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Ausgabe Nr. 30/2018 vom 24.07.2018, Foto: Salzburger Festspiele/Matthias Horn
Tobias Moretti und seine Buhlschaft Stefanie Reinsperger.
Verregnete „Jedermann“-Premiere für Buhlschaft Stefanie Reinsperger: „Aber wenn es heiß ist, kannst du ein Spiegelei auf der Bühne braten“
Der „Jedermann“ ist fester Bestandteil der Salzburger Festspiele. Vor der einzigartigen Kulisse des Salzburger Doms wird das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ heuer mit Tobias Moretti, 59, als Hauptdarsteller und Stefanie Reinsperger, 30, als „Buhlschaft“ unter der Regie von Michael Sturminger aufgeführt. Viele Kostüme sind neu. Vor allem die Buhlschaft ist eleganter geworden. Denn nach dem umstrittenen plüschig-rosa Phantasiekleid vom Vorjahr trägt Stefanie Reinsperger heuer dunkelrote Seide und ein schwarzes Cocktailkleid.
Frau Reinsperger, die Premiere des neuen „Jedermanns“ musste am Wochenende aufgrund des Dauerregens vom Domplatz ins Festspielhaus verlegt werden. Freuen Sie sich dennoch auf Ihren zweiten Sommer als Buhlschaft in Salzburg?
Inzwischen ja, auf jeden Fall. Wir haben einige Sachen überarbeitet und hoffen, dass künftig das Wetter mitspielt und wir immer am Domplatz spielen können.

Warum sagen Sie, dass Sie sich inzwischen darauf freuen? Gab es eine Zeit, in der das nicht der Fall war?
Na ja, es ist ja so, dass ich im Berliner (D) Ensemble fest engagiert bin und wir hatten dieses Jahr eine wundervolle erste Spielzeit. Dann gab es aber natürlich den Punkt, an dem ich dachte, „Oh Gott, jetzt fahren alle auf Urlaub und ich muss den Sommer durcharbeiten“, aber ich habe mir fest vorgenommen, dieses Jahr Salzburg auch abseits der Arbeit zu genießen.

Sie haben ja auch einmal gesagt, dass Sie Österreich-Urlaube lieben?
Ja, auf alle Fälle. Was ich liebe, ist Krimml im Salzburger Land. Da habe ich vor zwei Jahren den ORF-Landkrimi „Die Drachenjungfrau“ gedreht. Im Oktober werden wir den zweiten Teil drehen, darauf freue ich mich schon.

Zu Ihrer Rolle als Buhlschaft im „Jedermann“ – stimmt es, dass Tobias Moretti Sie unbedingt dabei haben wollte?
Ja, er hat da anscheinend Feldrecherche betrieben und mich am Wiener Burgtheater gesehen. Er hat zu mir gemeint, dass er mich gerne als Buhlschaft hätte. Ein herrliches Gefühl.

Der Jedermann bereut kurz vor seinem Tod sein ausschweifendes Leben – ist das nicht zu spät?
Diese Erkenntnis zu bekommen, vor allem in diesem Stück, dazu sage ich, „Besser spät als nie.“ Denn dadurch gehen die guten Werke und der Glaube mit ihm ins Jenseits, obwohl sich vorher alle von ihm abgewandt haben. Generell ist es, meiner Meinung nach, für Einsicht nie zu spät.

Gehören Sie zu den Menschen, die den „Reichtum“ gerne im Hier und Jetzt genießen, oder sparen Sie Ihr Geld?
Ich bin zum Glück niemand, der nur in der Zukunft lebt und glaubt, sich ständig auf irgendwelche Eventualitäten vorbereiten zu müssen. Das geht sicher ein bisschen mit dem Schauspielberuf einher. Der ist ja kurzlebig, da kann sich alles schnell ändern. Gerade Theater ist nicht fassbar, jede Vorstellung rinnt dir gleich danach durch die Finger. Dann musst du wieder raus auf die Bühne und es ist etwas vollkommen Neues. Ich bin jedenfalls niemand, der Geld hortet oder spart.

Und wofür geben Sie Ihr Geld am liebsten aus?
Das meiste Geld gebe ich sicher für Bücher aus. Ich bin auch nach Salzburg mit einem ganzen Koffer voller Bücher angereist. Da ich sie schwer wegwerfen kann, werden sie auch konstant mehr (lacht). Und ich gehe gerne mit Freunden essen. Am liebsten treffe ich mich zum Frühstücken.

Bei den Nachmittagsvorstellungen des „Jedermann“ am Domplatz kann es hin und wieder unerträglich heiß werden, oder?
Oh ja, viele sagen, dass es so heiß ist auf der Bühne, dass ich ein Spiegelei kochen könnte. Es hat oft weit mehr als 40 Grad. Wir haben auch einen Metallboden auf der Bühne, der die Hitze verstärkt. Daher appellieren wir auch an die Zuschauer, genug Wasser zu trinken. Sie sitzen da ja komplett ungeschützt.

Gibt es Maßnahmen, die Ihnen gegen die Hitze helfen?
Wir Schauspieler werden von der Garderobe und der Maske wundervoll versorgt. Wir bekommen tiefgefrorene Wasserflaschen und Eisbäder für die Füße. Da wird gut auf uns aufgepasst.

Sie sind seit vorigem Jahr Teil des Berliner Ensembles – vermissen Sie Wien und das Wiener Schnitzel?
Das Schnitzerl nicht so sehr wie den Kaffee. Aber ich bin dankbar, in Berlin in so kurzer Zeit so etwas wie eine künstlerische Heimat gefunden zu haben. Ich habe das Gefühl, dass dort jeder so sein kann, wie er möchte. Wien ist anders (lacht).

Können Sie das weiter ausführen?
Ich denke, wir lassen das so stehen (lacht).

Sie haben angeblich mit Ihren Eltern schon als Kind Ihre Lieblingsmärchenfiguren nachgespielt?
So ist es. Mein Lieblingsmärchen als Kind war „Schneeweißchen und Rosenrot“. Und ich habe meine Mutter immer gefragt, „Mama, wen willst du spielen? Rosenrot?“ Damit war die Aufteilung dann gleich klar. Mein Vater hat immer rührend den Zwerg gegeben. Der Bart wurde immer aus einem Ast gebastelt, den er durchgehend tapfer an sein Gesicht gehalten hat. Den habe ich dann abgebrochen. Die Schwestern schneiden ja den Bart des Zwerges in der Geschichte. Es wurde wirklich hingebungsvoll daran gearbeitet, die Geschichte möglichst getreu nachzuspielen.
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