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Ausgabe Nr. 27/2018 vom 03.07.2018, Foto: Julian Mullan, duty
Maria Langmaier, Rolf Gleissner
Ist die Sonntagsruhe in Gefahr?
Im neuen Arbeitszeitgesetz ist nicht nur die tägliche Höchstarbeitszeit von zwölf Stunden festgeschrieben, sondern auch „Ausnahmen von der Wochenend- und Feiertagsruhe an vier Wochenenden oder Feiertagen“, wenn es vorübergehend einen „besonderen Arbeitsbedarf“ gibt. Damit wird die Sonntagsarbeit „die neue Realität für alle, nicht bloß für Beschäftigte in bestimmten Branchen“, kritisiert die „Allianz für den freien Sonntag“. Auch die Bischöfe üben heftige Kritik an der Änderung.
Ja: Maria Langmaier,
Allianz für den freien Sonntag

„Ja, der Sonntag, aber auch gesetzliche Feiertage, sind in Gefahr. Mit den geplanten Änderungen durch die Regierung wird ein gesellschaftlicher Konsens aufgekündigt. Entgegen den Versprechungen, dass damit Familie und Beruf besser vereinbar seien, gefährdet die Aufweichung der Sonn- und Feiertagsruhe die Interessen von Familien, Freizeitorganisationen und Religionsgemeinschaften massiv. So dürfen mit der neuen Regelung Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an bis zu drei Sonntagen hintereinander zur Arbeit herangezogen werden oder bis zu zwölf Tage durcharbeiten und das in allen Berufsgruppen. Verschärfend kommt noch dazu, dass für Arbeitnehmer die Freiwilligkeit der Überstundenleistung nicht mehr gewährleistet ist. Wir dürfen nicht auf unsere Arbeitskraft reduziert werden. Wir brauchen verlässlich freie Zeiten für uns, für Muße und Erholung, aber auch, um gesellschaftlich aktiv werden zu können. Wir brauchen gemeinsame freie Zeit für unsere Beziehungen, Familien und Freunde. All dies sichert uns der freie Sonntag. Und darum treten wir als Allianz für den freien Sonntag entschieden gegen diesen Dammbruch auf.“

Nein: Rolf Gleissner,
Wirtschaftskammer

„Geplant ist, dass bei besonderem Arbeitsbedarf eine Beschäftigung an bis zu vier Wochenenden oder Feiertagen mit dem Betriebsrat oder mit den einzelnen Mitarbeitern schriftlich vereinbart werden kann. Ein Industriebetrieb berichtete etwa: Am Freitag kam der kurzfristige Auftrag eines wichtigen Kunden aus Übersee und die Ergänzung ,Use your weekend‘ (Nutzt euer Wochenende). Geschäftsleitung und Betriebsrat waren sich einig, immerhin gibt es für Sonntagsarbeit hohe Zuschläge und den Anspruch auf andere freie Tage. Aber das Gesetz erlaubt es nicht. Nun wird es bis zu viermal im Jahr möglich. Aber nicht einfach so. Erstens, es geht nur bei vorübergehendem, besonderem Arbeitsbedarf. Zweitens, es ist mit Betriebsrat oder Mitarbeiter zu vereinbaren. Drittens, Mitarbeiter erhalten zumindest den doppelten Lohn, das sehen Gesetz und Kollektivverträge vor. Viertens, jeder Mitarbeiter kann den Einsatz ablehnen und darf deshalb nicht benachteiligt werden. Fünftens, für den Verkauf gilt es nicht, also keine offenen Geschäfte an Sonntagen. Kurz, es ist ein Gewinn für jeden, für Standort, Betriebe und Mitarbeiter und keine Gefahr für die Sonntagsruhe.“
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