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Ausgabe Nr. 27/2018 vom 03.07.2018, Fotos: www.stefanjoham.com, Christian Husar
Kristina Sprenger hat im Stück „Boeing Boeing“ Liebschaften mit drei Piloten.
So kommen Sie zu Karten für „Boeing Boeing“
Tel.: 2672 822 53-43; www.buehnen-berndorf.at. „Boeing Boeing“ wird gespielt von 1.8. bis 2.9.
„Guter Humor macht Männer erotisch“
Das Theaterstück „Boeing Boeing“ aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist ein Klassiker. Ebenso berühmt ist dessen Verfilmung mit Tony Curtis in der Hauptrolle, der als Journalist zeitgleiche Liebschaften mit drei Stewardessen hat. Die Frauen wissen freilich nichts voneinander. Dann wird es turbulent, weil sich die Flugpläne ändern und sich die Damen die Klinken in der Wohnung des Playboys in die Hand geben. Im Stadttheater Berndorf (NÖ) wird‘s in diesem Sommer ebenfalls hektisch. Denn die Intendantin Kristina Sprenger, 41, bringt ab 1. August „Boeing Boeing“ auf die Bühne, allerdings dreht sie den Spieß um. Ihr liegen als Protagonistin drei Flugkapitäne zu Füßen.
Frau Sprenger, sind Sie heuer schon geflogen?
Ja, zu Ostern, ich verbrachte mit meiner Familie einen schönen Urlaub auf der Insel Mauritius. Wir müssen unsere Fernreise immer recht früh im Jahr machen, weil sonst keine Zeit dafür bleibt. Im Sommer stehe ich ja auf der Bühne.

Fliegen Sie gerne?
Ich habe keine Angst davor, bin aber jedes Mal froh, wieder am Boden zu sein. Als Flugbegleiterin wäre ich nicht geeignet. Wenn ich zu den Eltern nach Innsbruck (Tirol) reise, nehme ich den Zug.

Haben Sie Ihren Piloten auf dem Flug nach Mauritius kennengelernt?
Leider nicht, dabei wirken Piloten durchaus anziehend. Das ist der Reiz der Uniform (lacht).

Und worin liegt der Reiz der weiblichen Verführung?
Für Bernadette, die Hauptperson in unserem Stück „Boeing Boeing“, sicher im Abenteuer, drei Liebhaber zu haben. Es sind drei Piloten, ein romantischer Franzose, ein smarter Amerikaner und ein leidenschaftlicher, etwas jähzorniger Russe.

Welcher ist der bessere Liebhaber?
Nun ja, es wird den Franzosen nachgesagt, die besten Liebhaber zu sein. Wir bedienen die Klischees wie es der Autor des Stückes, der Franzose Marc Camoletti, in seiner Originalfassung schon getan hat. Bei ihm hatte ein Mann die Hauptrolle inne, der ein Gspusi mit drei Stewardessen hat, einer Französin, einer Deutschen und einer Engländerin. Wer letztlich der bessere Liebhaber ist hängt wohl von der persönlichen Meinung ab. Die Herren aus unserem Land kommen bei Umfragen ja nicht so gut weg.

Ist der österreichische Mann zu langweilig?
Ich glaube, dass bei derartigen Umfragen stets die Südländer vorne liegen. Die Italiener kommen mit ihrem „Amore“ daher und auch die Spanier scheinen ihren Reiz zu haben. Mir gefallen die Österreicher, weil sie einen guten Schmäh draufhaben und ich auf heitere Männer stehe. Mit meinem Mann (Gerald Gerstbauer, Anm. d. Red.) kann ich Gott sei Dank viel lachen. Ein guter Humor macht Männer erotisch.

Der Österreicher verführt also mit Schmäh?
Das glaube ich, ja. Solange die Verführung selbst nicht ein Schmäh ist, hat er durchaus seinen eigenen Charme.

Welche Reize setzen Sie ein?
Ich bin verheiratet …

Gut, aber auch Ihren Mann müssen Sie irgendwie „gelockt“ haben?
Zum Glück hat das nicht lange gedauert (lacht). Nun ja, attraktiv gekleidet zu sein, schadet nicht. Ebensowenig eine gute Figur.

Sie sind nicht nur Intendantin des Sommertheaters in Berndorf (NÖ), sondern verkörpern im adaptierten Stück die Hauptdarstellerin Bernadette, die im Beruf Chefredakteurin eines Modemagazines ist. Mit welchen Reizen locken Sie im Stück „Boeing Boeing“?
Die Bernadette hat es faustdick hinter den Ohren. Sie verführt mit aufreizender Kleidung und ihrer neckischen Art. Sie nimmt das Leben leicht, lebt in den Tag hinein, das macht sie attraktiv. Eine sexuelle Komponente gibt‘s freilich auch …

Lässt sie einmal die Hüllen fallen?
(lacht) So weit kommt es nicht, wir bleiben jugendfrei. Aber ein bisschen Haut wird schon gezeigt.

Bernadette hält Monogamie für ein überholtes Lebensmodell. Was ist schlecht daran, nur eine Beziehung zu haben?
Ich persönlich bin verheiratet und lebe monogam. Ich hatte zwar keine Lust, schon mit 22 Jahren in den Stand der Ehe zu treten, sondern erst mit 34 „Ja“ zu sagen. Auf diese Weise habe ich ein bisschen was erlebt, mir die Hörner abgestoßen. Die Monogamie lebt sich nicht so einfach, die Partner müssen schon ein bisschen arbeiten, denn sie ist keine Selbstverständlichkeit. Bernadette dagegen möchte sich nicht binden, weil sie ein selbstständiger Mensch ist. Ich kenne auch Junggesellinnen und Junggesellen, die mit Anfang, Mitte 40 ebenso leben. Die einfach sagen, Familie ist mir nicht wichtig. Es gibt eben flatterhafte Menschen, wie die Bernadette. Wenn dieser Lebensstil auf beidseitigem Einverständnis beruht, ist dagegen nichts einzuwenden. Im Stück wird es aber problematisch, weil die drei Liebhaber nichts voneinander wissen, aber eines Tages allesamt bei Bernadette daheim auftauchen. Da hat sie natürlich alle Hände voll zu tun, den einen vor den anderen zu verstecken. Das ist das Schöne an diesem Boulevard-Klassiker, die Stricke ziehen sich immer enger um den Hals des Hauptdarstellers oder bei uns der Hauptdarstellerin, je weiter das Stück voranschreitet.

Eine Herausforderung …
Ich denke mir das immer wieder bei Menschen, die zweigleisig fahren: Das muss doch irrsinnig anstrengend sein, neben dem Partner noch eine Liebschaft zu haben. Ich hätte ein schlechtes Gewissen und Mühe, die Termine zu koordinieren. Zudem darfst du dich ja nicht verraten, dass ist in Zeiten von Kurznachrichten auf dem Mobiltelefon, also SMS oder WhatsApp gar nicht so einfach. Mein Gott, wenn du da irrtümlich die falsche Adresse verwendest, fliegt der ganze Schwindel auf. Da ist höllisch aufzupassen. Mein Nervenkostüm wäre dazu nicht geeignet. Bernadette dagegen findet dieses Situation toll, sie liebt diesen Nervenkitzel. Das kann ich wiederum verstehen, denn das Geheimnisvolle hat seinen Reiz.

Dem konnte der amerikanische Schriftsteller Henry Miller, er war fünf Mal verheiratet, bestimmt etwas abgewinnen. Er meinte einmal: „Der Unterschied zwischen Monogamie und Monotonie liegt darin, dass Monotonie etwas interessanter ist.“ Stimmen Sie zu?
Es gibt Menschen, die ihre Jugendliebe geheiratet haben und ein Leben lang zusammenbleiben. Ich bewundere das, aber ich hätte mit 20 Jahren nicht heiraten können. Ich bin froh über jene Erfahrungen, die ich gemacht habe, bevor ich meinen Mann kennenlernte. Erfahrung macht klug und ich kann heute besser abschätzen, ob eine Beziehung passt. Meine passt. Deshalb habe ich kein Problem, sollte meine Tochter Rosa nicht mit 24 Jahren heiraten wollen.

Ein monogames Leben zu führen ist möglich?
Wer in einer Partnerschaft lebt, unabhängig davon, wie lange sie dauert, lebt partiell monogam. Immer, abgesehen von jenen, die den Partner besch …

Würden Sie sagen, dass Bernadette die drei Piloten betrügt?
Nein, sie ist mit keinem verlobt und hat keinem der Piloten die ewige Treue geschworen. Sie interpretiert die freie Liebe nach ihren Regeln. Und – die Piloten sind ebenfalls keine Kinder von Traurigkeit. Das stellt sich im Verlauf der Handlung heraus.

Bei uns würden wir sagen, Bernadette ist schon ein „Flitscherl“ …
… ja, aber warum sagen wir das? Wenn ein Mann drei Freundinnen hat, wird ihm das nicht übelgenommen. Im Gegenteil, der wird als Held dargestellt, weil er sich drei „Hasen“ aufgerissen hat.

Es wird also nach wie vor mit zweierlei Maß gemessen?
Ja, einem Mann verzeihen wir Seitensprünge viel eher als einer Frau. Ihr hängt das „Fremdgehen“ länger nach und es wird ihr übel genommen. Bei einer Frau liegt die moralische Latte viel höher. Das finde ich unfair.

Liegt‘s an der Evolution? Im Tierreich gehen die Männchen fremd, um den Fortbestand der Art zu sichern?
Seit dem Entstehen der Erde sind aber doch schon ein paar Jährchen ins Land gezogen und wir sollten uns weiterentwickelt haben (lacht).

Also dient Ihre Interpretation des Stückes der Befreiung der Frau?
Ach Gott, das würden Frauenrechtlerinnen wohl nicht unterschreiben. Nein, ich wollte lediglich das Geschehen umdrehen und für einen heiteren Theaterabend sorgen. So wurde „Boeing Boeing“ noch nie gezeigt. Das Stück ist unglaublich lustig.

Wie geht das Verwirrspiel aus?
Ein Pilot schnappt sich die Freundin der Bernadette, die im Stück auch eine wichtige Rolle spielt, der zweite geht zurück zu seinen anderen Liebschaften und der dritte bleibt bei ihr.

Welcher wird das sein?
Das verrate ich nicht.
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