Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 28/2018 vom 10.07.2018, Foto: Fotolia
Zu viel UV-Licht fördert Grauen Star. Eine gute Sonnenbrille schützt.
Damit der Sommer nicht
ins „Auge“ geht
Die heiße Jahreszeit kann für unsere Augen besonders „reizend“ sein. Zu viel UV-Licht, Chlorwasser, Bakterien, die sich bei Wärme rasch vermehren und Wind aus kühlenden Klimaanlagen verursachen häufig brennende und gerötete Augen. Experten verraten, wie die größten Gefahren gebannt werden.
Unsere Augen sind die Spezialisten unter den Organen. Sie können bis zu zehn Millionen Farben unterscheiden, haben an den Seiten und auf der Rückseite die schnellsten Muskeln des Körpers sitzen, und sie liefern uns zwei Drittel aller Sinnesinformationen über die Außenwelt. Dennoch sind wir oft leichtsinnig, wenn es um die Augengesundheit geht.

Vermehrten Stress für die Augen bringt jedes Jahr der Sommer. Sie sind häufiger gerötet, schmerzen und jucken, und in Tausenden von Fällen ist das Sonnenlicht schuld, wenn sich in den späten Jahren die Linse trübt. Lesen Sie, welche Gefahren jetzt lauern und wie Sie „lachenden Auges“ durch den Sommer gehen.

Zuviel UV-B-Licht „verbrennt“ die Augen
Die Augen leiden wie unsere Haut unter der energiereichen UV-Strahlung. Vor allem zur Urlaubszeit ist die Strahlung intensiv, sodass UV-Licht akute Erkrankungen wie chronische Schäden verursachen kann, schließlich wird es von Wasser und auf Sand reflektiert. Das erhöht die Intensität der Strahlung.

„Erleidet die Hornhaut einen Sonnenbrand, ist das schmerzhaft. Die Beschwerden treten innerhalb von acht Stunden nach der UV-Einstrahlung auf. Typisch sind starke Schmerzen, Rötungen, Juckreiz und Tränenfluss. Betroffene klagen über unscharfes Sehen, ein Fremdkörpergefühl in den Augen und eine starke Lichtempfindlichkeit. Der Gang zum Augenarzt ist unbedingt erforderlich. Ein Salbenverband und Bettruhe lindern den Sonnenbrand und die Beschwerden klingen meist innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder ab“, sagt Dr. Toam Katz, Facharzt für Augenheilkunde und refraktive Chirurgie sowie medizinischer Direktor von CARE Vision.

Er warnt vor Dauerschäden durch UV-Licht. „Die Sonnenstrahlen können die Eiweiße in der Linse verändern, wodurch eine Linsentrübung entsteht. Die Sehschärfe nimmt ab und die Betroffenen erkranken frühzeitig an einem Grauen Star. Ebenso kann die Netzhaut dauerhaft geschädigt werden. Sie degeneriert, was zur Erblindung führen kann. Der Mediziner spricht dann von einer Makuladegeneration.“

Der Expertenrat: Niemals direkt in die Sonne schauen. Das gilt vor allem für Kinder, die häufig unbedacht handeln. Der beste Schutz ist eine gute Sonnenbrille, denn die starken UV-Strahlen können Horn- und Netzhaut sogar durch das geschlossene Augenlid schädigen. Die Sonnenbrille sollte die Bezeichnung UV 400 tragen und die Augen rundum vor einfallenden Sonnenstrahlen schützen. Geht es in den Süden, ans Wasser, den Strand oder auf die Berge, ist ein Blendschutz der Kategorie 3 empfohlen. Das gilt auch für Kinder-Brillen.

Klimaanlagen trocknen die Augen aus
Die kühle Luft aus der Klimaanlage erfrischt uns, kann aber unsere Augen regelrecht austrocknen, denn die entfeuchtete kühle Luft entzieht auch den Schleimhäuten Feuchtigkeit. Die Folge ist, der Tränenfilm wird gestört. „Der gesunde Tränenfilm enthält keimtötende Substanzen und schützt vor Infektionen. Eine trockene Augenoberfläche wird aber wund. Das Auge wird nicht mehr ideal befeuchtet, und trockene Augen sind vermehrt infektionsgefährdet“, erklärt Dr. Todor Toschkov aus Wien. Fällt diese Schutz- und Pflegefunktion weg, sind brennende, juckende, gerötete Augen die Folge. Bei längeren Reizungen können, so Experten, Bindehaut- und Lidkantenentzündungen entstehen. Das ist schmerzhaft und kann im schlimmsten Fall zu Vernarbungen an der Hornhaut führen.

Der Expertenrat: In klimatisierten Räumen vergewissern, dass die Anlage für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgt. Notfalls einen Luftbefeuchter aufstellen. Augen regelmäßig frischer Luft aussetzen.

Keine Allergie, es ist Ozon
An heißen Tagen steigen regelmäßig die Ozonwerte. Ozon ist ein Gas, das in zehn Kilometer Höhe als natürliche Ozonschicht die Erde ummantelt und sie zum Teil vor dem UV-Licht schützt.

Am Boden hat Ozon aber keine Funktion und ist Hauptbestandteil des Sommersmogs. Es entsteht aus Sauerstoff und Luftschadstoffen, die vorwiegend aus Autoabgasen und der Industrie stammen. Erhöhtes bodennahes Ozon ist stark belastend. Es kommt insbesondere bei „Inversionswetterlagen“, etwa Smog in den Großstädten, und in der Nähe von elektronischen Geräten vor und reizt die Bindehaut. Die vorübergehenden Folgen sind eine leichte Rötung, ein Fremdkörpergefühl und unbeständige Sehleistungen. Ebenso ist mit trockenen Augen und eventuell einem Austrocknen der Kontaktlinsen zu rechnen.

Der Expertenrat: Bei erhöhten Ozon-Werten ab etwa 180 Mikrogramm pro Kubikmeter wenig im Freien aufhalten (Ozon-Information www.umweltbundesamt.at/ozonbericht).
Zu Mittag und am Nachmittag längere körperliche Anstrengungen vermeiden, Sport in der Früh ausüben. Nicht abends, nur in der Früh lüften. Zur Entlastung kühlende Umschläge auf die geschlossenen Augen legen und beruhigende Augentropfen aus der Apotheke nehmen.

Schwimmen mit Kontaktlinsen – Bakterien lauern in Seen und Teichen

Kontaktlinsen sind für Fehlsichtige deutlich beliebtere Sehhilfen beim Schwimmen als Brillen. Sie können weder beschlagen noch bespritzt werden. Doch beim Schwimmen sind wir oft nicht allein. Bakterien, Pilze, Algen und Parasiten haben im Wasser ihren natürlichen Lebensraum. Das kann Folgen haben.

„Schon kleinste Verletzungen der Hornhaut, etwa durch die Kunststofflinse, sind ideale Eintrittspforten für Bakterien. Aus diesem Grund ist bei trüben Naturgewässern besondere Vorsicht geboten. Wenn sich Wasser mit dem Tränenfilm mischt, gelangen Keime ins Auge, welche die natürliche Mikroflora stören. Die verdünnte Tränenflüssigkeit enthält zudem weniger Abwehrstoffe. Speziell das Schwimmen in exotischen Gewässern, wie etwa in den Sümpfen Floridas (USA), kann mit dem Risiko einhergehen, das Augenlicht schwer zu beschädigen“, warnt Dr. Anton Koller, Bundesinnungsmeister der Augenoptiker und
Optometristen. Während im Meer der Salzgehalt von etwa drei Prozent für ein gewisses Maß an Sicherheit sorgt, ist vom „Augenbad“ in chlorhaltigem Wasser abzuraten. Das Chlor im Wasser stört den Tränenfilm und reizt die Augen stark.“

Der Expertenrat: Kontaktlinsenträgern wird eine Schwimmbrille empfohlen. Wer das nicht möchte, sollte sich hochwertige, weiche Ein-Tages-Kontaktlinsen anpassen lassen und sie abends entsorgen.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung