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Ausgabe Nr. 31/2018 vom 31.07.2018, Foto: zvg
Kitesurfer Adrian Geislinger fliegt bei der WM über die Wellen
Mit Flügeln über das Wasser gleiten
Über den Wellen schwebend saust Adrian Geislinger, 25, im Höllentempo über die Schaumkronen, eine Art Flosse unter seinem Brett als neuer Trend macht es möglich. Der Salzburger Surfer ist unser einziger internationaler Kitefoiler, also Surfer mit „Hydrofoil“ im Sog eines Lenkdrachen und kreuzt bei der Weltmeisterschaft in Dänemark hart am Wind.
Es ist fast wie Fliegen“, schwärmt Adrian Geislinger, 25, von seinem Abendteuer mit dem „Hydrofoil“, jener Flosse, die den Surfer, nur mit einem kleinen Steg verbunden, über das Wasser hinaushebt. „Dieses technische Wunderding macht dich aufgrund der geringeren Reibung zwei bis drei Mal schneller als beim herkömmlichen Surfen.“ Geislingers persönliches Höchsttempo liegt bei 67 km/h, der Weltrekord sogar jenseits der 100 km/h. „Du steigst in die Höhe, alles wird plötzlich leise und du fühlst dich wie im Rausch, als ob du einen Tiefschneehang hinuntergleitest“, beschreibt er den Adrenalinstoß.

Keine Frage, die Erfindung des „Foils“, die seit einiger Zeit in der Segel- und Surfszene, ja sogar im Stand-Up-Paddling für einen neuen Kick sorgt, hat den jungen Salzburger in seinen Bann gezogen. Ab dieser Woche wird er bei der Segel-WM im dänischen Aarhus unser Land vertreten, der Spaß mit Wasserflügel und Lenkdrachen ist sogar bereits fix im olympischen Vorführprogramm für Tokio 2020 verankert. Bei der WM ist ein Platz im Vorderfeld Geislingers erklärtes Ziel. „Ich habe in den vergangenen Jahren schon Plätze unter den ersten zehn erreicht, die Medaillen sind für mich jedoch eher außer Reichweite.“

Bei den nur rund sieben Minuten dauernden Regatten, von denen mehrere Durchgänge gefahren werden, muss wie bei den Seglern so rasch wie möglich ein mit Bojen markierter Kurs bewältigt werden. Der Surfer wählt je nach Wasser, Wellen und Wind zwischen verschiedenen Foils, Brettern und Drachen. „Ich habe bei den Drachen Flächen zwischen neun und 21 Quadratmetern zur Auswahl“, erzählt der Salzburger. „Beim Rennen selbst sind dann oft das Gefühl und die Erfahrung die entscheidenden Faktoren, dazu die Fähigkeit, den Drachen optimal über sich am Himmel zu positionieren.“

Schon als Kind ließ Geislinger gern Drachen steigen, weil der Opa zudem ein Haus am Salzburger Mattsee hat, kam er auch schon früh zum Wassersport und landete dann wenig überraschend nach verschiedenen anderen Stationen beim Surfen mit Lenkdrachen. Heute ist die rasante Wasserflitzerei über dem Flügel und unter dem Drachen für Geislinger mehr als nur ein Hobby. In seiner Abschlussarbeit zum Studium der Betriebswirtschaftslehre machte der Single auch das „Foil“ zum Thema. Doch mehr noch entwickelt er gemeinsam mit seinem Vater Cornelius, der mit seinem Unternehmen in Hallwang unter anderem technische Komponenten für riesige Containerschiffe und Windkraftwerke erzeugt, unter dem Markennamen „Levitaz“ auch selbst Hydrofoils für den Surfsport.

„Selber an der Quelle zu sitzen ist kein Nachteil“, weiß er. „Denn die Kitefoiling-Szene ist schon ein bisschen eine Materialschlacht wie in der Formel-1 geworden.“

Außerdem ist der Kostenfaktor nicht unerheblich, ein Rennboard samt Foil kostet an die 4.000 Euro, ein Lenkdrachen rund 5.000 Euro, von denen der Sportler etwa fünf besitzt. „Leider ist es bei uns nicht wie im Tennis, dass Sponsoren und Preisgeld bei der Finanzierung maßgeblich mithelfen“, bedauert er. Aber dafür darf Geislinger immerhin das Leben eines Weltenbummlers führen. Ab dem Herbst verbindet der junge Salzburger in Portugal einige Monate lang die Wirtschaftsausbildung und den Surfsport, schon davor jettete er kreuz und quer über den Globus, verrät er. „Ich durfte in diesem Jahr unter anderem schon in Mexiko, Frankreich, auf Hawaii, auf den Malediven oder in Puerto Rico surfen.“

Wolfgang Kreuziger
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