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Ausgabe Nr. 28/2018 vom 10.07.2018, Foto: picturedesk
Chris Lohner wurde am 10. Juli 1943 in Wien geboren. Bekanntheit erlangte sie als Fernseh-Moderatorin des ORF. Sie ist aber auch als Schauspielerin und Autorin tätig. Die nun 75jährige lebt mit ihrer Hündin „Shirley“ allein in Wien. Ihre langjährige Freundschaft zu einem französischen Arzt ist noch aufrecht. „Wir treffen uns allerdings nur noch sporadisch“, meint Lohner. „Ich lebe mit meinem Hund und das ist wunderbar. Der Mensch braucht seinen Freiraum.“ Im kommenden Jahr erscheint ein Buch über ihre Hündin „Shirley“.
„Ich brauche acht Stunden
Schlaf“
Chris Lohner ist Schauspielerin, Moderatorin, Autorin, Kabarettistin, charmante ÖBB-Stimme und Botschafterin von „Licht für die Welt“. Der rüstigen Wienerin ist das Alter nicht anzusehen und doch feiert sie dieser Tage mit Freunden ihren 75. Geburtstag.
Frau Lohner, Sie haben im Jahr 2016 ein neues, rechtes Knie bekommen und erzählt, dass Sie darauf bauen, auch wieder Tennis spielen zu können. Ging dieser Wunsch in Erfüllung?
Mittlerweile ist zum Glück wieder alles bestens. Leider habe ich als Reaktion auf das kaputte Knie dann auch noch eine neue Hüfte bekommen. Diese Operation musste ich damals im Juli über mich ergehen lassen, im September stand ich schon wieder auf der Bühne. Die Rückkehr auf den Tennisplatz dauerte länger, denn das ständige abrupte stehenbleiben und wieder sprinten ist schon für das gesunde Knie nicht gut.

Sie erwecken den Eindruck, allen Situationen in Ihrem Leben mit Leichtigkeit zu begegnen, stimmt das?
Es bringt nichts, lange zu grübeln. Es ist wichtig, sich den Dingen zu stellen und so gut es geht durchzukommen. In jedem Leben gibt es ein Auf und Ab, das ist ganz normal. Das Ab macht ja leider vor niemandem Halt.

Gibt es eine Phase in Ihrem Leben, in der Sie besonders glücklich waren?
Das kann ich gar nicht sagen. Es gibt zum Glück immer wieder Dinge, die mich glücklich machen, die mit Geld nicht zu kaufen sind, die aber eine gute Stimmung machen. Ob das die Sonne ist, die vom Himmel lacht, oder ob es ein schöner Spaziergang ist. Meist sind es die Dinge, die nichts kosten, die einem Freude machen.

Sie schätzen also ebenso die kleinen Dinge im Leben?
So klein sind die meiner Meinung nach gar nicht. Wenn die Sonne jeden Tag aufgeht, ist das keine kleine Sache. Natürlich trägt auch meine Hündin „Shirley“ zu meiner täglichen Freude bei. Es macht Spaß, mit einem Haustier zu leben. Tiere wärmen einem das Herz.

Stimmt es, dass Sie eine Spätaufsteherin sind?
Es gibt Morgen- und Abendmenschen. Ich glaube, dass wird uns in die Wiege gelegt. Ich bin gegen Abend hin viel produktiver. Leider müssen sich viele Menschen für ihren Beruf umerziehen, aber ich glaube, dass jeder von sich aus eine Zeit hätte, die für ihn stimmig ist.

Sind Sie der Meinung, dass ältere Menschen weniger Schlaf brauchen?
Ich kann das nicht unterschreiben. Ich bin ein älterer Mensch, brauche aber meine acht Stunden Schlaf.

Bis vor ein paar Tagen waren Sie Erzählerin im Musiktheaterstück „Rocky Horror Show“ an der Grazer Oper …
Genau, es war das vierte Mal, dass ich die Erzählerin in diesem Stück gegeben habe. Sonst sind es immer nur Männer – ich bin die einzige Frau in unserem Land, die als Erzählerin auf der Bühne steht. Das Stück ist Kult und nach wie vor aktuell, obwohl die erste Aufführung bereits 40 Jahre her ist. Es ist ein zeitloses Stück, in dem es um Sex, Liebe und Freizügigkeit geht. Es geht um Freiheit – der Leitsatz des Stückes lautet: „Don‘t dream it, be it“. Übersetzt bedeutet das, dass wir nicht nur träumen sollen, sondern unsere Träume verwirklichen sollen.

Ist Ihnen das in Ihrem Leben gelungen?
Vielleicht nicht hundertprozentig, aber zum Großteil auf alle Fälle. Ich habe nie nur vor mich hingeträumt, sondern versucht, etwas aus meinen Träumen zu machen.

Gibt es einen Traum, den Sie gerne noch verwirklichen würden?
Ich freue mich über jeden Tag. Ich bin ein absoluter „Jetzt“-Mensch. Und versuche jeden Tag zu genießen. Einen Wunsch hätte ich, aber den kann mir keiner erfüllen. Ich würde gerne alle Sprachen beherrschen, denn dann könnte ich mich – sobald ich in ein neues, fremdes Land komme – mit allen Menschen unterhalten. Das würde sofort einen anderen Zugang zu den Menschen bedeuten.

Sie sind bereits seit 18 Jahren ehrenamtliche Botschafterin für „Licht für die Welt“. Welches Land haben Sie für diese Hilfsorganisation zuletzt besucht?
Im September war ich in Mosambik. Mit Hilfe eines Großspenders haben wir dort in der Stadt Beira die größte Augenklinik des Landes gebaut. Denn die alte ist sprichwörtlich aus allen Nähten geplatzt. Auch wenn die Menschen kein Geld für den Bus haben, ziehen sie einfach los und sind oft eine ganze Woche zu Fuß unterwegs, um Hilfe für ihren Grauen Star oder ihre anderen Augenleiden zu bekommen. Das ist bewundernswert.

Wie kam es zu Ihrem Engagement für diese Hilfsorganisation?
Ich wurde von der Organisation angesprochen, ob ich ehrenamtlich tätig sein möchte. Daraufhin meinte ich, dass ich das nur mache, wenn ich etwas bewegen kann. Nur auf Plakaten abgebildet zu sein, war mir zu wenig. Und dann habe ich im Jahr 2001 meine erste Reise nach Äthiopien gemacht. Zu sehen, wie manche Menschen leben müssen, trifft einen mitten ins Herz. Andererseits ist es erstaunlich, was diese armen Menschen aus dem Wenigen, das sie haben, machen, und wie fröhlich sie sein können. Auch wenn die meisten nur die Kleider besitzen, die sie am Körper tragen, verfügen sie dennoch über viel Lebensfreude. Das ist berührend, denn bei uns raffen die Menschen ein Konsumgut nach dem anderen an sich – dadurch vergrößert sich aber der Abstand zum Nächsten, denn jeder hat nur noch Angst, dass ihm etwas weggenommen wird.

Sie wurden im Jahr 1943 geboren. Halfen sich die Menschen in der Nachkriegszeit gegenseitig mehr als heute?
Ja, damals waren die Menschen viel näher beieinander als heute. Das Wenige, das sie hatten, haben sie miteinander geteilt. Ich habe mit meiner Großmutter am Laaer Berg in Wien für das Abendessen Brennnesseln gepflückt. Daraus haben wir uns Spinat gemacht. Das war eine andere Zeit. Ich möchte diese Erfahrungen nicht missen, denn dadurch habe ich eine gewisse Form von Bescheidenheit und Demut mitbekommen. Es wurde auch länger gespart, um sich etwas kaufen zu können. Die Menschen hatten dadurch vielleicht auch mehr Freude daran.

Anlässlich Ihres 75ers organisieren Sie dieser Tage ein Geburtstagsfest, zu dem Sie 150 Gäste eingeladen haben. Sie erbitten aber statt eines Geschenkes eine Spende von 30 Euro für „Licht für die Welt“…
So ist es. Ich möchte keine Blumen und keine Geschenke. Ich brauche nichts mehr. Ich habe mir einen Haushalt aufgebaut, der reicht mir. Besitz ist anstrengend und verursacht einen Abstand zum anderen. Besitz belastet. Viele Menschen leben in ständiger Angst, ihnen könnte etwas weggenommen werden. Das brauche ich nicht, ich kann ohnedies nichts ins Grab mitnehmen. Es macht Sinn zu spenden. Mit 30 Euro kann eine Graue-Star-Operation durchgeführt werden. Wenn jemand, der es sich leisten kann, 30 Euro spendet, finde ich das großartig und sage jetzt schon einmal danke.

Haben Sie noch neue Projekte?
Derzeit ist meine erste Fotoausstellung im Restaurant Hansen in Wien zu sehen. Bis Ende August werden dort meine Fotoarbeiten zum Thema „Holz“ gezeigt. Im April 2019 beginnen die Proben für „Orpheus in der Unterwelt“ an der Volksoper Wien. Ich habe die Rolle der „Öffentlichen Meinung“ inne. Darauf freue ich mich.
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