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Ausgabe Nr. 24/2018 vom 12.06.2018, Fotos: Fotolia, picturedesk.com
Drei „Post-Geschwindigkeiten“ ab 1. Juli
Post-Chef Georg Pölzl
Trara, die „Schneckenpost“ ist da
Die Post bringt allen was, künftig aber auch langsamer. Es sei denn, die Kunden zahlen mehr. Dann kommt der Brief schon am nächsten Tag an. Doch Briefe sind ohnehin ein Auslaufmodell. „Postler“ sparen deshalb weltweit.
In Deutschland könnte der Postmann künftig seltener klingeln. Im vorigen Sommer sorgte ein Experiment für Aufregung. Die Deutsche Post testete ein System, bei dem die Post nicht mehr täglich zugestellt wurde. Freiwillige konnten aussuchen, ob sie ihre Briefe nur einmal am Samstag als Sammellieferung bekommen möchten, an drei Wochentagen oder von Montag bis Freitag, dann aber an den Arbeitsplatz.

1.500 Haushalte nahmen drei Monate lang an dem Pilotprojekt teil. Zu den Testergebnissen schweigt die Deutsche Post, „da wir diese aktuell noch final auswerten“, heißt es in Bonn (D).

In unserem Land ist von weniger Zustelltagen keine Rede. Dafür wird es künftig drei „Post-Geschwindigkeiten“ geben. Derzeit kostet ein normaler Brief 68 Cent. Zu 95 Prozent wird er am nächsten Werktag zugestellt.

Wer will, dass seine Post auch in Zukunft am nächsten Tag ankommt, muss tiefer in die Taschen greifen. 80 Cent kostet der „Prio-Brief“ ab 1. Juli. Immerhin eine Preiserhöhung von fast einem Fünftel. Daneben gibt es dann aber auch noch eine „Schneckenpost“. Wer sich damit zufrieden gibt, dass die Postsendung erst nach zwei bis drei Werktagen beim Empfänger ist, muss nur 70 Cent investieren. Für Geschäftskunden gibt es zusätzlich den „Eco-Business“- Tarif mit 65 Cent, der vier bis fünf Werktage brauchen kann. Er ist aber erst ab 1.000 Stück möglich. Auch beim Tarif für „Päckchen“ gibt es künftig mehrere Geschwindigkeiten.

Mit der Umstellung sei eine Kosteneinsparung möglich, ohne dass das Service darunter leide, meinte Postchef Georg Pölzl bei der Tarifvorstellung. „Wer braucht schon einen Strafzettel am nächsten Tag.“ Pölzl führt die Post auf jeden Fall noch bis September 2019. Im Vorjahr verdiente er, inklusive Sachbezügen, 1,3 Millionen Euro. Insgesamt bekommen die vier Vorstände knapp 4,2 Millionen Euro.

Die Post ist mehrheitlich im Staatsbesitz. 52,85 Prozent der Aktien hält die Beteiligungsgesellschaft der Republik Österreich (ÖBIB), die Nachfolgerin der ÖIAG. Im Vorjahr hat die Post mehr als 200 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern gemacht.

Mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei der Brief-Zustellung sind wir ab 1. Juli nicht alleine. Das Modell existiert bereits in 19 Ländern, „darunter Dänemark, Spanien, Italien, Ungarn, Frankreich oder Deutschland“, weiß ein Post-Sprecher. Die „Postler“ suchen weltweit nach Wegen, um Kosten zu sparen.

Denn der Brief ist ein Auslaufmodell. Das E-Mail und Internet-Nachrichtendienste haben den klassischen Brief verdrängt. Das Geschäft mit der Botschaft im Kuvert geht Jahr für Jahr um rund ein Zwanzigstel zurück. Im Vorjahr haben wir nur noch Briefe im Wert von zwölf Euro pro Person aufgegeben. Doch Firmen, Ämter und Behörden setzen nach wie vor auf die Nachricht im Postkasten.

Während das Briefgeschäft nachlässt, boomt die „Packerl-Post“. 97 Millionen Pakete transportierte das Unternehmen zuletzt. 93 von 100 Packerln „werden von der Post bereits beim ersten Zustellversuch dem Empfänger übergeben“, heißt es im Finanzbericht 2017. Eine Zahl, die für jene kaum zu glauben ist, die regelmäßig gelbe Zettel im Briefkasten vorfinden, mit der Nachricht, dass sie sich ihr Paket bei der Post abholen können. Doch die Zahl stimmt, versichert ein Post-Sprecher. „Weil jedes Paket bei der Aufgabe und auch bei der Abgabe ,registriert‘ wird.“
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