Das hat Riesenspaß gemacht und ich habe gemerkt, dass es eine Resonanz, eine positive Aufmerksamkeit gab. Ich hatte bei meinem etwas komischeren Auftritt die Lacher auf meiner Seite und am Schluss den meisten Applaus. Es waren wohl erste, winzige Schritte in Richtung Bühne.

Stimmt es, dass einer Ihrer Klassenkameraden tödlich verunglückt ist?
Ja, da war ich 16 Jahre alt, als einer aus unserem Freundeskreis auf unserem Abenteuerspielplatz, dem Untersberg, abgestürzt und tödlich verunglückt ist. Ein anderer Klassenkamerad ist bei einem Moped-Unfall ums Leben gekommen. Er ist gestürzt, dabei hat sich eine Rippe in die Lunge gebohrt und daran ist er schließlich gestorben. Die Schilderungen damals waren dramatisch.

Waren Sie selbst auch einmal in Gefahr?
Wir waren damals mitunter ausgesprochen blöd. So gab es bei einem der Bergwerke eine Hängebrücke, die nur noch aus dem stählernen Gerippe mit Drahtseilen und ein paar Winkeleisen bestand. Für uns bestand die Herausforderung darin, entlang der Drahtseile zu gehen, denn die Bretter dazwischen fehlten längst. Wir haben jedoch nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, ob nicht eine dieser Verbindungen durchgerostet sein und schon bei geringster Belastung durchbrechen könnte.

Alle haben dieses Abenteuer heil überstanden?
Wir waren sogar so verrückt, dass wir mitten auf der Brücke eine Hängematte aufgehängt haben. Dahin habe ich mich manches Mal verzogen und gelesen oder mir die herrliche Landschaft angeschaut. Über einer 50 Meter tiefen Schlucht. Wir haben nicht die Gefahren gesehen, wir hatten nur den Spaß im Kopf.

Ihr Vater starb im Jahr 1992, Ihre Mutter lebt noch in Grödig. Ist sie stolz auf Sie und das, was Sie als Schauspieler erreicht haben?
Mein Vater wollte immer wissen, „Was machst du, was treibst du, was schreiben die Kritiker?“ Meine Mutter ist auch stolz auf mich, aber sie hat in aller Regel nur schlicht gefragt, „Wie geht‘s dir?“ Ihr war der ganze Rummel drumherum stets relativ egal. Sie hat das andere natürlich zur Kenntnis genommen, aber vor allem war ihr wichtig, wie ich mich fühlte.

Sie leben heute mit Ihrer Familie in Deutschland. Welche Gefühle kommen in Ihnen auf, wenn Sie heim nach Grödig fahren?
Es verändert sich dort natürlich immer wieder einiges. Aber ich sehe das relativ nüchtern, nicht mit Wehmut. Ich mache manchmal meine Runde durch das Dorf, auch auf meinem alten Schulweg. Dann treffe ich oft ein paar Menschen, die ich von früher kenne. Worauf ich mich wirklich freue, ist, wieder einmal meinen alten Abenteuer-Spielplatz, den Untersberg, zu besuchen. Denn die Wanderschaften dort hinauf waren schön und immer wieder spannend.
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