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Ausgabe Nr. 25/2018 vom 19.06.2018, Fotos: Steiermark Tourismus/Gery Wolf, Markus Flicker/foto-MAXL.at, Christian Strassegger
Mit der Schmalspurbahn in der Steiermark
unterwegs
Aus dem ehemaligen Dienstwagen wurde ein Eisenbahnhotel.
Einfache Fahrt: 16 Euro p. Erwachsenem, Kinder von 6–15 Jahren 7,50 Euro, Kinder bis 6 Jahre frei

Hin- und Rückfahrt: 19 Euro p. Erwachsenem, Kinder von 6–15 Jahren 9 Euro, Kinder bis 6 Jahre frei, Rad-transport gratis, Mitnahme von Hunden erlaubt (Beißkorbpflicht)

Information: Reservierung empfehlenswert, Tel.: 0664/88291066,
www.feistritztalbahn.at
Dampfend durchs Feistritztal
Über Viadukte und Tunnel hindurch rollt die Feistritztalbahn (Stmk.). Der Zug ist samstags zwischen Weiz und Birkfeld unterwegs. Die 24 Kilometer lange Fahrt kann mit dem Besuch einer Schokoladenmanufaktur, dem Bestaunen eines Waggonhotels und einem Radausflug kombiniert werden.
Wer früher ins steirische Feistritztal wollte, für den gab es nur eine öffentliche Möglichkeit. Er musste sich mit der Postkutsche hinbringen lassen. Die Fahrt war vor allem im Winter aufgrund von Schnee und Eis äußerst beschwerlich. Am 15. Dezember 1911 wurden die Pferde und ihre Kutscher von einer Dampflokomotive abgelöst. Ab sofort versah die Feistritztalbahn ihren Dienst.

Die 24 Kilometer lange Strecke zwischen Weiz und Birkfeld wurde innerhalb von nur 27 Monaten gebaut. Inklusive vier Bahnhöfe, drei Tunnel und neun Viadukte. In Weiz geht die Fahrt los. Die Passagiere nehmen in den Personenwagen Platz, die mit Holzbänken ausgestattet sind. Damit das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, ist immer ein eigener Barwagen mit dabei.

In einem großen Bogen umfährt die Schmalspurbahn die Stadt Weiz, erklimmt die erste Steigung und gibt eine schöne Aussicht auf die barocke Wallfahrtskirche am Weizberg preis. Unmittelbar nach Büchl verschwindet der Zug erstmals im Wald und steuert das Glanzstück der Strecke an, das Grub-Viadukt. „Es ist 275 Meter lang, hat 13 Bögen und ist das erste Viadukt der K.-u.-k.-
Monarchie, das komplett aus Beton gebaut wurde“, erzählt Alexandra Schönauer, Geschäftsführerin der Feistritztalbahn.

Kurz nach dem Grub-Viadukt wartet schon die nächste Attraktion auf die Ausflügler. Stockdunkel wird es, nachdem der Zug in den Hart-Puch-Tunnel eingefahren ist. Licht am Ende des Tunnels erscheint erst wieder nach 222 Metern. Langsam, aber stetig geht es danach bergab durch den Wald ins Feistritztal, vorbei an Schloss Külml und über das Feistritz-Viadukt.

Kurz darauf legt die schwarzlackierte Lok eine Verschnaufpause in Anger ein. „Es wird Wasser nachgetankt, damit sie den steilen Anstieg nach Birkfeld schafft“, erklärt Schönauer. Die Passagiere können dabei zusehen und sich nebenbei über ein Schild amüsieren, auf dem „Kein weiter Weg, kein langer, statt Mallorca Anger“ zu lesen ist.

In Anger gibt es noch eine weitere Sehenswürdigkeit zu bestaunen. Und zwar ein Eisenbahnhotel. Ein Dienstwagen der Feistritztalbahn wurde umgebaut und dient nun als Übernachtungsmöglichkeit. Betrieben wird der originelle Schlafplatz vom Hotel „Angerer-Hof“.

Das Waggonhotel ist das einzige Schmalspur-Waggonhotel Europas. „Um Kosten zu sparen, wurde die Feistritztalbahn als Schmalspur gebaut. Sie ist nur 760 Millimeter breit, in der Bahnsprache heißt diese Spurweite ,Bosnische Spur‘. Sie war in der Monarchie weit verbreitet“, informiert Schönauer.

Nachdem die Lok wieder mit Wasser befüllt wurde, setzt sie die Fahrt fort. Die Landschaft ändert nun schlagartig ihr Aussehen. Das Tal wird eng und die Bahn kreuzt mehrmals die Straße. Das Schloss Frondsberg rückt ins Blickfeld und kurz darauf Koglhof bei Birkfeld.

Dort kann die Essigmanufaktur Oswald / Schaffer besucht werden. Im Familienbetrieb werden frische Kräuter und reife Früche zu Essig weiterverarbeitet. Beim Aroma dreht sich alles um den Apfel. Kinder zieht es zur Sommerrodelbahn oder in den „Arche Park“, in dem steirische Haustiere leben, die vom Aussterben bedroht sind. Zwergkühe, Scheckenziegen, Sulmtaler Hühner und Zwergschafe tummeln sich auf der Wiese.

Von Koglhof ist es nicht mehr weit nach Birkfeld, dem Ziel der Reise. Auf den letzten Metern kommt die Bahn noch einmal ins Schnaufen, denn es geht steil bergauf. Nach insgesamt einer Stunde und 40 Minuten kommt die Bahn zum Stehen. Zurück nach Weiz kommt die „alte Dame“ schneller voran. Knapp eineinhalb Stunden braucht sie für die Rückfahrt. Die Dampflok fährt jeden Samstag bis 13. Oktober aus. Die Diesellok rollt am Mittwoch und Donnerstag von 11. Juli bis Ende August über die Schienen.

In Birkfeld ist die Fahrt zwar zu Ende, der Genuss aber noch lange nicht. Naschkatzen besuchen die Schokoladen-Manufaktur Felber, Wanderer spazieren am Edlseer-Hoamat-Wanderweg, Museumsliebhaber besuchen die akustische Ausstellung „Klangtunnel“ im Schloss Birkenstein und Radler schwingen sich auf den Drahtesel.

„Früher ist die Bahn bis nach Ratten gefahren. Die Strecke wurde aber eingestellt und die Gleise wurden abgetragen. Heute können Ausflügler die 18 Kilometer lange Strecke auf der ehemaligen Trasse auf dem Fahrrad bewältigen. Fahrräder werden gratis transportiert“, gibt Schönauer einen Ausflugstipp. widlak
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