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Ausgabe Nr. 29/2018 vom 17.07.2018, Foto: Fotoilia
Die EU-Bürger dürfen bei der Zeitumstellung mitreden, zumindest ein bisschen
Das Ende der Sommerzeit?
Die EU will wissen, was die Bürger in den 28 Mitgliedsstaaten von der Sommerzeit halten. Abstimmung ist die Internet-Befragung aber keine. Sie hat keinerlei rechtliche Folgen. Doch Millionen Anfragen haben die Seite kurz lahmgelegt.
Seit unserem Beitritt 1995 stellen wir die Uhren nach EU-Regeln um. Vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober herrscht Sommerzeit. Geregelt wird das mit der Richtlinie 2000/84/EG, heuer endet die Sommerzeit in der Nacht von 27. auf 28. Oktober.

Doch immer mehr Menschen lehnen sich gegen den Zwangs-Uhrendreh auf. In Finnland unterschrieben 70.000 Menschen eine Petition gegen die Sommerzeit. In Deutschland forderten bei einer Umfrage drei Viertel ein Ende der Zeitumstellung.

Jahrelang blockte Brüssel jeden Änderungswunsch ab. Doch im Februar verlangten die EU-Abgeordneten eine „gründliche Bewertung“ der Sommerzeit-Richtlinie. Jetzt
sind die Bürger am Wort. Allerdings mitten in der Haupt-
Urlaubszeit und nur jene, die über einen Internet-An-
schluss verfügen. Millionen Menschen sind daher von der Teilnahme an dieser EU-weiten Befragung ausgeschlossen. Ein Umstand, der das Ergebnis durchaus verfälschen könnte. Trotzdem haben Millionen Anfragen gleich zu Beginn die Seite kurzfristig lahmgelegt. Jetzt funktioniert sie wieder. Unter https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/2018-summertime-arrangements können Kritiker und Befürworter bis 16. August ihre Meinung abgeben.

Die Befragung, oder wie es im EU-Amtsdeutsch heißt, die „Öffentliche Konsultation zur Sommerzeitregelung“ ist
aber weder eine Abstimmung, noch rechtlich bindend. Die EU-Kommission will sich lediglich ein Bild von der Stimmungslage machen. „Wir haben regelmäßig zu aktuellen Themen, bei denen wir eine Gesetzgebung planen oder vorschlagen wollen, öffentliche
Konsultationen“, sagt Jörg Wojahn, der Vertreter der EU-Kommission in Wien. Derzeit laufen etwa Befragungen zur Besteuerung von Tabak oder die Fischfangquoten. Doch so viel Interesse wie für den Sommerzeit-Fragebogen „hat es noch selten gegeben. Das ist ein außergewöhnlich großer Zuspruch.“

Fünf Fragen stellt Brüssel den 500 Millionen Bürgern in den 28 Mitgliedsstaaten. Etwa welche Erfahrung sie mit der Zeitumstellung gemacht haben, von sehr positiv bis sehr negativ. Ob sie die Sommerzeit abschaffen möchten? Und was ihnen als Alternative lieber wäre, das ganze Jahr Normalzeit oder immer Sommerzeit? Alternativen wie eine Verkürzung der Sommerzeit fehlen aber. Als 1980 die SPÖ-Alleinregierung unter Bruno Kreisky die Zeitumstellung einführte, endete sie im September. Im Jahr 1996 verlängerte die EU „ihre“ Sommerzeit bis Ende Oktober.

„Es geht um zwei Möglichkeiten. Entweder wird die Sommerzeit beibehalten, so wie sie jetzt ist, oder sie wird
in der gesamten EU abgeschafft“, erklärte ein Sprecher von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

In unserem Land setzen sich nicht nur Teile der ÖVP, wie etwa der ÖVP-Seniorenbund für die Abschaffung der Zeitumstellung ein, sondern auch FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer. „Eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien belegt die nachteiligen gesundheitlichen Auswirkungen der halbjährlichen Zeitänderung. Zudem sind die erhofften Energieeinsparungen, die ja ursprünglich Auslöser für die Einführung von Sommer- und Winterzeit waren, nicht in dem Maß eingetreten wie erhofft“, sagt der ehemalige Bundespräsidentschaftskandidat.

Im Verkehrswesen komme noch dazu, „dass die Zeitumstellung eine Herausforderung für das Funktionieren von Transport-Systemen und -Diensten darstellt. Ich unterstütze daher die Bestrebungen nach einer Abschaffung der Zeitumstellung.“

Das soll auch während des EU-Vorsitzes unseres Landes verhandelt werden. „Verkehrskommissarin Violeta Bulc hat mir mitgeteilt, dass dieses Thema im Zuge der österreichischen Ratspräsidentschaft definitiv behandelt werden soll. Ich werde auch mit meinen Amtskollegen diesbezüglich Gespräche führen und mich massiv für die Abschaffung der Zeitumstellung einsetzen.“

Mindestens jeder Vierte hatte, das zeigen Umfragen, wegen des Zeitwechsels schon gesundheitliche Beschwerden. Die Umstellung unseres Biorhythmus sorgt vor allem im Frühjahr für Probleme. Immer wieder bringen Forscher die Zwangsumstellung mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko oder verminderter Leistungsfähigkeit in Zusammenhang. Vielleicht hat das bald ein Ende.
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iso2000
Ich bin für dafür immer die Sommerzeit zu belassen.
Keine Zeitumstellung, hoher Freizeitwert.
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