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Ausgabe Nr. 25/2018 vom 19.06.2018, Foto: WMG
Lily Allen hat bewegte Jahre hinter sich.
„Ich ging aus Verzweiflung mit Männern ins Bett“
Sie ist wieder in der Spur. Vier Jahre nach ihrem Album „Sheezus“ brachte die 33jährige Engländerin Lily Allen dieser Tage ihr viertes Album „No Shame“ auf den Markt. Es ist bemerkenswert, wie traurig sich die meisten der neuen Lieder anhören. Die einst unbeschwert durch den Alltag flirrende junge Frau aus einer Londoner Künstlerfamilie musste in den vergangenen Jahren manch unschönen Streich des Lebens hinnehmen – darüber singt sie jetzt.
Sie sind musikalisch kaum wiederzuerkennen. Ihre neuen Lieder klingen ernst und melancholisch. Was ist passiert?
Eine Menge. Wo soll ich anfangen? Vor drei, vier Jahren war ich am Boden. Ich mochte mein Album „Sheezus“ nicht und rieb mich dabei auf, alle Menschen um mich herum – vor allem jene bei der Plattenfirma und den Radiosendern – irgendwie zufriedenzustellen. Aber ich selbst war unglücklich, unglaublich betrübt.

Hören sich die neuen Songs deshalb so traurig an?
Ja. Ich musste traurige Musik machen, damit ich selbst weniger traurig sein konnte. Ich hatte mich verloren. In den ersten Jahren meiner Karriere war ich jung, sorglos und hatte keine große Verantwortung, außer für mich selbst – und war nicht depressiv. Jetzt bin ich 33 Jahre alt, habe zwei Kinder und bin geschieden. Ich kann nicht mehr so tun, als wäre alles schön. Das Leben hat mir zugesetzt, und ich habe keine Angst, über meine Gefühle zu singen. Ich war noch nie so ehrlich wie auf „No Shame“.

Was ist in Ihrer Ehe mit Sam Cooper, dem Vater Ihrer Töchter Ethel, 6, und Marnie, 5, schiefgegangen?
Tja, ich kann es nicht einmal genau sagen. Sam und ich haben nie schlimm gestritten. Es war einfach so, dass ich nichts mehr fühlte, gar nichts mehr, auch nicht ihm gegenüber. Mir ging es derart schlecht, dass ich zu meinem Therapeuten sagte, „vielleicht ist es an der Zeit, dass ich es mit Heroin versuche“. Das Lied „Everything To Feel Something“ dreht sich um diese Überlegungen.

Und – haben Sie es versucht?
Nein. Denn ich weiß, dass Heroin die Endstation ist.

Hätten Sie es probiert, wenn Sie kinderlos wären?
Ja, das kann gut sein. Meine Mutter hat früher Heroin genommen, als ich klein war. Ich fragte sie einmal, wie sich das anfühlte, und sie sagte, „so, als würdest du auf einer mit Honig überzogenen Wolke sitzen“. Ich dachte, „oh, das hört sich nett an“. Aber mir war damals schon klar, dass ich besser die Finger davon lassen sollte.

Wie verlief die Trennung?
Nicht schön. Ich habe für unsere Ehe gekämpft, aber ich habe mich nicht so verhalten, wie ich es hätte tun sollen, wenn ich verheiratet bin und es bleiben möchte.

Was heißt das?
Auf meiner Tournee im Jahr 2015 geriet ich außer Kontrolle, auch was das Sexuelle angeht. Ich war noch mit meinem Mann zusammen, ging aber fremd. Und das nicht auf eine schöne Weise. Oder sagen wir, auf eine Weise, die mir selbst Spaß gemacht hätte.

Sondern?
Um meine Leere irgendwie zu füllen, schlief ich mit anderen Männern. Aus Verzweiflung. Ich war deprimiert wegen meiner Musik, die mir nicht gefiel. Ich aß nicht mehr gescheit und ich trank eine Menge. Das mit dem Trinken war das Schlimmste überhaupt. Ich war fürchterlich einsam und traurig. Ich trank irgendwann schon in der Früh. Alle waren weg – meine Kinder, mein Mann, ich kam mir vor, als sei ich der letzte Mensch auf der Welt.

Wie haben Sie sich herausgezogen?
Mit Musik, Therapie. Aufhören zu trinken. Aufhören zu koksen. Heimgehen.

Haben Sie dem Alkohol abgeschworen?
Nein. Aber ich gehe kaum noch aus, schon gar nicht auf Partys. Meist kommt meine Mutter vorbei, kocht uns was Schönes, und wir machen uns dazu ein Fläschchen Wein auf. S. Rüth
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