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Ausgabe Nr. 27/2018 vom 03.07.2018, Foto: Fotolia
10 Mythen rund ums Schwitzen
Wir sind „Butterstinker“
Schweißdrüsen sind eine Besonderheit der Natur. Nur wenige Lebewesen besitzen diese Klimaanlage, die beim Menschen aus drei Millionen Drüsen besteht. Groß ist auch die Zahl der Irrtümer rund um den Schweiß.
Rund drei Millionen kleinster Drüsen in unserer Haut verdanken wir bei hohen Temperaturen unser Überleben. Denn die Schweißdrüsen verhindern, dass wir überhitzen und sterben, sei es durch Sonneneinstrahlung, in der Sauna oder bei innerer Hitze, etwa durch Fieber.

„Für die lebensnotwendige Abkühlung sind unsere ‚ekkrinen‘ Schweißdrüsen verantwortlich. Sie sitzen wie kleine Knäuel angeordnet über den Körper verteilt in unserer Haut und sondern, sobald die Körpertemperatur steigt, ihr wässriges Sekret ab. Sein Verdunsten kühlt unseren Körper schließlich ab. Zu ihnen gesellen sich die sogenannten apokrinen Schweißdrüsen, die aber nur in den Achseln, im Intimbereich und ein wenig um den Nabel sitzen. Sie werden erst ab der Pubertät aktiv und sind Duftdrüsen, die bei Erregung, Wut und Nervosität aktiv werden. Ihr Sekret ist milchiger, nicht so flüssig und mit Duftstoffen versetzt, die in unserer nicht-sprachlichen Kommunikation wichtig sind. Im Gegensatz zum sauren Sekret der ekkrinen Drüsen kann der Schweiß der ‚Duftdrüsen‘ rasch von Bakterien zersetzt werden, was meist einen unangenehmen Geruch zur Folge hat“, erklärt Dozent Dr.Paul Sator, Leiter der Ambulanz für Psoriasis im Krankenhaus Wien Hietzing.

Obwohl unser eingebauter Kühlmechanismus meist hervorragend funktioniert und Wichtiges leistet, ist er mit reichlich Vorurteilen belegt. Wir beleuchten einige der Mythen und lassen sie von Dr. Sator richtigstellen.

„Schweiß hat einen schlechten Geruch“
Das kann passieren. Das Sekret aus den apokrinen Schweißdrüsen („Duftdrüsen“) ist im Gegensatz zum Schweiß der ekkrinen Schweißdrüsen nicht sauer. Deshalb ist es leicht durch Bakterien zersetzbar. Dabei kann ein „strenger“ Geruch entstehen, denn die Bakterien zerlegen die langkettigen Fettsäuren in Butter- und Ameisensäure. Vor allem Buttersäure riecht stark unangenehm. Weil die Bakterienflora bei jedem individuell ist, hat jeder Mensch „seinen“ Körpergeruch.

„Sportler schwitzen weniger“
Falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Sportler schwitzen effizienter und schneller. Sie verfügen über „trainierte“ Schweißdrüsen, die bei Anstrengungen flexibel eingeschaltet werden. Grund hierfür ist eine Art „thermoregulatorisches Gedächtnis“. Bei Beginn der körperlichen Belastung erinnert sich das Gehirn an den zu erwartenden Temperaturanstieg. Die Drüsen werden vorsorglich mit der Schweißproduktion beauftragt. Dieser „Einsatzbefehl“ erfolgt bei Untrainierten erst, wenn die Wärmesensoren im Körper den Temperaturanstieg melden.

„Durch Schwitzen entgiftet der Körper“
Nein. Abbauprodukte des Stoffwechsels werden über die Nieren und die Leber entsorgt. Die Haut übernimmt nur zwei Prozent des Entgiftungsprozesses. Schweiß besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Der Rest sind Mineralstoffe, Salze, Aminosäuren, geringe Mengen Harnstoff, Eiweiß und Fettsäuren, aber weder Schwermetalle noch Alkohol, Nikotin oder Cholesterin.

„Schwitzen hilft beim Abnehmen“
Falsch. Beim Schwitzen, ob in der Sonne, Sauna oder beim Sport verliert der Körper nur Flüssigkeit. Es werden keine Kalorien oder Fett abgebaut. Der Flüssigkeitsverlust, der zwischen 100 ml und 500 ml pro Tag, bei großer Anstrengung bis zu zwei Liter betragen kann, macht sich auf der Waage bemerkbar.

„Dicke Menschen schwitzen mehr“
Ja und Nein. Schweiß kühlt den Körper, wenn die Tempe-
ratur im Inneren zu hoch wird. Dicke wie dünne Menschen schwitzen gleich, außer bei körperlicher Aktivität. Sport oder kurze Wege zu Fuß bedeuten für Dicke mehr körperliche Anstrengung. Dadurch steigt ihre Körpertemperatur schneller an, es wird mehr Schweiß gebildet.

„Frauen und Männer schwitzen gleich stark“
Stimmt nicht. Beim Schwitzen spielt das männliche Hor-
mon Testosteron eine bedeutende Rolle, denn es öffnet die Schweißkanäle. Männer schwitzen daher schneller und mehr als Frauen. Das weibliche Hormon Östrogen wirkt gegenteilig. Erst in den „Wechseljahren“, wenn sich der Anteil des Testosterons erhöht, neigen Frauen zu vermehrtem Schwitzen, mit Hitzewallungen.

„Unter den Achseln schwitzen wir am meisten“
Falsch. Die meisten Schweißdrüsen befinden sich in den Ellenbeugen, auf den Handflächen und Fußsohlen, mit 700, 360 und 370 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter Haut. In der Achselhöhle sind es 120 bis 150 Schweißdrüsen. Die Achseln sind aber meist von den Oberarmen bedeckt, so dass der Schweiß kaum verdunstet. Die Schweißflecken auf der Kleidung machen den Eindruck, dort besonders viel zu schwitzen.

„Männlicher Schweiß riecht intensiver“
Stimmt. Zwischen weiblichem und männlichem Körper-
geruch gibt es Unterschiede. Frauen entwickeln dank der Östrogene einen süßlich geprägten Geruch, Männer aufgrund des Testosterons einen herben. Eine Schweizer Studie belegte, dass der weibliche „Duft“ einen hohen Anteil an Schwefel enthält, der im Zusammenspiel mit Hautkeimen und Schweiß sogenannte Thiole bildet. Deren Geruch erinnert an Zwiebeln oder Knoblauch. Männlicher Körpergeruch basiert eher auf Fettsäuren, die typischerweise nach Käse riechen. Studien haben ergeben, dass der männliche Duftdrüsen-Schweiß sechs Mal mehr Androstenon (stark riechendes Abbauprodukt des Testosterons) enthält als Frauen. Deshalb entwickeln Männer stärkeren Körpergeruch als Frauen.

„Asiaten haben keine ‚Duftdrüsen‘“
Stimmt bedingt. Laut internationalen Studien verfügen die Menschen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht über die gleiche Anzahl von Schweißdrüsen. Koreaner haben fast gar keine apokrinen Schweißdrüsen („Duftdrüsen“) und daher kaum Körpergeruch. Chinesen haben wenige, Japaner mehr, Weiße noch mehr und Schwarze am meisten. Europäer und Amerikaner gelten bei Japanern als „Butterstinker“. Studien haben auch gezeigt, dass Ethnien, die ursprünglich in heißen Gebieten leb(t)en, weniger schwitzen. Wohl ein evolutionärer Weg, zu hohen Wasserverlust zu vermeiden.

„Im Alter schwitzen wir weniger“
Das stimmt. Im Lauf des Lebens altern die Schweißdrüsen, sie sind weniger aktiv. Daher müssen ältere Menschen bei hohen Temperaturen darauf achten, nicht zu überhitzen. Schwitzen kann aber trainiert und das Altern der Drüsen verlangsamt werden, durch Sport oder Saunagänge.
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