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Ausgabe Nr. 23/2018 vom 05.06.2018, Foto: Getty Images
Andreas Gabalier
Der steirische Volks-Rock‘n‘Roller bedient die breite Masse und füllt damit Stadien.
„Manchmal muss das Schmalz rinnen“
Er trägt sein Herz auf der Zunge und eckt damit immer wieder an. Der Steirer Andreas Gabalier ist zweifelsohne nicht jedermanns Liebling, dennoch gelingt dem selbsternannten „Volks-Rock‘n‘Roller“, was kaum einem anderen Sänger derzeit gelingt. Er füllt in Nullkommanichts die größten Stadien. Bereits im dritten Jahr hintereinander zum Beispiel das Olympiastadion in München am 16. Juni. Dort wird er unter anderem die Lieder seines neuen Albums singen, das am Freitag in den Handel gekommen ist. Mit den von ihm geschriebenen Stücken auf „Vergiss mein nicht“ vereint der 33jährige die typischen Klischees. Dazu steht Gabalier, schließlich wolle er die Massen bedienen, wie er im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erklärt.
Herr Gabalier, Sie spielen am 16. Juni wieder im ausverkauften Münchener (D)Olympiastadion. Haben die Menschen immer noch nicht genug von Ihnen?
(lacht) Anscheinend nicht. Vor drei Jahren schien die Idee mit dem Stadion noch undenkbar. Als ich sagte, „gehen wir da rein“, haben mir alle den Vogel gezeigt. Für mich war das aber nur noch mehr Motivation, das Stadion zu füllen. Ich glaube, drei Jahre hintereinander dort vor vollem Haus zu spielen, hat noch keiner geschafft. Das ist der Wahnsinn.

Was machen Sie richtig?
Ich mache es einfach und anscheinend besteht noch Sehnsucht. Ich habe Bock, ich will immer noch mehr. Und ich schreibe nach wie vor meine Lieder selbst. Die neuen Stücke sind mir so leichtgefallen wie noch nie, keine Spur von Schreibblockade.

Ist „Vergiss mein nicht“ so etwas wie ein Rundflug durch die Welt des Andreas Gabalier?
Ja, es ist sicher mein buntestes Album. Ein paar Lieder sind hart und fortschrittlich. Einen Song wie „Vergiss mein nicht“ kann ich mir auf meinem sechsten Album ruhig einmal erlauben.

Die Nummer hört sich fast nach „Rammstein“ an.
Danke. Ja, „Rammstein“ fand ich als Teenager gut, „Metallica“ auch. Ich weiß noch, als wir damals begonnen haben, Stromgitarre zu spielen und den Keller zu dämmen. Mit Eierkartons. Das brachte natürlich nichts, aber das wussten wir nicht. War das ein Spaß.

Sowohl Text als auch Musik Ihrer Single „Verdammt lang her“ erinnert an „Summer of 69“ von Bryan Adams. Ist das beabsichtigt?
Der Bryan Adams hatte einen prägenden Einfluss auf mich. Er war sogar der Hauptgrund für den Kauf meiner ersten Gitarre im Alter von 14 Jahren. Alles, was ich in dem Lied verarbeitet habe, ist wirklich so passiert. Das war meine Teenagerzeit, damals haben wir noch Musik auf Kassetten überspielt. Auch sonst ist alles da drin, die Partys, die erste Freundin.

Wann hatten Sie Ihre erste Freundin? Mit 20. Und davor?
War eher das Lotterleben angesagt (lacht). Ich hatte eine lustige Jugend. Wir lebten am Stadtrand in einer wunderbaren Siedlung im Grünen, da war immer was los. Wir haben herrlich gefeiert in alten, stillgelegten Bunkern, manche Nächte waren durchzecht.

Wann gab‘s die letzte durchzechte Nacht?
Zu Ostern. Wir haben ordentlich beim Vater meines ältesten Freundes aus dem Kindergarten gefeiert. Der hat zu Ostern immer Tag der offenen Tür. Dann versammeln wir Jugendfreunde uns, es ist ein Kommen und Gehen, es ist stets unglaublich gesellig. Ich glaube, ich war um halb sechs Uhr in der Früh daheim. Im Regelfall trinke ich aber immer weniger. Ich mache viel Sport und schaue, dass ich das Pensum meistere, das ich mir auferlegt habe. Mein Leben ist ja doch turbulent.

Vermissen Sie das Lotterleben mit den Mädchen?
Nein, das legt sich ja auch ein bisschen mit der Zeit. Ich höre von so vielen Fällen, gerade aus Künstlerkreisen, von Kollegen, die fünf Mal geschieden sind. Also, da bin ich schon froh, eine Partnerin an meiner Seite zu haben, bei der ich zumindest daran glaube, dass es passt.

Und so lange Sie nicht heiraten, können Sie sich auch nicht scheiden lassen …
Ja, ganz genau (lacht).

Sie sind seit fünf Jahren mit der Fernseh-Moderatorin Silvia Schneider liiert.
… und seit fünf Jahren läuft es wirklich gut zwischen uns. Es ist alles prima, es gibt keine Probleme, wir streiten uns tatsächlich nie. Vielleicht auch deshalb, weil wir so beschäftigt sind und uns selten sehen (lacht). Nein, also, ich bekomme das ja bei meinen Freunden mit, was die erzählen, wie denen die Mädchen auf den Keks gehen. Es kommen öfters Freunde bei mir vorbei, die sagen, „Hast du ein Bier, ich halt‘s daheim nicht mehr aus.“ Das Gefühl habe ich nie.

Sie leben aber auch ein anderes Leben als die meisten Ihrer Freunde.
Das stimmt. Ich bin froh, noch frei zu sein. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum meine Beziehung gut funktioniert. Irgendwie ist bei mir alles noch unbeschwert und locker. Wenn ich immer im Hinterkopf hätte, „die Kinder schreien daheim, und ich will sie nicht alleinlassen“, wäre das wahrscheinlich nicht ideal für meine Arbeit. Diese Verantwortung noch nicht zu haben, tut gut.

Mit dem Lied „Ewig“ haben Sie eine Liebesballade auf dem Album. Sie klingt ein wenig schmalzig …
Natürlich, das Schmalz muss manchmal einfach rinnen. Diese Art von Liedern lieben meine Anhänger. „I sing a Liad für di“ ist ein Live-Klassiker, solche Lieder haben mich groß gemacht. Das ist tagsüber im Radio vielleicht ein bisschen zu viel des Kitsches, aber im Konzert, nach ein paar Bier – herrlich. Dann nehmen sich alle in den Arm. Die breite Masse will auch bedient werden. Für die mache ich Musik. Sonst würde ich nicht in Stadien spielen oder in Schladming vor 70.000 Besuchern.
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