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Ausgabe Nr. 23/2018 vom 05.06.2018, Fotos: duty
Sabine Schroll ist als Katzenflüsterin bekannt.
Kater „Misty“ reicht seinem Frauerl brav das Samtpfötchen.
Verhaltensexpertin Sabine Schroll weiß: „Jede Katze kann alles lernen“
Entgegen des Klischees, Katzen würden nicht einmal auf ihren Namen hören, gibt es sehr wohl Methoden, die herzigen Samtpfoten wie einen Hund zu „trainieren“. Allerdings ist die Aufmerksamkeitsspanne bei Katzen gering, sodass über einen längeren Zeitraum geübt werden muss.
Dafür lernen die Samtpfoten schneller, weiß die Katzenpsychologin Sabine Schroll aus Niederösterreich. Sie gibt Tipps, wie jeder Besitzer seiner Katze „Manieren“ beibringen kann.
Scheinbar gelangweilt hebt der Kater den Kopf, als er gerufen wird. Dann legt er sich wieder auf der breiten Lehne des Sofas hin und streckt genüsslich alle Viere von sich. Seine weibliche Artgenossin macht sich über das Fressen her, das ihr auf einem Teller am Küchenboden serviert wurde. Weil ihr das noch nicht reicht, macht sie einen Satz und landet auf der Anrichte, zwischen Gläsern und Töpfen. Neugierig tapst sie herum, bis das Frauchen mit gespielt böser Stimme und Miene sie wieder herunterhebt. Wenige Augenblicke später sitzt die Katze wieder auf der Anrichte und Frauchen ist verzweifelt. Ihre Samtpfote hat einfach keine Manieren, sie ihr beizubringen, dafür fehlt das Wissen.

Ein Wissen, über das die aus der steirischen Landeshauptstadt Graz stammende Tierärztin Sabine Schroll verfügt. Die 54jährige hat sich auf Katzen- und Verhaltensmedizin spezialisiert. Sie gilt als eine der führenden Katzenpsychologinnen unseres Landes und betreibt in Krems (NÖ) eine Praxis (www.schroll.at, Tel.: 0650/9686236). Sie weiß, wie beliebt Katzen in unserem Land sind, etwa 1,6 Millionen Tiere gibt es, aber auch, wie klug und gelehrig sie sind. Und dass es Zeit bedarf, ihnen „gutes Benehmen“ beizubringen. „Jede Katze kann in jedem Alter alles lernen“, ist Schroll überzeugt. „Natürlich geht das bei jungen Tieren leichter, weil die noch keine Lebenserfahrung haben. Aber ich kann jedem Tier beibringen, sich das Gebiss anschauen zu lassen, sich sogar ein Geschirr zum Anleinen anlegen zu lassen oder ins Körbchen zu gehen.“

Schroll, die selbst vierfache Besitzerin von herrlichen Abessinierkatzen ist, setzt bei der Arbeit mit Samtpfoten auf deren natürlichen Trieb und auf Belohnung durch kleine Leckerlis. „Um ihr etwa beizubringen, sich in eine Kiste zu setzen, stelle ich einfach eine Kiste auf den Boden. Jede normale Katze wird sich nach einer Weile dort hineinsetzen. Das ist in ihrer Natur“, erklärt die Expertin. „Sobald die Katze das gemacht hat, gibt es ein Leckerli. Dann wird das Tier mit einem Leckerli wieder aus der Kiste gelockt. Setzt es sich wieder hinein, gibt es wieder eine Belohnung. Auf diese Weise wird dieses Verhalten zur Gewohnheit. Ist es soweit, zeige ich auf die Kiste und gebe einen sprachlichen Befehl. Ich persönlich sage immer ,In die Kiste‘“, meint die 54jährige, die von kurzen Befehlen (wie „Sitz“) abrät. „,Kleinkindersätze‘ wie ,Komm her‘ oder ,Setz dich hin‘ klingen milder und werden von Katzen besser angenommen.“

Das Lernen von bestimmten Verhaltensmustern erfolgt stets nach dem gleichen Prinzip. Die Tierpsychologin rät jedoch, die Aufmerksamkeitsspanne der Katzen nicht zu überschätzen. „Zwei bis drei Mal am Tag sollte geübt werden und nicht länger als zwei bis drei Minuten. Katzen haben keine Ausdauer und langweilen sich schnell, dafür sind sie ,Blitzgneißer‘“, schmunzelt Schroll. „Schon nach wenigen Versuchen haben sie begriffen, was sie machen sollen. Der nächste Schritt ist, sie zur Zusammenarbeit zu bewegen. Das dauert viel länger. Die meisten jungen Katzen brauchen dafür bis nach der Pubertät, also bis nach dem ersten Lebensjahr.“ Auch bei erwachsenen Tieren sei mit bis zu einem Jahr zu rechnen, ehe sie so gut reagieren wie ihr rostbrauner „Misty“, der brav in den Korb springt, den ihm das Frauerl angezeigt hat. Ebenso gibt er Pfötchen, marschiert auf Wunsch ins Ausgehkörbchen und macht mit seinem Frauerl auf dem Rücken liegend Dehnungsübungen.

Dass ihre Tiere nicht an Übergewicht leiden, liegt an der ausgewogenen Ernährung und am Weglassen der Leckerlis, sobald die Handlungen automatisiert sind. Dann reichen lobende Worte oder Streicheln. „Um das Übergewicht zu vermeiden, müssen während der Lernphase die Leckerlis von der normalen Futtermenge abgezogen werden.“

Wichtig beim Üben ist auch, auf die Stimmung des Stubentigers zu achten. „Ist die Katze gerade in Kampfeslaune, bringt es nichts, eine Sitzübung zu machen. Aber niemals Kratzen, Beißen oder Treten mit den Händen spielen, sondern ein kleines Stofftier, eine ausgestopfte Socke anbieten. Die Katze muss lernen, dass menschliche Hände nicht gebissen und gekratzt werden dürfen“, erklärt die Katzenpsychologin, die darauf hinweist, dass Wohnungstiere nie auf den eigenen vier Pfoten die Wohnung verlassen dürfen. „Sonst wissen sie, sie können durch die Tür hinaus und sitzen dann davor und raunzen.“

Auch Verstecke sollten in der Wohnung angeboten werden. Dazu reicht bereits ein Papiersackerl, von dem die Griffe abgeschnitten wurden. Und beim Füttern sei auf den Jagdtrieb der Tiere Rücksicht zu nehmen, meint die Expertin. Nur eine Futterschüssel hinzustellen reiche nicht. Sogenannte Futterlabyrinthe oder Futterbälle aus dem Fachhandel sorgen dafür, dass sich die Katze ihr Fressen heraustatzeln, also „erarbeiten“ muss.

Sollte ein Tier verhaltensauffällig sein und deshalb unwillig, liege das bei gut der Hälfte aller vierbeinigen Patienten an körperlichen Problemen, weiß Schroll. Aber da bedarf es meist professioneller Hilfe, um den Schmerz zu erkennen.
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