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Ausgabe Nr. 30/2018 vom 24.07.2018, Fotos: Mark Surridge, photo press service
Ed Sheeran, 27, liebt große Auftritte.
Seit drei Jahren ein Paar. Sheeran und Seaborn.
„Je mehr Menschen, umso größer der Spaß“
Dieser Mann ist nicht zu stoppen. Obwohl er keinen Waschbrett-Bauch hat und nicht das Gesicht eines Modelles. Vielleicht macht den Briten Ed Sheeran, 27, aber gerade das zu einem der erfolgreichsten Musiker – abgesehen von seinen einfühlsamen und einprägsamen Liedern. Gerade ist er auf ausgedehnter Tour, auf der er unter Beweis stellt, warum ihn die Massen lieben. Am 7. und 8. August tritt er im Ernst-Happel-Stadion in Wien auf.
Auch wenn alles rund läuft und ihn musikalisch derzeit nichts aufhalten kann, ausgerechnet seine Heimatgemeinde wirft ihm Prügel vor die Füße. Weil er auf seinem weitläufigen Grundstück in der ostenglischen Grafschaft Suffolk im Ort Framlingham eine Kapelle bauen wollte. Mit einem 15 Meter hohen Turm und Platz für 24 Personen. Eine Kirche, die für keine der Religionen stehen soll, dafür aber geeignet wäre, um Taufen oder Hochzeiten abzuhalten. Sie würde in jenem Ort gebaut, dem Sheeran mit seinem Lied „Castle On The Hill“ ein Denkmal gesetzt hat, in dem der Musiker aufgewachsen ist und in den er nach Jahren in der britischen Hauptstadt London zurückgekehrt ist. Doch die Herren vom Bauamt verweigerten dem 27jährigen die Errichtung des kleinen Gotteshäuschens. Ed Sheeran muss seine Verlobte Cherry Seaborn, in die er schon als Schüler verliebt war und mit der er seit drei Jahren zusammen ist, nun also wohl oder übel an anderer Stelle heiraten.

Begründet wird die Ablehnung mit Einwänden von Tierschützern. „Wir gehen davon aus, dass eventuell der Kammmolch auf Ed Sheerans Grund und Boden lebt und laicht, die Kirche käme der Entfaltung des Kaltblütlers in die Quere“, lautet deren Argument.

Mit dem Tierschutz hat der Brite seine liebe Not. Zuletzt vagabundierte Sheeran auf der Suche nach einem Ort für ein Open-Air-Konzert naturschutzbedingt durchs halbe Rhein-Ruhr-Gebiet in Deutschland. Erst durfte er nicht auf dem Flugplatz Essen/Mülheim gastieren, weil er die Feldlerche stören würde, dann, nach viel Tamtam, auch nicht auf dem Düsseldorfer Messeparkplatz, weil dort Bäume gefällt werden müssten. Da ist es gut, wenn er, wie in Wien, in großen Stadien spielt. Die freilich bis auf den letzten Platz gefüllt sind. Dann ist Sheeran in seinem Element, denn bühnenscheu ist er nicht. „Je mehr Menschen, umso größer der Spaß beim Konzert“, sagt er.

Für seine Show braucht der 27jährige keinen Firlefanz, ja, er braucht nicht einmal eine Band. Ganz alleine steht er auf der großen Bühne, singt und bedient die akustische Gitarre. Für alle anderen Instrumente hat er seine Loop-Station, also ein Gerät, auf dem er vorab aufgenommene Tonspuren abspielt.

Was seine Popularität ausmacht, weiß er selbst nicht zu sagen. Er polarisiert kaum. Sein Kollege Robbie Williams, 44, den Sheeran in der Popularität hinter sich gelassen hat, meint dagegen: „Er ist der Tom Hanks der Popmusik. Jeder mag ihn. Er ist ein netter Kerl und ein guter Mensch. Und er scheint von seinem Erfolg unbeeindruckt zu sein.“

Mit seinen 27 Jahren hat sich Sheeran mittlerweile ein dreistelliges Millionenvermögen ersungen, anzusehen ist ihm der Reichtum nicht. Er geht mit Kapuzenpullis, Jeans und Turnschuhen immer noch so herum wie alle anderen „und wenn ich daheim bin, fahre ich einen Mini“, sagt er. Ed Sheeran ist der Phil Collins der Generation Youtube. Er sieht aus wie der Durchschnittsmann von nebenan, aber er schreibt Lieder, mit denen er ein unglaublich breitgefasstes Publikum vom Volksschulkind bis zum Greis erreicht. Seine Lieder sind auch deshalb so gut, weil sie sich anhören, als seien sie schon immer dagewesen. Plagiatsklagen gibt es, aber bisher war noch keine erfolgreich.

Sheerans frühe Hits wie „The A-Team“ oder „Lego House“, auch „Sing“ oder selbst „Photograph“ waren originell, die Lieder auf seinem aktuellen, dritten Album „Divide“, das weltweit bestverkaufte Album des Jahres 2017, scheinen mit einer Optimierungssoftware komponiert worden zu sein, die Allgemeingültigkeit und Individualität zu erfolgreicher Musik verbindet. „Shape Of You“ zum Beispiel, sein bislang größter Hit und weltweit der meistverkaufte des Jahres 2017, hat keine komplizierte Melodie und keinen komplizierten Inhalt, ist aber durch den dezenten Einsatz von Beats und einen persönlich wirkenden Text, unter anderem über ein Rendezvous in einem chinesischen Schnellrestaurant, fesselnd genug, dass die Menschen Interesse daran haben, was Sheeran da singt.

Auf politische Inhalte verzichtet er in seinen Liedern und in Gesprächen. Dafür berichtet er von seinen Katzen „Calippo“ und „Dorito“, von seiner Freundin, den Eltern, den Freunden und dem manchmal doch zu ausufernden Alkoholkonsum. Ed Sheeran ist ein Allerweltstyp, nur eben mit Hubschrauberlandeplatz im Garten und berühmten Freunden wie Taylor Swift und Elton John.

Er rackert aber auch für den Erfolg und steckt sich hohe Ziele. „Ich will die meisten Alben verkaufen. Nur Adele ist noch vor mir“, meint Sheeran. „Wenn ich nicht sagen würde, ich will sie überholen, wäre ich unehrlich zu mir.“ Dass er jüngst bekundete, seine Ambitionen würden „auf null sinken“, sobald er Vater werde (was er gern bis zum 30. Geburtstag sein möchte), ist kaum zu glauben. Fakt ist: Das Titellied für den nächsten James-Bond-Film, der Ende 2019 anlaufen soll, hat er schon geschrieben. Nur für den Fall.
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