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Ausgabe Nr. 23/2018 vom 05.06.2018, Foto: Peter Just
Der Wirt Wolfgang Radda, 53, aus Kärnten ist ein Vorreiter
„Ich habe Plastik aus meinem Lokal verbannt“
Es geht auch ohne Plastik. Im Lokal „GATES“ von Wolfgang Radda, 53, gibt es seit Kurzem weder Plastik-Strohhalme noch eine Plastik-Getränkekarte. Stattdessen Papierhalme und eine auf dem eigenen Mobiltelefon ablesbare Karte. Auch sonst setzt der „Öko“-Gastronom ganz auf Nachhaltigkeit.
Acht Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr weltweit in den Meeren. Die Europäische Union will diese Abfälle stark reduzieren und deshalb viele Einwegprodukte aus Plastik, darunter Strohhalme, Wattestäbchen, Besteck, Teller, und Luftballonstäbchen verbieten.

Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, zumal die Mitgliedsstaaten sowie das Europaparlament ihre Zustimmung zu diesem Verbot geben müssen. Auch gibt es keinen konkreten Zeitplan. Lediglich bei Einweg-Getränkeflaschen werden die EU-Staaten verpflichtet, bis 2025 eine Sammelquote von 90 Prozent zu erreichen. Unter anderem durch Pfandsysteme.

Rasch handeln wollte dagegen der Klagenfurter Gastronom Wolfgang Radda, 53, der das umweltschädliche Plastik vollständig aus seinem Lokal „GATES“ verbannt hat. „Meine Plastik-Strohhalme habe ich durch Halme aus lebensmittelechtem Papier ersetzt. Das hat mich ein paar Minuten Internet-Recherche gekostet, um die Kärntner Firma ,Papstar‘ zu finden, die Papier-Strohhalme herstellt. Sie sind nur unwesentlich teurer, aber dadurch vermeide ich nun weit mehr als 500 Plastik-Strohhalme im Monat bei der Müllentsorgung“, sagt Radda, der seit zweiundzwanzig Jahren sein Lokal betreibt.

Bei den Trinkhilfen hört sein Umweltschutz allerdings längst nicht auf. „Es gibt auch keine Getränkekarten aus Hartplastik mehr. Stattdessen habe ich an den Tischen und an der Bar sogenannte ‚QR-Codes‘ anbringen lassen. Der Gast muss nur sein Mobiltelefon über diesen Code halten und schon ist die Getränkekarte auf seinem Handy abrufbar“, erklärt Radda.

Diese Umstellung machte eine Investition von 1.000 Euro nötig. „Plastik zu vermeiden ist nicht teuer, aber wir müssen uns damit beschäftigen. Aus diesem Grund habe ich mit meinen Getränkelieferanten vereinbart, dass sie keine Plastikverpackung mehr verwenden sollen, sondern Papier. Bis jetzt hat sich noch keiner beschwert und alle machen mit. Das freut mich. Denn alleine dadurch vermeide ich 25 Kilo Plastik im Monat. Außerdem habe ich auf Pfandsysteme umgestellt, um zusätzlichen Müll und Wegwerfflaschen einzusparen“, erklärt der umweltbewusste Gastwirt, der schon immer „ziemlich öko“ gewesen sei, wie er meint.

„Ich bin oft in Südafrika und jedes Mal entsetzt, welch riesige Plastik-Müllberge es dort gibt. Es erschreckt mich, dass sogar im Meersalz Mikroplastik steckt. Das Thema geht uns alle an. Außerdem soll meine Tochter Emilia, 9, später einmal eine intakte Welt zu Gesicht bekommen. Deshalb habe ich mein Lokal nicht nur plastikfrei gemacht, sondern auch so Energie-effizient wie möglich. Es gibt LED-Beleuchtung und ausschließlich Kühl- und Tiefkühlgeräte der höchsten Energie-Effizienzklasse. Sogar beim Gestalten des neuen Gastgartens haben wir biologisches Öl für die Holzversiegelung verwendet. Es sind eben die kleinen Dinge, die zählen, aber die schlussendlich das große Ganze ausmachen“, ist Radda überzeugt.
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