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Ausgabe Nr. 30/2018 vom 24.07.2018, Fotos: AK/Sebastian Philipp, BKA/Hans Hofer
Renate Anderl, Juliane Bogner-Strauß
Zu wenig Geld für Kinderbetreuung?
Die schwarz-blaue Regierung will den Ländern und Gemeinden künftig 110 Millionen Euro pro Jahr für die Kinderbetreuung beisteuern. Mehr als die geplanten 90 Millionen, aber 30 Millionen Euro weniger als derzeit. Teil der neuen Vereinbarung mit den Ländern soll auch das Kopftuch-Verbot sein. Doch mit der Arbeitszeitflexibilisierung steigen die Kinderbetreuungs-Anforderungen. Von den 9.297 Kindertagesheimen haben nur 965 zwölf Stunden und länger geöffnet, die überwiegende Mehrzahl davon ist in Wien.
JA: Renate Anderl,
Arbeiterkammer-Präsidentin:

„Kinderbetreuung und elementare Bildung gehören zu den wichtigsten Zukunftsthemen überhaupt. Sie sind Wesensmerkmal fortschrittlicher Politik, ermöglichen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile und Chancengleichheit für Kinder. Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien belegt, dass Kinder, die den Kindergarten besucht haben, nicht nur länger im Bildungssystem verbleiben, sondern auch eher einen höheren Bildungsabschluss machen und damit später ein besseres Einkommen erzielen. Es ist daher völlig unverständlich, dass die Regierung ausgerechnet in diesem Bereich spart, denn mit dem Zwölf-Stunden-Tag wird das Problem der fehlenden Kinderbetreuung noch größer, vor allem, was die Öffnungszeiten anbelangt. Dazu kommt, dass unser Land im Bereichder Kinderbildung in den vergangenen Jahren schlichtweg abgehängt wurde. Die Arbeiterkammer fordert daher einen massiven Ausbau der Kinderbetreuung sowie ein zweites kostenloses Kindergartenjahr. Das müssen uns unsere Kinder und deren Zukunft einfach wert sein.“

Nein: Juliane Bogner-Strauß,
ÖVP-Familienministerin:

„Für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine qualitätsvolle Kinderbetreuung wichtig, die sich an den Bedürfnissen der Kinder und Eltern orientiert. Ich freue mich daher, dass ich mit dem Finanzminister zusätzliche Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro für den Ausbau der
Kinderbetreuung vereinbaren konnte. Die Einrichtungen für Kinder über drei Jahren sind allerdings schon äußerst gut ausgebaut, hier liegt die Betreuungsquote bereits bei 95 Prozent. Daher braucht es in diesem Bereich nicht mehr so viele Mittel wie noch vor einigen Jahren. Jetzt müssen wir den Fokus auf die Schaffung von Plätzen für Unter-Dreijährige legen. Klar ist auch, die finanzielle Beteiligung des Bundes dient vor allem als Anschubfinanzierung. Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind neben dem bedarfsgerechten Ausbau vor allem flexiblere und längere Öffnungszeiten wichtig, und zwar sowohl in den Einrichtungen für Unter-Dreijährige als auch in jenen für Über-Dreijährige. Deswegen werden wir auch genau
hier weiter in ausreichendem Umfang investieren.“
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