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Ausgabe Nr. 24/2018 vom 12.06.2018, Fotos: Imago, picturedesk.com

Am Donnerstag erfolgt der Ankick
zur 21. Fußball-Weltmeisterschaft

Putin ließ sich die WM 36 Milliarden Euro
kosten.
Russisches Fußball-Roulette
Startschuss zum WM-Aufmarsch der 736 besten Dribbler aus 32 Ländern. Die weltgrößte Sportveranstaltung wird ab der Eröffnung am Donnerstag bis zu dreieinhalb Milliarden Menschen in ihren Bann ziehen. Erstmals wird auf zwei Kontinenten gespielt, allerdings regiert in Russland auch die Angst vor politischen Komplikationen, Korruption und Hooligan-Terror.
Der rechtzeitig fit gewordene Supertricksler Neymar und seine brasilianischen Kollegen sind nach dem 3:0-Sieg in Wien gegen die rot-weiß-rote Nationalmannschaft laut den Statistikern der Universität Innsbruck der erste Favorit auf den Titel. Außerdem haben die Kicker vom Zuckerhut mit einem Marktwert von 952 Millionen Euro auch das teuerste Team der Weltmeisterschaft.

Die nächsten vier Wochen werden wohl für eine ganze „Goldene Generation“ von Supersportlern zur letzten Titelhoffnung, allen voran Ronaldo, Messi, Marcelo, Luis Suarez oder etwa Luka Modric. „Spanien, Frankreich, Deutschland und Brasilien sind meine großen Titelfavoriten“, glaubt unser ÖFB-Teamchef Franco Foda, der selbst zur Beobachtung potenzieller Gegner einige Wochen in Russland vor Ort ist.

Was er dort sehen wird, ist nicht nur die historische Premiere der Länder Island und Panama, die erstmalige WM-Anwendung des Videobeweises für die Schiedsrichter sowie erstmals einen erlaubten vierten Einwechselspieler in der Verlängerung, es ist zudem auch die erste Weltmeisterschaft, die auf zwei Kontinenten stattfindet, in Asien und Europa. Einen neuen Altersrekord stellt Ägyptens Tormann Essam El Hadary auf, mit 45 ist er der älteste bislang nominierte Spieler.

Der Gastgeber Russland erwartet beim großen Rasenfest zwei Millionen internationale Fußball-Anhänger, die für den Eintritt in die zwölf längst ausverkauften Stadien – neun davon extra für die WM errichtet – pro Karte zwischen 85 und 892 Euro zahlen mussten, soviel wie noch nie. Kein Wunder, denn Russlands Staatschef Wladimir Putin ließ sich die schönste Nebensache der Welt insgesamt 36 Milliarden Euro kosten und machte diese Fußball-WM zur bislang teuersten. Zum Vergleich, die Ausgaben sind doppelt so hoch wie in Brasilien 2014 und vier Mal so hoch wie im Jahr 2006 in Deutschland. Dafür spielen die Arenen auch alle Stückerl, die größte ist das Luschniki-Stadion in Moskau mit 81.000 Sitzen, in der St.-Petersburg-Arena kann sogar durch ein spektakuläres Heizsystem die innere Stadionluft auf konstant 21 Grad gehalten werden. Doch die Nachhaltigkeit dieses Bauwahnsinns ist nicht nur fraglich, sondern laut Gutachten von vornherein zum Scheitern verurteilt. Nur eines der Stadien wird zurückgebaut, vier der Austragungs-Städte besitzen nun zwar Arenen mit mehr als 35.000 Sitzplätzen, jedoch nur Zweitligamannschaften, zu denen zuvor 1.000 bis 5.000 Zuschauer pilgerten. In Sotschi gab es überhaupt noch nie eine Fußballmannschaft. „Wir werden Lösungen dafür finden“, verspricht Putin.

Die daheimgebliebenen Fußballfreunde können auch bei der WM mitfiebern, der ORF überträgt alle Spiele in insgesamt 220 Stunden Sendezeit live, die Ankickzeiten liegen zwischen 12 und 21 Uhr in der Vorrunde äußerst angenehm. Für die musikalischen Akzente im Zeichen des runden WM-Leders sorgen der Hollywood-Mime Will Smith, der das offizielle Lied „Live it up“ singt und der US-Sänger Jason Derulo, der die WM-Hymne „Colors“ interpretiert. Als Maskottchen ist Wolf „Zabivaka“ allgegenwärtig, was auf Deutsch soviel heißt wie „kleiner Torschütze“.

Und für eine Vorhersage der Sieger sorgt diesmal als tierisches Ergebnis-Orakel in Anlehnung an die 2010 durch große Treffsicherheit berühmt gewordene Krake „Paul“ die russische taube Katze „Achilles“. Erstaunlich, der Stubentiger sagte bereits beim Confedcup im Jahr 2017 bis auf ein Ergebnis alle Spielausgänge richtig vorher.

Damit auch die Besucher auf ihre Kosten kommen, wurden die Innenstadtbereiche der Austragungsstädte unter großem Aufwand aufgemascherlt und in die Sicherheit 1,4 Milliarden Euro investiert. Unterm Strich sind dennoch viele Besucher aus Europa besorgt, nicht nur aufgrund der Kriegshandlungen an der Grenze zur Ukraine und der ständig drohenden Terrorgefahr, sondern auch wegen der gefürchteten russischen Hooligans, die schon bei der EM 2016 für Verletzte und Negativschlagzeilen sorgten. „Die Welt soll sich aber auf den Fußball konzentrieren“, mahnt Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA.

„Ich bin entspannt, es werden herrliche Spiele werden. Ich habe in 20 Jahren kein Veranstalterland erlebt, das so engagiert war.“ Am Exekutivpersonal wird jedenfalls nicht gespart. Die vor der Küste kreuzende Baltische Flotte und mehr als 100.000 Polizei- und Militärmitarbeiter machen die WM zur größten Sicherheitsoperation in der Fußballgeschichte.
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