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Ausgabe Nr. 25/2018 vom 19.06.2018, Foto: imago
Das frühere Schi-Ass Bode Miller betrauert
den Tod seiner kleinen Tochter Emmy (19 Monate) .
Todesfalle Schwimmbecken
Ertrinken ist die häufigste Todesursache bei Kindern. Dabei ereignet sich jeder dritte tödliche Unfall in privaten Schwimmbecken. Mediziner raten, die Kleinen im und rund um das Wasser stets zu beaufsichtigen. Denn fallen sie ins Nass, gehen sie lautlos unter. Für eine Rettung ist es oft zu spät. Diese schlimme Erfahrung musste der frühere Weltklasse-Schifahrer Bode Miller vor ein paar Tagen machen. Seine erst 19 Monate alte Tochter Emmy starb nach einem Badeunfall.
Es war ein ruhiger warmer Abend in Südkalifornien (USA). Der Feuerwehr-Mann Steve Concialdi sah im gekühlten Büro dem Endes seines Dienstes entgegen. Es gab keine besonderen Vorkommnisse in „Coto de Caza“, einer abgegrenzten Millionärs-Siedlung inmitten grüner Hügeln, etwa 90 Kilometer südöstlich von Los Angeles.

Aber um 18.35 Uhr schrillte plötzlich das Telefon. Jemand hatte den Notruf gewählt. „Schnell, schnell. Kommen Sie schnell! Meine Tochter ist in den Pool gefallen, sie atmet nicht mehr, hat keinen Pulsschlag“, rief eine aufgeregte Frau. „Wie lange war sie unter Wasser?“, fragte der Feuerwehrmann sachlich. „Wir wissen es nicht. Bitte schicken Sie Hilfe.“ „Können Sie Wiederbelebungsversuche machen oder soll ich es Ihnen erklären?“ „Bitte erklären Sie uns, was zu tun ist“, sagte nun ein Mann, der sich ins Gespräch einmischte. Dann war nervöses Stimmengewirr am anderen Ende der Leitung zu hören. „Es gibt einen leichten Pulsschlag“, sagte der Mann. „Aber nur ganz schwach. Wir brauchen ein Sauerstoff-Gerät.“ „Sanitäter sind auf dem Weg zu Ihnen. Sie werden gleich da sein.“ Noch einmal war der Mann zu hören, „Komm, Emmy. Komm, Baby!“ Schließlich wieder die Frau, „Mach weiter, Perry. Mach weiter!“ Dann hörte der Feuerwehrmann Concialdi am Telefon die Sirenen der am Unfallort eintreffenden Rettung.

Die Anruferin war Morgan Beck Miller, 31, die schwangere Frau des berühmten ehemaligen Schirennläufers Bode Miller, 40. Der Mann neben ihr am Telefon war Perry Valaskantjis, 37, ein Freund der Familie Miller. Morgan Miller, Mutter von zwei eigenen Kindern und Stiefmutter zweier früherer Kinder ihres Mannes, hat an diesem Samstag, dem 9. Juni, den schlimmsten Schmerz erlitten, den das Schicksal liebenden Eltern zufügen kann. Ihr 19 Monate altes blondes Töchterchen Emelinde, genannt Emmy, war ertrunken.

Als der Notarzt in der Villa in „Coto de Caza“ eintraf, stand Perry Valaskantjis, das reglose Mädchen in den Armen, neben der Mutter in der Tür. Er übergab das Kind den Sanitätern, die vergeblich versuchten, Emmy wiederzubeleben. Bei der Ankunft im Spital war Bode Millers kleine Tochter tot.

Sie wurde Opfer eines Unglückes, das sich in den Sommermonaten auch hierzulande leider immer wieder ereignet. Zwischen den Jahren 2007 und 2017 gab es etwa 200 Badeunfälle, jeder fünfte endete tödlich. Ein weiteres Fünftel der verunglückten Kinder leidet nach einem derartigen Unfall unter geistiger Behinderung. Zeit ist in diesem Fall ein wesentlicher Faktor. Denn sobald der Kopf unter Wasser ist, droht die Unterversorgung mit Sauerstoff. „Es bleiben zwei bis drei Minuten, bevor Schäden entstehen“, weiß Holger Till, Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Er mahnt Eltern vor allem zur Vorsicht und Aufmerksamkeit. „Denn Kinder ertrinken lautlos, das ist das Tückische.“

Angesichts Millers Schmerz nach dem Verlust seiner Tochter Emmy haben offenbar auch zwei Frauen Frieden mit dem sechsfachen Olympia-Sieger geschlossen, die kein gutes Wort über ihn fanden, nachdem er sie mit einem Kind sitzen ließ. Beide bekundeten ihr Beileid. Chanel Johnson, 30, mit der Miller im Jahr 2007 eine Affäre hatte, gebar im Februar 2008 seine Tochter Neesyn Dacey. Das Mädchen lebt bei seiner Mutter in Escondido (US-Staat Kalifornien), besucht den Vater aber regelmäßig. Im Sommer 2012 brachte dann die frühere Soldatin Sarah McKenna, 27, nach einer dreimonatigen Beziehung Millers Sohn Samuel zur Welt. Der Bub wächst seit einem schweren Streit ums Erziehungsrecht bei den Millers auf.

Bereits ein paar Monate später, im Oktober 2012, heiratete der ehemalige Schirennläufer, der im Oktober des Vorjahres seinen Rücktritt bekanntgab, seine jetzige Frau Morgan Beck, eine professionelle Volleyballspielerin. Sie brachte im Mai 2015 Sohn Nash Skan zur Welt, im November 2016 folgte Tochter Emmy. Und in diesem Oktober erwartet das Elternpaar wieder Nachwuchs. Es ist das fünfte Kind von Miller, der sich zum tüchtigen Geschäftsmann entwickelt hat. Er berät namhafte Bekleidungsfirmen, wenn es um die Materialien geht. „Ich rede bei Dingen mit, von denen die meisten Menschen keine Ahnung haben“, meint der 40jährige.

Sein Interesse an Qualität zahlt sich aus. Unter anderem verkaufen Luxus-Läden wie Barneys New York (USA), Harrrod‘s London (England), Mr. Porter und Skiservice Corvatsch in St. Moritz (Schweiz) Produkte der Sportartikel-Firmen Aztech Mountain und Bomber, an denen Miller Teilhaber ist.

Die Einnahmen sprudeln, sodass sich Miller im Jahr 2013 um 4,1 Millionen Dollar eine pompöse Villa in der von Sicherheitsleuten überwachten Wohnanlage „Coto de Caza“ in einem fruchtbaren Tal des Orange County kaufen konnte. Bevor Bauunternehmer die ehemalige „Jagdhütte“ in einen Wohnkomplex mit Dutzenden luxuriöser Häuser entwickelten, brach John Wayne früher von hier aus zur Jagd nach Koyoten auf.

Die Villa der Millers hat zehn Schlafzimmer, vier Badezimmer und ein privates Schwimmbecken. Hier erblickten ihre Kinder Nash Skan und Emmy das Licht der Welt. Hier lernte der Sohn schwimmen. Emmy sollte demnächst ihren ersten Schwimmkurs belegen. Die Nach-
barn, der reiche griechischstämmige Restaurant-Besitzer Perry Valaskanjis und seine Frau Christy, sind seit Jahren
gute Feunde der Millers. Sie gaben am verhängnisvollen Samstag eine Party. Morgan Miller gesellte sich dazu, samt ihrer Tochter Emmy im rosafarbenen Kinderwagen. Bode Miller wollte mit seinem Sohn Nash Skan nachkommen. Die Gäste feierten im Wohnzimmer, es war heiß, die Tür zum Garten war deshalb geöffnet. Und im Garten liegt das Schwimmbecken. Plötzlich rief Morgan Miller: „Emmy? Emmy!“ Sie hatte den Kinderwagen nur ein paar Sekunden aus den Augen gelassen. Nun war er leer. Zwei Puppen ihrer Tochter lagen auf dem Fußboden. Miller und der Hausherr stürzten zum Becken, gefolgt von den übrigen Gästen. Sie fanden Emmy leblos im Wasser treibend.

Auf der Internetplattform Instagram ließ Bode Miller wissen, wie sehr ihn diese Tragödie trifft. „Wir sind am Boden zerstört. Nicht in einer Million Jahren hätten wir gedacht, dass wir einen solchen Schmerz erleiden würden. Ihre Liebe, ihr Licht, ihr Geist werden nie vergessen werden. Unser kleines Mädchen liebte das Leben und erfreute sich jeden Tag daran.“

Damit anderen Kindern ein ähnlich tragisches Ende ihres kurzen Lebens erspart bleibt, sollten private Becken mit einem Zaun gesichert werden, raten Experten. „Sich auf Schwimmflügerl und Schwimmreifen zu verlassen, reicht nicht. Sie bieten keinen zuverlässigen Schutz.“ Spezielle Schwimmtechniken helfen sogar schon sechs Monate alten Kindern, sich über Wasser zu halten. Bei der aus den USA kommenden sogenannten „Infant Swimming Resource“ (ISR) lernen die Kleinen, sich durch Beinbewegungen auf den Rücken zu drehen und auf dem Wasser zu treiben. Die Methode ist allerdings umstritten, weil dabei nicht gerade sanft mit den Kindern umgegangen wird. Der Erfolg spricht aber dafür.
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