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Ausgabe Nr. 28/2018 vom 10.07.2018, Foto: Getty Images
Immer mehr Quallen tauchen auf
Brennnesseln der Meere
Mit schöner Regelmäßigkeit tauchen an den Küsten Europas wundersame Wesen auf, die Badegästen nervöse Zuckungen entlocken und ihnen das Schwimmen im Meer vermiesen. Die Rede ist von Quallen, den außerirdisch wirkenden Nesseltierchen. Die hochgiftige „Portugiesische Galeere“ sorgte heuer bereits mehrmals für ein tagelanges Badeverbot an den Stränden der spanischen Baleareninsel Mallorca.
Fisch gibt‘s in den Meeren nur noch wenig, Quallen dafür umso mehr. Anmutig bewegen sie sich durchs Wasser, sie glitzern, leuchten, wirken federleicht. Und sie gehören zu den ältesten Tieren der Erdgeschichte, die durch ihre Anpassungsfähigkeit schon seit mehr als 500 Millionen Jahren durch die Ozeane „geistern“.

Schließlich haben die geleeartigen Wesen weder mit der zunehmenden Verschmutzung der Weltmeere ein Problem, noch kümmert sie der Klimawandel. Im Gegenteil.

„Je wärmer das Wasser wird, umso stärker vermehren sie sich“, berichtet der Quallenexperte Dr. Gerhard Jarms in seinem Buch „World Atlas of Jellyfish“ („Weltatlas der Quallen“). Doch werden die durchsichtigen Schönheiten einmal an Land gespült, präsentieren sie sich oft als unansehnliche, unförmige Masse.

Viele Menschen ekeln sich vor diesen Meeresbewohnern und suchen schon allein deshalb größtmöglichen Abstand. Manchmal ist der auch dringend nötig, „immerhin sind einige von den weltweit rund 2.500 Arten für uns Menschen hochgiftig“, warnen Meeresbiologen. So hinterlässt etwa der Hautkontakt mit einer „Portugiesischen Galeere“, einer pazifischen Quallenart, die inzwischen auch das Mittelmeer für sich entdeckt hat, peitschenhiebähnliche Quaddeln und starke Schmerzen

Erst vor wenigen Tagen mussten deshalb wieder mehrere Strandabschnitte im spanischen Urlaubsparadies Mallorca gesperrt werden. Am gefährlichsten für Strandurlauber ist jedoch die „Seewespe“, die vor Australien, den Philippinen und Japan im Indopazifik schwimmt. „Sie trägt in ihren bis zu 60 Tentakeln so viel Gift, dass sie damit theoretisch 250 Menschen auf einmal töten könnte“, weiß der australische Quallenforscher Jamie Seymour. Um sich vor diesem gefährlichen Meeresbewohner zu schützen, werden am fünften Kontinent ganze Buchten mit Schutzzäunen abgesperrt und Schwimmer wagen sich nur noch mit Ganzkörperanzügen und Kapuzen ins Wasser.

„Berühren Quallententakeln ein Opfer, schießen aus Hunderttausenden von Nesselkapseln im Bruchteil einer Sekunde winzige Injektionsnadeln heraus, die sich in die Haut bohren und das Gift übertragen. Die Beute wird gelähmt und kann dann in aller Ruhe ohne Gezappel verputzt werden“, sagt der Experte. Die kleinsten Quallen haben nur einen Durchmesser von knapp einem Millimeter, die größten von mehreren Metern. Die meisten Arten werden auch nur ein knappes Jahr alt und leben in den obersten Wasserschichten, die Tiefseequalle kommt hingegen in bis zu 6.000 Metern Tiefe vor. Gemeinsam ist all diesen Wesen, „dass sie zu fast 99 Prozent aus Wasser bestehen“, weiß Jamie Seymour. hwie
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